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Förderung für
den Waldbesitz

Nachhaltigkeitsbericht 2019/2020

Zeitwende im Wald

Im Wald herrscht jetzt schon im dritten Jahr eine existenzielle Krise. Das Sterben der Bäume an den Folgen des menschengemachten Klimawandels (Sturm, Dürre, Käfer) setzt sich ungebremst weiter fort.

Zusätzlich zu den toten Fichten sehen wir den Schleimfluss an Buchen, die reihenweise umstürzenden Eschen, die Bergahorne mit der gefährlichen Rußrindenkrankheit, die lichten Kronen der Eichen, geschädigte Kiefern – um nur einige Beispiele zu nennen.

Die Einkommensfunktion für den Waldbesitz tritt völlig in den Hintergrund. Ökonomisch geht es vor allem um Schadensbegrenzung. Dramatisch ist vor allem aber, dass die Gesellschaft mit dem sterbenden Wald einen Schatz verliert, dessen Wert wir hoffentlich nicht erst erkennen, wenn es zu spät ist. Wir brauchen den heimischen nachwachsenden Rohstoff Holz dringender denn je und in noch größeren Mengen als heute, wenn wir es ernst meinen mit der Dekarbonisierung unserer Wirtschaft.

Wer weg will von Kohle, Erdöl und Gas, braucht auch Holz als gespeicherte Sonnenenergie. Wer weg will von Kunststoffen aus fossilen Kohlenstoffverbindungen, braucht den chemischen Rohstoff Holz mit den nachwachsenden Kohlenwasserstoffverbindungen der Holzfasern. Wer weg will von klimaschädlichem Beton und Stahl, braucht den nachwachsenden Baustoff Holz (und bekommt gratis noch ein wunderbares Raumklima dazu).

Ich möchte mit Ihnen zusammen aber auch die Chancen sehen, die die großen Kalamitätsflächen für den Aufbau klimastabiler Mischbestände bieten: Als Hüter des Waldes können wir jetzt für die nachfolgenden Generationen vieles richtigmachen. Nicht zuletzt im Sinne der Erhaltung unserer biologischen Vielfalt. Unser Wald in NRW ist vorbildlich gepflegter Lebensraum für einen ganzen Kosmos von Pflanzen, Tieren und Pilzen. Die Rückkehr von einst verschwundenen Arten wie Schwarzstorch und Wildkatze zeugt von unseren Erfolgen für den Natur- und Artenschutz.

Ich freue mich, Ihnen mit diesem Nachhaltigkeitsbericht unsere Arbeit für die Stärkung des wunderbaren Waldes in unserem Land vorzustellen. Das ist eine große Chance. Aber wir haben mit dem naturnahen Waldbau und den Waldentwicklungstypen – vor allem aber mit engagierten Waldbesitzenden und den kundigen, tatkräftigen und unermüdlichen Forstleuten – alle Chancen, die Zukunft zu gewinnen.

Unser Ziel: die Stabilität, Vitalität und Prosperität unseres Waldes in NRW für die nachfolgenden Generationenunserer Gesellschaft zu erhalten. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Lesen.

Ihr Andreas Wiebe
Leiter Wald und Holz NRW


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