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Wuchsgebiet 17: Weserbergland

Zahlen und Fakten

Das Weserbergland ragt wie ein nach Nordwesten gerichteter Keil weit in das norddeutsche Flachland hinein. Die Höhenzüge des Teutoburger Waldes und der Egge begrenzen das Gebiet im Westen, im Norden reicht es bis an die lößgeprägte Berglandschwelle und ist durch das Wiehen- und Wesergebirges begrenzt. Im Südwesten bildet der Unterlauf der Diemel etwa die südliche Grenze. Die Ostgrenze des Wuchsgebietes wird durch den Harz und das nordwestliche Harzvorland gebildet. Das Wuchsgebiet ist durch Bergrücken bzw. –kämme, Täler und Mulden reich gegliedert, wobei sich Flüsse und Bäche z.T. tief eingetalt haben. Die höchsten Erhebungen finden sich mit Höhen bis 460 m NN in der Egge. Das Gebiet wird in NRW durch die Weser entwässert.

Übersicht Wuchsgebiet Weserbergland

Für die klimatischen Merkmale des Wuchsgebietes sind sowohl seine Lage am Rand der norddeutschen Tiefebene als auch die morphologischen Unterschiede innerhalb des Gebietes bestimmend. Es dominiert im nordwestlichen Teil ein ausgeglichenes, subatlantisches, im Südosten ein subkontinentales Berglandklima mit vorherrschend westlichen Winden. Die Winter sind mäßig kalt und die Sommer mäßig warm. Die Jahresniederschläge bewegen sich in einem Rahmen von 650 bis 900 mm. Dabei treten am Teutoburger Wald und der Egge ausgeprägte Steigungsregen (Luv-Gebiet) mit Werten bis zu 1200 mm/a auf. Östlich dieser Gebirge nehmen die Niederschläge auf kurzer Distanz deutlich ab. Die Jahresmitteltemperatur beträgt 7 bis 9°C, die Länge der Vegetationszeit 140 – 170 Tage. In der Vegetationszeit sind mittlere Temperaturen zwischen 13°C und 15°C zu erwarten.

Das Wuchsgebiet wird im Wesentlichen durch ein vielfältiges Mosaik aus mesozoischen Gesteinen von Kreide, Jura und Trias aufgebaut. Die Kreideformation tritt im Eggegebirge und in den Hauptzügen des Teutoburger Waldes sowohl als basenarmer Sandstein (Unterkreide) wie auch als Kalk und Mergel (Oberkreide) auf. Das Wesergebirge ist durch verschiedene Gesteine (u.a. Sand-, Tonsteine) des Jura geprägt, die alle mehr oder weniger basenreich ausgebildet sind. Sand-, Schluff- und Tonsteine des Keuper treten neben Gesteinen des Muschelkalkes und des Buntsandsteins überall im Wuchsgebiet auf. Pleistozäne Moränen der Saale-Eiszeit sind im nordwestlichen Teil des Wuchsgebietes bis in den Raum Lemgo / Hessisch Oldendorf verbreitet. Saaleeiszeitliche Kames (Sande, Kiese) finden sich im Raum Porta Westfalica und Rinteln. Alle diese Gesteine sind z.T. durch Reste alter Verwitterungsdecken, Fließerden oder durch pleistozäne Lößablagerungen überdeckt. In den Auen größerer Flüsse dominieren holozäne Flußablagerungen verschiedener Zusammensetzung.

Die Mannigfaltigkeit des geologischen Ausgangsmaterials bedingt zahlreiche Bodentypen. Auf carbonathaltigen Gesteinen haben sich Rendzinen, Terrae fuscae und Übergänge zu basenreichen Braunerden entwickelt. Basenarme Braunerden und Posole sind die dominierenden Bodentypen auf Kreidesandsteinen. Auf Buntsandstein treten großflächig basenarme und auch basenreiche Braunerden auf. Auf Oberem Buntsandstein können auch Pelosole vorkommen. Parabraunerden haben sich auf Löß entwickelt. Über pleistozänen Moränen treten z.T. ausgeprägte Pseudogleye auf, aber auch in flachen Hangmulden mit Fließerden oder alten Verwitterungsdecken. Gleye und Auenböden kommen in den Bach- und Flußauen vor.

Im Weserbergland dominieren Buchenwälder verschiedener Ausprägung. Auf carbonathaltigen Böden ist der Waldmeister-Buchenwald in seinen verschiedenen Ausprägungen weit verbreitet. Flattergras-Buchenwälder treten großflächig im Bereich basenreicher Böden auf. Auf Flächen mit einer mäßigen bis geringen Basenausstattung herrscht der Hainsimsen-Buchenwald vor, der in tieferen Lagen fließend in den Drahtschmielen-Buchenwald übergeht. Daneben kommt in Gebieten mit hoch anstehendem basenreichen Grundwasser der Erlenbruchwald bzw. der Traubenkirschen-Erlen-Eschenwald vor. In breiten Tälern ist der Stieleichen-Hainbuchenwald vorherrschend, der im Bereich der Weichholzaue großer Flüsse mit dem Silberweidenwald verzahnt ist. Der Erlen-Eschenwald säumt die kleinen Bachtäler. Schluchtwälder kommen kleinflächig in ausgeprägten Kerbtälern vor. Erwähnenswert ist das Vorkommen einiger Pflanzen mit vorwiegend (sub)kontinentaler Verbreitung, wie der Frühlingsplatterbse (Lathyus vernus) und des Leberblümchen (Hepatica nobilis), die östlich der Egge ihre westliche Verbreitungsgrenze haben.

Das Weserbergland wurde ausgehend von den Flußtälern schon früh besiedelt. Seit dem frühen Mittelalter nahm die Zahl der Siedlungen und damit auch die Waldrodung und Nutzung des Waldes (u.a. Holzlieferant, Weide) zu. Mit der steigenden Bevölkerungszahl nach dem Dreißigjährigen Krieg und in der Periode des Merkantilismus stieg die Nutzung der Landschaft und der Wälder weiter. Die Wälder hatten u.a. Bauholz, Schiffseichen, Brennholz, Holzkohle, Streu und Pottasche für Glashütten zu liefern und wurden auch noch als Weideflächen für die zahlreichen Haustiere beansprucht. Ende des 18. Jahrhunderts hatten diese intensiven Nutzungen auf weiten Flächen zu einer Waldverwüstung und Devastierung geführt. Im Eggegebirge führte dies sogar soweit, daß basenarme Braunerden auf Kreidesandsteinen sich zu ausgeprägten Podsolen mit einem bis zu 0,5 m mächtigen (Auswaschungs-) Ae-Horizont entwickelten. Erst durch die Nutzung der Steinkohle zur Energiegewinnung, der Ablösung der Weide- und Mastberechtigungen und der Einführung einer geregelten Forstwirtschaft als Hochwaldbetrieb Anfang des 19. Jahrhunderts fand eine Verbesserung des Waldzustandes statt. Dabei wurden große Teile der ehemals devastierten und verheideten Flächen mit Nadelhölzern aufgeforstet, da sie auf diesen Flächen leichter anwuchsen und Produkte aus diesen Wäldern (u.a. Weihnachtsbaum, Bohnenstange, Bauholz) begehrt und gut bezahlt wurden. In Gebieten, in denen die gemeinschaftlichen Marken real geteilt wurden, wie z.B. im Wiehengebirge, entstanden kleinparzellierte Wälder, die überwiegend im Stockausschlagbetrieb genutzt wurden. Seit Anfang der neunziger Jahre werden große Anstrengungen unternommen Buchen und andere Laubholzer in Nadelholzbestände einzubringen, um sie zu stabilen, leistungsstarken Mischbeständen zu entwickeln.

In Zahlen

Waldfläche 100.100 ha
Bewaldung 26 %
Laubwald 63.100 ha
Nadelwald 37.000 ha
Baumarten Ei 9 %, Bu 38 %, sonst. Laubholz 17 %, Ki 5 %, Fi 27 %, sonst. Nadelholz 5 %
Waldeigentum Bund 1 %, Land 13 %, Körperschaft 32 %, Privat 54 %
Vorrat pro Hektar 327 Vfm
Zuwachs pro Hektar 12,1 Vfm

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