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Wuchsgebiet 44: Nord-Westeifel

Zahlen und Fakten

Die Nord-Westeifel wird im Norden und Osten von der Niederrheinischen Bucht und im Süden von der Mosel begrenzt. Im Westen schließen die Ardennen an. Den Kern des Gebirges bilden wenig gegliederte, wellige oder flach gewölbte Hochflächen in Höhen von ca. 500 m ü. NN. Überragt werden diese Hochflächen von Höhenzügen und –bergen bis ca. 700 m ü. NN. Der Gebirgsrand ist durch Flüsse und Bäche stark zertalt. Beispiel hierfür ist das tief eingeschnittene Tal der Rur, die das Gebiet entwässert.

Übersicht Wuchsgebiet Nordwest-Eifel

Infolge seiner Höhe und seiner Nähe zum Meer ist das Gebiet in besonderem Maße den vom Atlantik kommenden westlichen Luftströmungen ausgesetzt. Folge sind Niederschläge von ca. 1200 mm im Jahresmittel im Luv des Hohen Venns und der Hocheifel, die im Lee (Regenschatten) auf kurzer Distanz auf ca. 700 mm abnehmen. Die Jahresmitteltemperatur beträgt 6,5 – 9,5 °C und die Vegetationszeit (Temperatur >10°C) ist 130 – 170 Tage lang. In dieser Zeit werden Mitteltemperaturen von 11-15°C erreicht.

Die Nord-Westeifel wird aus Wechselfolgen unterdevonischer Quarzite, quarzitischer Sandsteine und Flasersandsteine sowie sandigen Schiefern und Tonschiefern gebildet. In der nordsüdlich verlaufenden Mitteleifelsenke (Kalkmulde) treten mitteldevonische Dolomite und Kalksteine auf. Die geologisch ältesten Formationen aus ordovicischen und kambrischen Schiefern, Sandsteinen und Quarziten finden sich im Bereich des Hohen Venn. Am östlichen Rand (Kalkeifel) bilden triasische Sandsteine den geologischen Untergrund. Diese Grundgesteine unterlagen im Tertiär einer starken tropischen Verwitterung. Reste dieser bis 80 m mächtigen Saprolithe (Graulehme) sind besonders auf größeren Verebnungsflächen zu finden (z.B. Hohes Venn).

Wo unterdevonische Silikatgesteine für die Bodenbildung anstehen, haben sich basenarme Braunerden aus steinig-grusigem, schluffigem Lehm entwickelt. Braunerden aus ordovicische und kambrische Gesteine weisen demgegenüber eine geringere Nährstoffausstattung aus. Im Bereich der Kalkmulden sind überwiegend dolomitgrus- und dolomitsandreiche z. T. auch kalkhaltige Braunerden entstanden, während typische Rendzinen von untergeordneter Bedeutung sind. Auf den Hochflächen und verebneten Lagen sind infolge der weiten Verbreitung der wasserstauenden, undurchlässigen Graulehme stark pseudovergleyte Böden die Regel. Bei starker Vernässung neigen sie zur Vermoorung. Auch die an weniger steilen Hängen oder in Hangmulden auftretenden typischen Fließerden (Solifluktionsdecken) können neben dem devonischen Verwitterungsmaterial Graulehmreste enthalten. Auf diesen Deckschichten haben sich fast immer ausgeprägte Staunässeböden gebildet. Die triasischen Buntsandsteine verwittern meist zu kieshaltigem, lehmigem Sand, auf dem sich stark podsolige Braunerden oder Podsole entwickelt haben. Durch intensive Landnutzung in historischen Zeiten sind viele Böden anthropogen überprägt.

Auf großer Fläche dominiert der artenarme Hainsimsen-Buchenwald. Auf Flächen mit einer besseren Nährstoffausstattung der Böden geht er in seine artenreiche Varianten über. Auf wechselfeuchten Flächen wird der Hainsimsen-Buchenwald durch die Rasenschmiele charakterisiert. Ursprünglich fehlend ist die Fichte dank ihrer hohen Konkurrenzkraft Element des Hainsimsen-Buchenwaldes geworden, sodass ab ca. 500 m ü NN heute montane Buchenwälder mit Fichte ihre Verbreitung haben. Auf Sonderstandorte beschränkt ist im Hohen Venn der feuchte Eichen-Buchenwald im Wechsel mit dem Birkenbruchwald und Mooren. Typisch ist das Vorkommen einiger Pflanzen mit vorwiegend atlantischer Verbreitung, wie Glockenheide (Erica tetralix), Glatte Segge (Carex laevigata) und Moorlilie (Narthecium ossifragum). Der Waldmeister-Buchenwald hat seinen Verbreitungsschwerpunkte auf devonischen Massenkalken. Kleinflächig kommt in tiefen Lagen auch der Drahtschmielen-Buchenwald vor. In den breiten Tälern dominieren Stieleichen-Hainbuchenwälder, die im Bereich der Weichholzaue großer Flüsse (Rur, Urft) mit dem Silberweidenwald verzahnt sind. Der Erlen-Eschenwald säumt die kleinen Bachtäler. Schluchtwälder kommen kleinflächig in ausgeprägten Kerbtälern vor.

Das natürliche Waldbild der Eifel wurde seit der Jungsteinzeit durch menschliche Besiedlung, durch Rodungen, Köhlerei und den für die Eifel typischen Brandfeldbau (Rott- bzw. Schiffelwirtschaft) stark verändert. Zur Verwüstung des Waldes trug auch die Waldweide bei. Als Ergebnis dieser Aktivitäten blieben weite Heideflächen mit Besenginster (Sarothamnus scoparius) bzw. Heidekraut (Calluna vulgaris) zurück. Durch Einführung der Eichenschälwaldwirtschaft entstanden gebietsweise ausgedehnte Niederwälder. Den Höhepunkt erreichte die Waldverwüstung in den Anerbengebieten an der Wende des 18. zum 19. Jahrhundert nach Beseitigung der Grundherrschaft infolge zahlreicher Prozesse, die zwischen den neu entstandenen Gemeinden und den früheren Stockgutbesitzern ausgefochten wurden. In deren Verlauf schlugen Private wie Gemeinden zur persönlichen Sicherung des Holzes vor möglicher Beschlagnahme die restlichen Wälder einfach kahl. Als man die Eifel Ende des 18. Jahrhunderts unter französischer bzw. preußischer Verwaltung kartographisch erfasste, stellte man folgende Landnutzungen fest: ca. 35% Heide (Borstgras- und Ginsterheiden), ca. 30% Ackerland incl. Schiffelflächen, ca. 25% Wald ( überwiegend Niederwald) und ca. 10% Weiden und Wiesen. Häufige Missernten während der „kleinen Eiszeit“ führten zu Hungersnöten. Allein zwischen 1840 und 1871 wanderten 60.000 Menschen aus. Die preußische Verwaltung erkannte u.a. in der ausgeräumten, devastierten Landschaft einen Grund für den wirtschaftlichen Niedergang und begründete mit dem Eifelkulturfond ein Aufforstungsprogramm für die Ödländereien. Der überwiegende Teil der Ödländer und devastierten Wälder wurde im Laufe der letzten zweihundert Jahre mit Nadelholz (meist Fichte) wieder aufgeforstet. In die gleiche Richtung führten die zahlreichen Aufforstungen, die wegen der großflächigen Kriegszerstörungen mit nachfolgenden Bränden und Borkenkäferkalamitäten notwendig wurden. Seit Anfang der neunziger Jahre werden große Anstrengungen unternommen, den Laubholzanteil wieder zu erhöhen.

In Zahlen

Waldfläche 142.195 ha (davon ca. 70.000 ha in Rheinland-Pfalz)
Bewaldung 44 %
Laubwald 56.880 ha
Nadelwald 85.315 ha
Baumarten Ei 13 %, Bu 17 %, sonst. Laubholz 10 %, Ki 5 %, Fi 46 %, sonst. Nadelholz 9 %
Waldeigentum Bund 4 %, Land 31 %, Körperschaft 31 %, Privat 34 %
Vorrat pro Hektar 249 Vfm
Zuwachs pro Hektar 13,0 Vfm

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