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Wuchsgebiet 16: Westfälische Bucht

Zahlen und Fakten

Den Charakter einer Bucht erhält die ebene bis flachwellige Landschaft durch das Rheinische Schiefergebirge im Süden, die Höhenzüge des Teutoburger Waldes und der Egge im Osten und Nordosten und den fließenden landschaftlich unauffälligen Übergang in die westlich angrenzenden Flachländer. Die höchsten Erhebungen finden sich mit Höhen bis 400 m ü. NN in der Paderborner Hochfläche. Das Gebiet wird durch Ems und Lippe entwässert.

Übersicht Wuchsgebiet Westfälische Bucht

Die vorherrschenden westlichen Winde erreichen vom Meer ungehindert die Westfälische Bucht. Daher ist hier ein typisches atlantisches bis subatlantisches Klima mit milden Wintern und kühlen Sommern ausgeprägt. Mittlere Niederschläge 650 – 950 mm, Länge der Vegetationszeit 150 - 190 Tage (Temperatur >10°C), Jahresmitteltemperatur 7,5-10,5°C und 15-16°C in der Vegetationszeit.

Kalk- und Mergelgesteine der Oberkreide stehen auf größerer Fläche im Bereich der Beckumer Berge und Baumberge (Lehmmünsterland), basenarme Silikatgesteine und Quarzite im Bereich Haard und Borkenberge oberflächennah an. Im Pleistozän wurden saalezeitliche Grundmoränen auf den Kreidegesteinen und Sander am Südwestrand des Teutoburger Waldes abgelagert. Weichseleiszeitliche Löß- und Sandlößablagerungen unterschiedlicher Mächtigkeit sind überall im Münsterland anzutreffen. Sie sind das bestimmende Substrat an der südlichen Berglandschwelle. Flugsand- und Niederterrassensande nehmen im Ost- und Westmünsterland (Sandmünsterland) weite Flächen ein, auf die kleinflächig holozäne Dünen aufgeweht wurden. Im Bereich von Mulden und Rinnen mit hoch anstehendem Grundwasser haben sich Moore entwickelt. Anthropogene Aufschüttungen nehmen größere Flächen im Ruhrgebiet ein.

Entsprechend den Gesteinen unterschiedlicher stofflicher Zusammensetzung ist eine große Vielfalt der Böden in der Westfälischen Bucht anzutreffen: Rendzinen und basenreiche Braunerden auf Kreidekalken und –mergeln, Pseudogleye bevorzugt über verdichtetem Substrat der Grundmoräne und tonreichem Kalkverwitterungslehm, Parabraunerden auf mächtigen Lößdecken, basenarme Braunerden auf silikathaltigen, grundwasserfernen Sanden, oft vergesellschaftet mit Podsolen auf armen Flugsanden, Gleye bei hoch anstehendem Grundwasser, Auenböden in den Fluß- und Bachtälern, Eschböden im Ost- und Westmünsterland und Kolluvisole kleinflächig auf Abgrabungs- und Aufschüttungsflächen.

Auf Dünen kommt der trockene Eichen-Birkenwald mit Kiefer vor und auf silikatarmen Flug- und Kreidesanden ist der Eichen-Buchenwald verbreitet. Je nachdem, ob der Löß basenreich oder basenarm ist, hat sich der Flattergras-Buchenwald oder der Drahtschmielen-Buchenwald, ausgebildet. Wo im Untergrund Carbonate für die Vegetation erreichbar sind, geht der Flattergras-Buchenwald in den Waldmeister-Buchenwald über. Der Stieleichen-Hainbuchenwald hat seinen Verbreitungsschwerpunkt im Kernmünsterland auf Pseudogleyen und auf grundwasserbeeinflußten Niederungsböden. Steht basenreiches Grundwasser bis in den Oberboden, entwickeln sich Schwarzerlenwälder bzw. Traubenkirschen-Erlen-Eschenwälder. Neben dem bachbegleitenden Erlenwald kann im Bereich der Niederterrasse großer Flüsse (u.a. Lippe) der Eichen-Ulmenwald vorkommen, der unmittelbar am Fließgewässer in den Silberweidenwald der Weichholzaue übergeht. Birkenbrüche und Moore haben sich dort gebildet, wo nährstoffarmes Grundwasser ganzjährig bis an die Oberfläche reicht.

Durch die frühzeitige Besiedlung der für den Ackerbau günstigen Löß- und Sandlößgebiete seit der Jungsteinzeit (Stichwort: Bandkeramiker) bzw. Bronzezeit (Stichwort: Hügelgräber) sind die hier ehemals stockenden Wälder in andere Nutzungsformen überführt und verbliebene Restwälder für die verschiedenen Ansprüche umgestaltet worden. Hierbei wurden insbesondere die Eichen für die Waldgestaltung bevorzugt, da sie u.a. Mast für Schweine lieferten und das Holz der Bäume ein begehrter Baustoff war. Auf den armen Flugsanden und in den Niederungen war der Ertrag der Landwirtschaft gering. Hier entwickelte sich daher schon frühzeitig ein Landbausystem, bei dem organische Materialien von umliegenden Flächen auf Äcker gebracht wurden, um die Nährstoffausstattung der Felder zu verbessern. Im Laufe von z.T. mehreren Jahrhunderten bildeten sich auf derart behandelten Äckern ein mächtiger (bis zu 1 m) humoser Horizont und die Flächen überragen z.T. die umliegenden um mehrere Dezimeter. Derartige Böden werden in der Bodensystematik als Esch-Böden bezeichnet. Viele Flächen, die das organische Material für die Felder lieferten, devastierten und durchliefen ein Heide- und Ödlandstadium. Zudem dienten sie großen Schafherden als Weide. Erst nachdem die Wollpreise zu Beginn der industriellen Revolution verfielen und sich die Kohle- und Eisenindustrie im Ruhrgebiet mit einem hohen Bedarf an Nutzholz (u.a. Grubenholz) entwickelten, wurden seit Beginn des 19. Jahrhunderts die devastierten Heiden und Ödländer wiederaufgeforstet. Hierbei wurde auf den armen Sandböden die Kiefer bevorzugt, da sie eine der wenigen Baumarten war, mit der auf diesen Flächen Waldbestände erfolgreich begründet werden konnten. Zudem konnte das Holz nach ca. 60 Jahren als Grubenholz zu guten Preisen an die Zechengesellschaften verkauft werden. Wenig vom Menschen beeinflußte Wälder sind nur kleinflächig erhalten. Mit dem zunehmenden Ausbau der Industrie im Ruhrgebiet und der Nordwanderung der Kohleförderung wurde die Emscher (die Emscher war im 18. Jahrhundert der fischreichste Fluß im Münsterland) als Vorfluter für Abwässer ausgebaut, das Grundwasser abgesenkt und die dort stockenden (Bruch-)Wälder gerodet. Zudem veränderten Bergsenkungen und Aufschüttungen die Landschaft und die Wälder nachhaltig. Früh erkannte man, daß Rauchgase der Industrien einen negativen Einfluß auch auf das Wachstum der Vegetation und die Waldbäume haben. Es dauerte jedoch bis Mitte der achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts bis das Problem der hohen Emissionen grundsätzlich angegangen wurde. Heute unterscheidet sich die Luftqualität im Ruhrgebiet nur wenig von industriefernen Räumen und auch die Waldbäume weisen nach Jahrzehnten der Rauchschäden heute wieder ein standorttypisches Wachstum auf.

In Zahlen

Waldfläche 173.700 ha
Bewaldung 16 %
Laubwald 114.500 ha
Nadelwald 59.200 ha
Baumarten Ei 21 %, Bu 13 %, sonst. Laubholz 32 %, Ki 22 %, Fi 9 %, sonst. Nadelholz 3 %
Waldeigentum Bund 8 %, Land 13 %, Körperschaft 11 %, Privat 68 %
Vorrat pro Hektar 278 Vfm
Zuwachs pro Hektar 10,1 Vfm

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