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Förderung für
den Waldbesitz

Waldzustand

Waldzustandsberichte

Der Waldzustand in NRW wird regelmäßig im Rahmen sogenannter Waldzustandserhebungen erfasst, ausgewertet und in Waldzustandsberichten dokumentiert.

Forstministerin Gorißen stellt Waldzustandsbericht 2022 vor

Gorißen: Gemeinsam wird es uns gelingen, unseren Wald im Klimawandel zu stärken!

Der Wald ist bedeutender Klimaschützer in Nordrhein-Westfalen, er liefert den nachhaltigen Rohstoff Holz und er ist ein wichtiger Ort der Erholung. Die rund 935.000 Hektar Wald in Nordrhein-Westfalen, das sind rund 27 Prozent der Fläche des Landes, erfüllen elementare Aufgaben für Klima, Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft.

In den vergangenen Jahren ist sichtbar geworden, wie anfällig Wälder für Hitze und Borkenkäfer sind. Auch im Jahr 2022 haben Dürre, Waldbrände und Käferkalamitäten dem Wald in Nordrhein-Westfalen zugesetzt und niemals zuvor war es wichtiger, bei der Wiederbewaldung auf klimaanpassungsfähige Mischwälder zu setzen. Dies ist das Ergebnis der diesjährigen Waldzustandserhebung.

Ministerin Silke Gorißen sagte bei der Vorstellung des Berichts vor der Landespressekonferenz: „Der Wald ist unser wichtigster Klimaschützer. Der heiße Sommer und die lange Dürreperiode in diesem Jahr haben deutliche Spuren hinterlassen. Seit Beginn der Waldzustandserhebung 1984 wird die Lage immer ernster, auch weil die Folgen des Klimawandels im Wald immer spürbarer werden. Um den Naturschatz Wald für nachfolgende Generationen zu erhalten, brauchen wir gesunde und kräftige Bäume, die in Zukunft besser geschützt sind gegen Hitze, Trockenheit und Schädlingsbefall.“

Waldzustand besorgniserregend – Lösungen liegen bereit

Demnach ist rund ein knappes Drittel der untersuchten Bäume (28 Prozent) völlig gesund und weist keinen Verlust von Blättern oder Nadeln auf. Im Vorjahr lag der Anteil ebenfalls bei 28 Prozent. Ein weiteres gutes Drittel (34 Prozent) zeigt eine geringe sogenannte „Verlichtung“ der Baumkrone, 2021 lag der Anteil etwas niedriger bei 32 Prozent. 38 Prozent der Bäume sind stark geschädigt, im Jahr 2021 waren es 40 Prozent. Damit setzt sich der insgesamt negative Trend der sogenannten Vitalitätsverschlechterung seit dem Beginn der Waldzustandserhebung im Jahr 1984 fort.

Insgesamt sind 135.000 Hektar Wald in Nordrhein-Westfalen sogenannte Schadflächen, die durch das Zusammenwirken von Stürmen, Sommerdürren und Massenvermehrungen von Fichtenborkenkäfern entstanden sind. Damit gesunde und klimaangepasste Mischwälder wachsen, müssen auf diesen Flächen neue Bäume gepflanzt werden – unter Einbeziehung der Naturverjüngung. Dies ist nun die wichtigste Aufgabe der Forstwirtschaft.

Forstministerin Silke Gorißen: „Die Wiederbewaldung ist eine wichtige, gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die noch mehr in Schwung kommen muss. Gemeinsam – Land, Kommunen und private Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer –  müssen wir die große Aufgabe umsetzen, unsere Wälder dem Klimawandel anzupassen, sodass sie langfristig gesund und widerstandsfähig sind.“

70 Millionen Euro Fördermittel in 2023

Um klimaangepasste Wälder zu entwickeln, stellt das Land jährlich umfangreiche Förderangebote für die Forstwirtschaft zur Verfügung. Die Förderrichtlinie „Extremwetterfolgen“ wurde weiter vereinfacht, um die Nutzung dieses Unterstützungsangebots durch den privaten und kommunalen Waldbesitz zu erleichtern. In 2023 stellt das Land Nordrhein-Westfalen 70 Millionen Euro Fördermittel für die Forst- und Holzwirtschaft zur Verfügung.

Gorißen: „Es ist für die Zukunft entscheidend, dass Mischbestände entwickelt werden, die auch langfristig ideal zu den Boden- und Witterungsbedingungen passen. Wir haben schon mit dem klimaangepassten Waldaufbau begonnen. Mit unseren waldbaulichen Konzepten, unserem bundesweit einzigartigen Internetportal Waldinfo.NRW und unseren Fördermitteln bieten wir einen wirksamen Instrumentenkasten zur Entwicklung stabiler und starker Mischwälder in ganz Nordrhein-Westfalen an.“

Die Ergebnisse des Waldzustandsberichts zu den Hauptbaumarten

Eiche

Im Jahr 2022 sehen 14 Prozent der Eichen gesund aus und weisen keine Kronenverlichtung auf, 39 Prozent zeigen einen geringen und 47 Prozent einen deutlichen Verlust von Blättern.

Buche

Die Buche leidet wie in den Vorjahren besonders unter der Trockenheit. Nur ein knappes Viertel der Buchen (24 Prozent) sind gesund, 44 Prozent weisen einen deutlichen Verlust von Blättern auf.

Kiefer

Etwas langsamer als bei anderen Baumarten verschlechtert sich der Zustand der Kiefer. Rund ein Fünftel (19 Prozent) hat gesunde Baumkronen, 32 Prozent zeigen einen deutlichen Verlust von Nadeln. Das ist etwas weniger als bei den anderen Baumarten. Das liegt daran, dass die Kiefer geringe Ansprüche an die Wasserversorgung hat und deshalb mit sehr trockenen Perioden besser zurechtkommt.

Fichte

Im Zusammenhang mit dem andauernden Borkenkäferbefall zeigt sich bei der Fichte das mit Abstand größte Schadensbild aller Baumarten. In den tieferen Lagen ist die Fichte inzwischen fast vollständig verschwunden. Zudem steht sie ihrem nur flach entwickelten Wurzelsystem während der gesamten Vegetationsperiode unter Wasserstress.

Maßnahmen des Landes für einen gesunden Mischwald in Nordrhein-Westfalen

Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt den privaten und öffentlichen Waldbesitz umfassend bei der Bewältigung der Schäden und bei der Anpassung der Waldbewirtschaftung an den Klimawandel – fachlich und finanziell. Dazu gehören auch die 70 Millionen Euro Fördermittel, die im Jahr 2023 zur Verfügung stehen. Wichtig wird nun sein, dass die Wiederbewaldung und die Entwicklung klimaangepasster Wälder von allen Akteuren weiter aktiv vorangetrieben wird.

Konzepte und Beratung

Das Land hat zum Teil gemeinsam mit Verbänden des Waldbesitzes und des Waldnaturschutzes Konzepte und Instrumente für einen klimaangepassten Wald entwickelt. Das „Waldbaukonzept NRW“, das „Wiederbewaldungskonzept“ und das bundesweit einzigartige Internetportal Waldinfo.NRW bieten Hilfe beim Umbau zu einem kräftigen Mischwald.

Das zentrale Prinzip ist die Entwicklung von Mischbeständen aus mehreren Baumarten, die auch im Klimawandel ideal zu den Boden- und Klimabedingungen passen. Das Angebot digitaler forstlicher Boden- und Standortkarten weitet das Land Nordrhein-Westfalen aus. Für die praktische Umsetzung der Instrumente bietet die Landesforstverwaltung Beratung und Schulungen an.

Wichtig ist auch, dass die Wiederbewaldung und Entwicklung klimaangepasster Wälder durch die Schaffung angepasster Wildbestände unterstützt wird. Zur Stärkung der Bodenvitalität soll auch die Bodenschutzkalkung ausgebaut werden.

Untersuchungen und Forschung

Seit 2022 wird ein Wiederbewaldungsmonitoring eingerichtet. Das forstliche Umweltmonitoring NRW und die Waldforschung in Nordrhein-Westfalen werden weiter gestärkt. So ist die Einrichtung eines Forschungsnetzwerks Wald NRW geplant. Hierzu wird es in 2023 ein weiteres Treffen mit den relevanten Forschungseinrichtungen in Nordrhein-Westfalen geben.

Hintergrund Waldzustandserhebung 2022
Der Zustand der Baumkronen gibt die Vitalität der Waldbäume wieder. Nach dem bundesweit einheitlichen Verfahren der Waldzustandserhebung wird vor allem der Verlust von Blättern und Nadeln beurteilt.

Zum Waldzustand in Nordrhein-Westfalen werden bei Stichprobenpunkten im Raster von vier mal vier Kilometern über 10.000 Waldbäume erfasst. Die Waldzustandserhebung erfolgt in ganz Deutschland. In Nordrhein-Westfalen wird sie federführend durch den Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen durchgeführt. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV NRW) steuert beim Waldzustandsbericht Fachbeiträge aus dem forstlichen Intensivmonitoring und aus dem Bereich der Klimadaten bei.

Pressekontakt Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen:
Miriam Beutner
Tel.: +49 211 3843 1020
Email: senden

 

Waldzustandsbericht 2022

Ansprechperson

Wald und Holz NRW
Lutz Jaschke
Herbreme 2
59821  Arnsberg

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Mobil: +49 151 65631871
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Waldzustandsbericht 2021: Wälder weiterhin stark geschädigt

 

Umweltministerin Heinen-Esser: "Klimawandel macht dem Wald schwer zu schaffen / Wir müssen alles daransetzen, dass der Wald seine Abwehrkräfte gegen Klimafolgen stärken kann"

Nach drei Jahren Hitze und extremer Dürre hat sich der Wald in diesem Jahr ganz leicht erholen können. Dennoch ist es um die Vitalität der Waldbäume weiterhin nicht gut bestellt. Zu diesen Ergebnissen kommt der aktuelle Waldzustandsbericht 2021, den Umweltministerin Ursula Heinen-Esser heute in Düsseldorf vorgestellt hat. "Die Trockenheit der zurückliegenden Jahre, der Borkenkäferbefall, die Belastung der Böden durch Schadstoffe, allen voran die Folgen des Klimawandel machen dem Wald nach wie vor schwer zu schaffen", sagte die Ministerin auf dem Podium der Landespressekonferenz. "Die Waldzukunft ist auch unsere Zukunft. Daher müssen wir alles daransetzen, dass der Wald seine Abwehrkräfte gegen negative Klimafolgen stärken kann."

Die diesjährige Wachstumsperiode verlief im Vergleich zu den Vorjahren im Mittel in Nordrhein-Westfalen hitzestressfrei. In der Folge hat sich der Zustand des Waldes im Vergleich zum Vorjahr leicht verbessert. So ist der Anteil der Bäume mit deutlicher Kronenverlichtung auf 40 Prozent gesunken (2020: 44 Prozent), 32 Prozent zeigen eine schwache Verlichtung (2020: 33 Prozent), der Anteil der nicht verlichteten Bäume stieg auf 28 Prozent (2020: 23 Prozent). Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass durch Trockenheit und Borkenkäfer-Befall bereits abgestorbene Bäume keine Berücksichtigung in der jährlichen Erhebung finden.

 

Zustand der Buche verbessert, Sorgenkind Fichte

Deutlich verbessert hat sich der Zustand der Buche, Eiche und Fichte verschlechtern sich leicht, die Kiefer stagniert. Bei der Eiche haben sich im laufenden Jahr nur sehr wenige Früchte ausgebildet. Die Fichte konnte sich trotz häufiger und ergiebiger Niederschläge in nicht erholen, sie hat 2021 kaum Zapfen gebildet. Der mittlere Nadelverlust steigt seit 2017 ohne Unterbrechung. Die Kiefer weist von den Hauptbaumarten die geringsten Anteile deutlich verlichteter Bäume auf.

Im Vergleich zu den Jahren zuvor führte die kühlere Frühjahrswitterung dazu, dass in diesem Jahr die Borkenkäferarten Buchdrucker und Kupferstecher relativ spät ihre Winterquartiere verlassen haben, um in den stehenden, gesunden Fichten neue Bruten anzulegen. Dennoch konnten viele Borkenkäfer insbesondere im Boden überleben und dieses Jahr vor allem im Mai/Juni vitale Fichtenbestände befallen. Während die Bodenwasserspeicher in den oberen 1,5 Metern Bodentiefe wieder zunehmend gut gefüllt sind, steht in den tieferen Bodenschichten aufgrund der extremen Witterungssituationen der Vorjahre für die Grundwasserneubildung jedoch weiterhin zu wenig Wasser zur Verfügung.

 

Aufbau klimastabiler Mischwälder

"Der Schutz unseres Waldes ist überlebenswichtig. Sein Wiederaufbau und seine Anpassung an die Folgen des Klimawandels sind zentrale Zukunftsaufgaben", sagte Heinen-Esser. "Damit der Wald seine vielfältigen Leistungen dauerhaft erfüllen kann, muss er vital und widerstandsfähig sein. Die Umsetzung unserer waldbaulichen Konzepte ist eine Antwort auf den Klimawandel." Ziel seien klimastabilere Mischwälder mit mehreren verschiedenen Baumarten. Die Landesregierung unterstützt den privaten und kommunalen Waldbesitz bei der Bewältigung der Waldschäden und der Wiederbewaldung durch fachliche Beratung und umfangreiche finanzielle Hilfen. Im Rahmen der Förderrichtlinie Extremwetterfolgen wurden in diesem Jahr 66,6 Millionen Euro bereitgestellt, insgesamt wurden im Jahr 2021 (Stand 10. Dezember 2021) bisher 4596 Förderanträge eingereicht, davon wurden bereits 4014 bewilligt.

Das weiterentwickelte Waldbaukonzept, das Wiederbewaldungskonzept und die neue Version des Internetportals Waldinfo.NRW bieten zusätzliche fachliche Hilfestellungen. Das aktualisierte Waldbaukonzept geht auf die Auswirkungen von Klimawandelszenarien ein und berücksichtigt besonders den Aspekt der Risikovorsorge. Das Internetportal Waldinfo.NRW enthält nun ein innovatives interaktives Instrument zur Auswahl von Mischbeständen, die zum jeweiligen Standort passen. Die neuen Instrumente für die Waldbewirtschaftung im Klimawandel sind Teil der Klimaanpassungsstrategie für den Wald in Nordrhein-Westfalen.

 

Zehn Prozent der Waldfläche durch Dürre und Käfer geschädigt

Auf etwa zehn Prozent der Waldfläche sind die Bestände - nachhaltig durch Dürre, Borkenkäfer und Stürme geschädigt - vollständig zusammengebrochen. Hierbei sind fast ausschließlich Fichtenbestände betroffen. Nach aktuellen Erhebungen sind circa 8,8 Millionen Festmeter Schadholz (seit 2018 insgesamt circa 40 Millionen Festmeter) angefallen. Die gesamte Schadfläche seit 2018 komplett ausgefallener Fichtenbestände umfasst circa 113.000 Hektar. Es wird abgeschätzt, dass davon die Wiederbewaldungsfläche aktuell circa 90.000 Hektar ausmacht (circa 10 Prozent der Waldfläche in Nordrhein-Westfalen), da sich auf der restlichen Fläche natürliche Waldverjüngung eingestellt hat. Zum Vergleich: Der Orkan Kyrill im Jahr 2007 verursachte in Nordrhein-Westfalen circa 16 Millionen Festmeter Schadholz und eine Schadfläche von 50.000 Hektar.  

 

Ökosystemleistungen müssen honoriert werden

Zur Honorierung der Ökosystemleistungen des Waldes hat Nordrhein-Westfalen wiederholt die Einführung einer Baumprämie oder Bundeswaldprämie gefordert. "Wir brauchen eine klimastabile Wiederbewaldung und eine Prämie, die die Ökosystemleistungen des Waldes dauerhaft honoriert. Dies ist eine Zukunftsaufgabe, der sich die neue Bundesregierung vordringlich annehmen muss", fordert Ministerin Heinen-Esser. Die bisher vorliegenden Eckpunkte seien zu wenig. Die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer aller Besitzarten müssten zeitnah durch ein derartiges, bundesweit einheitliches Prämienmodell in die Lage versetzt werden, ihre Wälder nachhaltig zu bewirtschaften und dauerhaft klimastabil zu entwickeln.

Über die Wiederbewaldung und den Umbau der Wälder hin zu klimastabileren Mischwäldern braucht insbesondere der private Waldbesitz eine betriebliche Perspektive. Wie sollen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer ihren Betrieb aufstellen, um auch in Zukunft Einkommen generieren zu können? Das Umweltministerium hat in Kooperation zwischen der Universität Göttingen und Wald und Holz NRW und mit Beteiligung von Praktiken das Projekt "Zukunftsperspektiven des Privatwaldes NRW" initiiert, in dem Projekt auf betriebswirtschaftlicher Basis konkrete Handlungsmöglichkeiten entwickelt und bewertet werden.

 

Hintergrund zum Waldzustandsbericht

Die Vitalität der Waldbäume wird jährlich nach einer bundesweit einheitlichen Methode erfasst. Hierzu wird für Nordrhein-Westfalen der Zustand der Baumkronen von etwa 10.000 Bäumen von forstlichen Fachleuten beurteilt und auch weitere Faktoren werden berücksichtigt. Der Waldzustand verschlechterte sich seit Beginn der Erhebung im Jahr 1984. In den jährlichen Waldzustandsbericht fließen auch ergänzende Fachinformationen ein, die nicht durch die Methode im engeren Sinne abgebildet sind (zum Beispiel in diesem Jahr Aussagen zu Schadholzmengen).

 

Waldzustandsbericht 2021

Ansprechperson

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Kay Genau
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Der schlechteste Waldzustand seit Einführung der Waldzustandserhebung 1984

Der Zustand der Wälder in Nordrhein-Westfalen hat sich 2020 weiter verschlechtert. Zwar ist der Anteil der Bäume ohne Schäden von 19 Prozent im Jahr 2019 auf jetzt 23 Prozent gestiegen. Gleichzeitig hat aber auch der Anteil der Bäume mit deutlicher Kronenverlichtung von 42 auf 44 Prozent zugenommen - das ist der höchste Wert seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1984. Diese Zunahme der schweren Kronenschäden ist ein deutliches Indiz für den besorgniserregenden Zustand des Waldes. Der mittlere Nadel-/Blattverlust über alle Baumarten zeigt 2020 nach starken Steigerungswerten in den beiden Vorjahren eine leichte Zunahme auf 29 Prozent (28 Prozent im Vorjahr). Großflächige Schäden sind vor allem bei der Fichte zu beobachten, die aufgrund ihres flachen Wurzelsystems seit drei Jahren unter permanentem Trockenstress steht.

„Wir müssen feststellen, dass der Klimawandel schneller ist, als stabile Mischwälder entstehen. Und daher müssen wir gegensteuern. Nadelholz-Monokulturen haben keine Zukunft. Natur ist bunt und vielfältig. So müssen auch unsere Wälder sein. Wir fordern und fördern daher die Entwicklung von vielfältigen und klimastabilen Mischwäldern. Diese sind wichtig für die Artenvielfalt und tragen gleichzeitig zu einer Risikominimierung für die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer bei“, so Ursula Heinen-Esser, Umweltministerin des Landes Nordrhein-Westfalen bei der Vorstellung des Waldzustandsberichtes.

Mischwälder aus mindestens vier Baumarten sollen künftig auf den Schadflächen wachsen, die Stürme, Dürre und Borkenkäfer seit 2018 verursacht haben. Heimische Baumarten sollen dabei den Kern der künftigen Waldgeneration bilden. So sieht es das neue Wiederbewaldungskonzept des Umweltministeriums Nordrhein-Westfalen vor. Wie wichtig der Umbau zu vielfältigen und klimastabilen Wäldern ist, zeigen die Ergebnisse der diesjährigen Waldzustandserhebung.

Waldzustandserhebung 2020: Hintergrund und Ergebnisse

Der Zustand der Baumkronen gibt die Vitalität der Waldbäume wieder. Nach einem bundesweit einheitlichen Verfahren wird vor allem der Verlust von Blättern und Nadeln beurteilt. „Für die Erhebung des Waldzustandes haben wir über die gesamte Waldfläche Nordrhein-Westfalens ein systematisches Netz mit Stichprobenpunkten im Raster von 4 x 4 Kilometern gelegt. Insgesamt wird an diesen Punkten jedes Jahr der Kronenzustand von über 10.000 Waldbäumen ermittelt“, erläutert Dr. Bertram Leder, Leiter des Zentrums Wald und Holzwirtschaft im Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen.

In Nordrhein-Westfalen wird die Waldzustandserhebung federführend durch den Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen durchgeführt. Beim forstlichen Umweltmonitoring mit eingebunden sind das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW und der Geologische Dienst NRW.
 

  • Fichte: Bei der Fichte zeigt die Kronenverlichtung im Jahr 2020 den schlechtesten Wert seit Einführung der Waldzustandserhebung. Der mittlere Nadel-/Blattverlust steigt von 29,1 Prozent auf 32,6 Prozent. Die Fichte verfügt nur über ein flaches Wurzelsystem und steht seit drei Jahren unter permanentem Trockenstress. Ohne ausreichende Wasserversorgung hat sie keine Möglichkeit, sich dem Borkenkäfer durch verstärkte Harzbildung zu widersetzen. Während bislang vor allem Fichtenwälder im Flachland betroffen waren, traten 2020 auch verstärkte Schäden im Bergland auf. Nach einer aktuellen Erhebung des Landesbetriebes Wald und Holz Nordrhein-Westfalen liegt der Schadholzanfall bei der Fichte seit 2018 bei rund 31,5 Millionen Kubikmetern (Stand: November 2020).
     

  • Buche: Auch der Zustand der Buche hat sich im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert, ihr mittlerer Blattverlust stieg von 28,1 Prozent auf 30,9 Prozent. Die ausgeprägte Fruktifikation in diesem Jahr führt zu zusätzlichem Stress und trägt damit zur Verlichtung bei. Infolge der Trockenheit kommt es vor allem in Altbeständen, zunehmend aber auch in mittelalten Beständen zum Absterben von Bäumen. Nach einer aktuellen Erhebung des Landesbetriebes Wald und Holz Nordrhein-Westfalen liegt der Schadholzanfall bei der Buche seit 2018 bei rund 850.000 Kubikmetern (Stand: November 2020).
     

  • Eiche: Die Eiche konnte sich in diesem Jahr leicht erholen. Der mittlere Blattverlust ging von 32,6 Prozent auf 29,0 Prozent zurück. Mit ihrem tief reichenden Wurzelsystem erschließt sie sich in tieferen Bodenschichten gespeichertes Wasser. Dadurch kann sie den Belastungen durch Dürre und Hitze besser begegnen als andere Baumarten. Die Fruchtbildung der Eiche war stark ausgeprägt, teilweise haben die Bäume die Eicheln aber in Folge von Wasserstress vorzeitig abgeworfen.
     

  • Kiefer: Ihr mittlerer Nadel-/Blattverlust sank zwar leicht von 24,4 Prozent auf 23,7 Prozent, gleichzeitig zeigte sich in der Klasse der deutlich verlichteten Bäumen der höchste Wert seit Beginn der Waldzustandserhebung (34 Prozent). Die Kiefer gilt als verhältnismäßig unempfindlich gegen Trockenheit. Die mittlerweile seit drei Jahren anhaltende Dürre bringt aber auch die Kiefer auf einigen Standorten an ihre Grenzen und führt zu erhöhtem Nadel-/Blattverlust und punktuell zu absterbenden Bäumen.

Historischer Hintergrund der Waldzustandserhebung

Anfang der 1980er Jahre, in der Zeit des "Waldsterbens", wurden in Deutschland großräumig auftretende Schäden an den Kronen vieler Baumarten beobachtet. Nachdem eine bundesweite Befragung von Forstämtern 1982 ein bedrohliches Ausmaß an Schäden bestätigte, wurde im Folgejahr in Nordrhein-Westfalen erstmals eine Waldzustandserhebung anhand eines Stichprobenverfahrens durchgeführt.

Wie der Name schon sagt, werden dabei von erhobenen Stichproben statistische Rückschlüsse auf einen Gesamtzustand abgeleitet. Das Verfahren wurde 1984 verfeinert, abgestimmt und von den übrigen Bundesländern übernommen. Seither wird die Erhebung mit Ausnahme des Jahres 1996 jährlich wiederholt.

Ziele der Waldzustandserhebung

Waldzustandserhebungen erfassen den jeweils aktuellen Gesundheitszustand der Wälder (in NRW). Der Zustand von standortgerechten Bäumen und Wäldern wiederum hängt wesentlich von Umwelteinflüssen wie Klima, Schadstoffeinwirkungen etc. ab.

Da der Waldzustand jedes Jahr und somit kontinuierlich erfasst wird, ist es möglich langjährige Trends für einzelne Baumarten zu erstellen - gerade in Zeiten des prognostizierten Klimawandels ein wichtiges Werkzeug um unsere Wälder nachhaltig zu sichern.

Die nordrhein-westfälischen Daten tragen mit den Zustandsdaten der anderen Bundesländer dazu bei, die Vitalität des gesamten Waldes in Deutschland zu beziffern. Zudem werden an ausgewählten Punkten Messungen durchgeführt, die von der Europäischen Union ausgewertet werden und kombiniert mit den Daten der anderen europäischen Staaten auch den Waldzustand auf europäischer Ebene dokumentieren.

Das Verfahren der Waldzustandserfassung

Grundlage ist ein regelmäßiges Raster, welches in den meisten Jahren einen Abstand von 4 x 4 km im Gelände besitzt. An den Schnittpunkten des Rasters wird durch speziell geschulte Forst-Fachleute der Kronenzustand von dauerhaft markierten Probebäumen beurteilt. Die wichtigsten Kriterien sind die Verlichtung der Baumkronen und die Vergilbung der noch vorhandenen Nadeln und Blätter sowie weitere Faktoren, die Einfluss auf das Erscheinungsbild der Baumkronen haben. Dazu zählen besonders die Fruktifikation, Insekten- und Pilzbefall, Sturm- und Wetterschäden sowie zusätzliche biotische und abiotische Schadereignisse.

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