Zecken - Wald & Holz Skip to main content

Zeckenalarm

Wie groß ist die Gefahr im Wald?

Im Sommer passieren zwei Dinge gleichzeitig, die schlecht zusammenpassen: viele Menschen suchen im Wald Erholung und die Zecken vermehren sich rasant, stets hungrig auf das Blut von Säugetieren und Menschen. Hier finden Sie umfassende Informationen über die kleinen, nicht ungefährlichen Quälgeister.

Zecke in Nahaufnahme
Zecke in Nahaufnahme (Foto: Jan Preller, Wald und Holz NRW)

Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 60.000-70.000 Menschen an der sogenannten Lyme-Borreliose. Das ist eine der häufigsten durch von Tieren auf Menschen übertragene Krankheiten in Mitteleuropa. In Nordrhein-Westfalen übertragen etwa 10 % der Zecken Borrelien. Diese Bakterien lösen die Lyme-Borreliose aus. Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder zehnte Zeckenstich zu einer Borreliose-Erkrankung führt. Die Infektionsgefahr hängt auch davon ab, wie lange die Zecke in der Haut bleibt. Wenn die Gestochenen die Zecke schnell bemerken und entfernen, ist die Infektionsgefahr relativ gering. Bleibt eine Überträgerzecke aber mehrere Stunden in der Haut, steigt die Infektionsgefahr rasant.

Etwas anders sieht das bei der FSME aus. Zecken können auch die Frühsommer-Meningo(kokken)enzephalitis, kurz FSME, übertragen. Das ist eine Viruserkrankung, die schlimmstenfalls tödlich verlaufen oder schwere Hirnschäden verursachen kann. Sie ist zwar viel seltener als die Borreliose, aber trotzdem gibt es ca. 550 Infektionen pro Jahr. FSME-Viren treten fast nur in bestimmten Risikogebieten auf: vor allem in Österreich, der noch Lichen Schweiz, Baden-Württemberg, Bayern und einzelnen Kreisen in Hessen und Rheinland-Pfalz. Der hessische Kreis Marburg-Biedenkopf ist das einzige Risikogebiet, das an Nordrhein-Westfalen angrenzt. Etwa 4 % der Zecken tragen FSME-Viren in sich.

NRW zählt zwar nach den Kriterien des Robert-Koch-Instituts nicht zu den FSME-Risikogebieten, aber dennoch gibt es in Nordrhein-Westfalen Gebiete, in denen FSME-Erkrankungen aufgrund von Zeckenbissen vorkommen. Das sind einzelne Bereiche im Münsterland, im bergischen Land und im Bereich der Solingen-Ohligser Heide. Das Ruhrgebiet ist allerdings bisher FSME frei. In den Risikogebieten wird die FSME-Schutzimpfung empfohlen. Sie schützt zwar gut vor FSME, aber nicht vor der Borreliose.

Im Gegensatz zur Infektion mit Borrelien spielt die Zeit bis zur Entfernung einer Zecke für die Infektion mit FSME-Viren so gut wie keine Rolle: unmittelbar nach dem Stich werden die FSME-Viren bereits übertragen.

Zecke in Nahaufnahme
Zecke in Nahaufnahme (Foto: Jan Preller, Wald und Holz NRW)

Wann und wo die Gefahr am größten ist

Früher waren vor allem Mai, Juni und Juli betroffen. Doch inzwischen geht die "Zeckensaison" bei uns fast das ganze Jahr. Das liegt vor allem an den milden Wintern, die uns wohl der Klimawandel beschert hat. Sobald es wärmer als 8 °C und feucht genug ist, lauern die Zecken auf die Wirte.

Dazu Reinhart Hassel vom Regionalforstamt Ruhrgebiet: "Ja, die Zahl der Borreliose-Infektionen hat in den 2000er Jahren stetig zugenommen. Das liegt wohl hauptsächlich daran, dass die Menschen häufiger in den Wald gehen, durch Modesportarten wie Mountain-Biking oder Geo-Caching oder zum Brennholzsammeln."

Am ehesten lauern Zecken in hohem Gras und kleinen Gebüschen, wie man sie häufig an Waldrändern, Wegerändern im Wald, Bachufern und Waldlichtungen findet. "Besonders gefährlich sind im Wald warm-feuchte Bereiche, da sich hier die Zecken besonders wohl fühlen", so Reinhart Hassel weiter. Gebiete, in denen keine Zecken vorkommen, gibt es im Regionalforstamt Ruhrgebiet nicht.

Wie man sich vor Zecken schützen kann

Am besten kann man sich als Spaziergänger und Wanderer schützen, wenn man auf den Wegen bleibt. Denn die Zecken lauern vor allem im hohen Gras und auf niedrigen Gebüschen. Von hohen Bäumen droht, im Gegensatz zur landläufigen Meinung, keine Zeckengefahr.

Und wenn der Förster mal ins Gelände muss? "Im Gelände tragen meine Kolleginnen und Kollegen und natürlich auch ich lange Hosen und Hemden mit lange Ärmeln, Stiefel oder ziehen die Strümpfe über die Hosenbeine, damit die Zecken nirgendwo reinkommen. Es hilft auch, nach einem Ausflug ins Gras Hosenbeine und Schuhe abzusuchen oder mit einer Kleiderbürste abzubürsten. Helle Kleidung ist besser als dunkle, weil man darauf die dunklen Zecken gut erkennen kann."

Weiterhin empfiehlt es sich nach einem Ausflug ins Gelände Kniekehlen, Achselhöhlen, Leistengegend, den Schritt und den Haaransatz nach Zecken abzusuchen. Gerne bohren sich Zecken auch ins Bauchfett – wenn man denn solches hat - oberhalb des Hosengürtels ein. Wird eine Zecke gefunden, die sich bereits festgesetzt hat, kommen "Werkzeuge" zum Einsatz: die Pinzette, die Zeckenzange oder die Zeckenkarte. Eins davon sollte man immer dabei haben. Die Pinzette sollte aus Edelstahl, spitz und am Ende etwas gebogen sein. Damit greift man die Zecke direkt über der Haut und zieht sie langsam mit leichter Drehung heraus. "Es ist völlig egal, welche Drehrichtung man bevorzugt, Hauptsache raus!", so Reinhart Hassel. Ähnlich geht es mit der Zeckenzange, die aber meist bei Hunden und Katzen verwendet wird. Die Zeckenkarte aus Plastik hat eine Art Mund mit schlitzförmigem Spalt. Man schiebt sie so unter der Zecke durch, dass sie am Ende des Spalts hängenbleibt und zieht sie langsam, leicht drehend, heraus. Manche Leute schaffen es auch, die Zecke mit den Fingernägeln zu packen.

Zum Töten hat sich die Methode bewährt sie in ein gefaltete Stück Papier zu legen und mit dem Rand eines Trinkglases darüber zu gehen, um sie zu zerquetschen. Sie einfach ins Klo zu werfen ist nicht sicher, weil sie da wieder herauskommen kann. In FSME-Risikogebieten soll man die toten Zecken für Diagnosezwecke aufheben und das Datum des Zeckenstichs notieren.

Nahaufnahme einer Zecke
Nahaufnahme einer Zecke (Foto: Jan Preller, Wald und Holz NRW)

Und was tun, wenn der Kopf drinnen bleibt?

Reinhart Hassel: "Es bleibt nicht wirklich der Kopf zurück, sondern manchmal ein Teil der Mundwerkzeuge. Das ist zunächst kein Grund zur Panik, das verschwindet normalerweise nach ein paar Tagen. Nur wenn der Stich tagelang gerötet bleibt und juckt, oder wenn sich eine ringförmige oder kreisförmige Hautrötung um den Stich herum bildet, die sogenannte Wanderröte, sollte man zum Arzt gehen und den Arzt auf den vorhergegangenen Zeckenbiss aufmerksam machen. Die Wanderröte ist ein sehr sicheres Zeichen, dass man sich mit Borrelien infiziert hat. Dabei spielt es allerdings keine Rolle, ob noch Reste der Mundwerkzeuge in der Haut zurückgeblieben sind oder die Zecke komplett entfernt worden ist.

Wichtig ist auch, auf erkältungsähnliche Symptome wie Kopfschmerzen, Fieber, Muskel- und Gelenkschmerzen zu achten, auch wenn sie wieder verschwinden und möglicherweise wiederkommen. Auch das sind deutliche Anzeichen für eine Borreliose-Infektion.

Zecken - was sind das für Tiere?

Zecken gehören zu den Milben, sie sind also mit den Spinnen verwandt. Der Holzbock, ein anderer Name für die Zecke - nicht zu verwechseln mit dem Hausbock, einem Käfer, der das Holz alter Häuser schädigt - durchläuft in seinem zwei- bis dreijährigen Leben drei Entwicklungsphasen: die mikroskopisch kleine Larve, die etwas größere Nymphe und das geschlechtsfähige, 2,5 bis 4,5 mm lange Tier. Nach der Blutmahlzeit schwillt der Hinterleib fast erbsengroß. In jeder Phase fällt sie andere Tiere an, als Larve z.B. Reptilien und Vögel, als Nymphen Nagetiere oder Igel, als ausgewachsenes Tier Hunde, Katzen oder Menschen. Sie saugt sich mit Blut voll und wandelt sich dann in die nächste Phase um. Das Warten auf einen neuen Wirt kann Monate dauern; meist muss die Zecke, wenn sie die Entwicklungsphase gewechselt hat, zunächst überwintern.

Zecken können nicht springen, aber gut laufen. Sie riechen, wenn ein Säugetier oder Mensch in der Nähe ist und lassen sich dann von Grashalmen oder Ästen eines Busches herunterfallen oder abstreifen. Wenn sie dabei z.B. auf die Hose eines Menschen fallen, können Sie von dort unters Hosenbein krabbeln, wenn das unten offen ist. Für den Stich suchen Sie eine feuchte Stelle mit dünner Haut auf; etwa die Kniekehle, den Schritt, die Leistengegend, die Achselhöhle oder den Haaransatz. Zecken beißen nicht, sondern stechen: Sie schlitzen die Haut auf und bohren dann ihre Mundwerkzeuge hinein. Obwohl die viel dicker sind als bei einer Mücke, bemerken wir das zunächst kaum, weil der Speichel der Zecke betäubend wirkt.

Abschlussfrage: Sollte man lieber gar nicht mehr in den Wald gehen?

Reinhart Hassel: "Nein, das wäre übertrieben. Es gibt ja viele Möglichkeiten, sich vor Zecken und vor der Infizierung zu schützen. Sie sollten nur ein wenig aufpassen."

Daten und Fakten
Zecke
Zecke (Foto: Jan Preller, Wald und Holz NRW)
  • Über 800 Zeckenarten gibt es weltweit, in Deutschland fünf. Am häufigsten: der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus). Er sticht auch am häufigsten Menschen und überträgt die Borreliose.
  • Zecken leben meist an Waldrändern, Wegrändern, in Waldlichtungen mit hohem Gras und warten oft monatelang auf Beute. Sie lassen sich vom Gras oder von Gebüschen abstreifen.
  • Im Labor überlebten Zecken bis zu zehn Jahre ohne Nahrung.
  • 60.000-70.000 Menschen pro Jahr erkranken in Deutschland nach Schätzungen an Lyme-Borreliose.
  • 420 Erkrankungen mit FSME wurden 2013 gemeldet.
  • 142 Kreise in Deutschland gelten derzeit als FSME-Risikogebiete; 72 davon in Bayern, 43 in Baden-Württemberg, weitere in Hessen, Thüringen, Rheinland-Pfalz und Saarland.

Weitere Informationen

www.borreliose-infektionskrankheiten.de

www.zecken.de
Dort gibt es auch eine Karte mit den FSME-Risikogebieten.


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