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Förderung für
den Waldbesitz

Wald-Naturschutzprojekt des Monats August 2023

Rettung des Artenschatzes im Lohmarer Wald

Aus jahrhundertelanger Klosterwirtschaft wurde ein einzigartiges Lebensraummosaik: Historische Klosterteiche im Lohmarer Wald versorgten mehrere hundert Jahre lang die Menschen mit Fisch. Heute sind es wertvolle Biotope für gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Diese besonders abwechslungsreiche naturnahe Kulturlandschaft aus typischen Laubmischwäldern und Kiefernwäldern, Gewässern, Moor- und Heideflächen ist für den Erhalt und die Förderung der biologischen Vielfalt extrem wichtig. Deshalb setzten sich Försterinnen und Förster von Wald und Holz NRW im Verbund dem Fischereipächter, der Naturschutzbehörde des Rhein-Sieg-Kreises und den Jägerinnen und Jägern des Hegerings Agger-Sieg, dafür ein, diese herausragende Landschaft mit ihren Besonderheiten zu bewahren.

Der heimische Eisvogel (Alcedo atthis) ist eine echte Augenweide. (Bildquelle: Marc Stephan - adobe.stock.com)

Heute besteht das große Waldgebiet aus artenreichen Eichenmischwäldern, mittelalten und alten Buchenwäldern mit viel Totholz und Kiefernwäldern. Die Fichtenbestände sind in den letzten Jahren durch Borkenkäferbefall vollständig abgestorben. Wo jetzt keine Fichten mehr sind, wurden in den letzten Jahren schwerpunktmäßig junge Eichen gepflanzt und von Natur aus kommen hier Baumarten wie Hainbuche, Kiefer, Lärche und Birke dazu. Wie auf einer Kette aufgereiht durchziehen die Teiche dieses Waldgebiet. Es ist eine naturnahe, lebensraumreiche Landschaft entstanden.

"Wenn die Teiche nicht mehr genutzt und gepflegt werden, verlanden sie. Damit würden uns diese wertvollen und seltenen Wasserlebensräume im Wald voraussichtlich verloren gehen. Wir wollen die Zukunft dieses Naturschatzes mit vereinten Kräften sichern.", sagt Stephan Schütte, Leiter Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft.

Artenschatzkiste

Der Lohmarer Wald bietet zusammen mit der Teichlandschaft außerordentlich viele unterschiedliche Lebensräume für seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Relikte von Heidemooren, Feuchtheiden und Magerwiesen beherbergen vor allem Arten, die nur in diesen speziellen Lebensräumen vorkommen. Herausragende Pflanzenarten sind beispielsweise Moorlilie, Königsfarn, seltene Sumpfbinsen, schwimmende Laichkrautarten und der Gagelstrauch. An den Teichen und Bächen schwirren etwa 50 Libellenarten wie die zweigestreifter Quelljungfer oder die Blauflügel-Prachtlibelle umher. Bemerkenswerte Amphibien wie Gelbbauchunke und Kammmolch und auch Reptilien wie Zauneidechse und Ringelnatter finden hier ein Zuhause. Unter den Vögeln ist auch eine herausragende Art dabei: der kleinste und farbenprächtigste, Fische jagende Vogel Mitteleuropas - der Eisvogel. Ein scheuer, aber prächtig blau schillernder und ungefähr 17 cm großer Vogel. Für die Aufzucht seiner Jungen braucht er steile, möglichst vegetationsfreie Steilwände, in die er tiefe Höhlen gräbt. Für sich selbst und seinen Nachwuchs jagt er Kleinfische vor allem in der Nähe der Bruthöhle.  "Einen Eisvogel beobachten zu können, ist schon etwas Besonderes. Dafür braucht es viel Ruhe zur richtigen Zeit am richtigen Ort und die passend geschärften Sinne. Denn der Eisvogel ist nicht nur klein, sondern auch sehr schnell unterwegs.  So ein Erlebnis kommt heute auch im Alltag eines Försters nur noch selten vor. Aber wenn, dann ist es der beste Lohn für meine Arbeit hier", schwärmt Axel Horn, Leiter Forstbetriebsbezirk Aulgasse. Die Lohmarer Teichlandschaft wird in der Region auch Aulgasse genannt. So wie das Revier, welches Förster Axel Horn seit vielen Jahren leitet.

800-jährige Teichlandschaft

Bei der Lohmarer Teichlandschaft handelt es sich um eine ungefähr 800 Jahre alte Kulturlandschaft. Hier gab es mehr als 200 Teiche, die von Heiden, Moorflächen und Hutewäldern umgeben waren. Damals begannen die Mönche des Benedektiner-Klosters Teiche anzulegen und sie extensiv für die Fischzucht zu nutzen. Heute gibt es noch 38 Teiche im Lohmarer Wald. Die extensive Nutzung durch einen Fischereibetrieb musste zum Ende letzten Jahres aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt werden. Das Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft setzt sich vor Ort gemeinsam mit der Naturschutzverwaltung und dem Fischereipächter dafür ein den Erhalt der Teiche langfristig zu sichern.

Wald-Naturschutzprojekte des Monats

Wald und Holz NRW berichtet jeden Monat über ein Naturschutzprojekt in NRW, weil der Verlust der Artenvielfalt neben dem Klimawandel die größte Herausforderung der Gegenwart ist. Auf der Weltnaturschutzkonferenz in Montréal hat sich Deutschland zusammen mit fast 200 Staaten verpflichtet mehr in die Biodiversität zu investieren.

Die Wälder in Nordrhein-Westfalen bedecken 27 Prozent der Landesfläche und spielen beim Schutz bedrohter Arten eine zentrale Rolle. Wälder sind neben den Mooren die ursprünglichsten Lebensräume, die ohne den Einfluss der Menschen fast das ganze Land prägen würden. Gegen den allgemeinen Trend nimmt der Lebensraum Wald in Nordrhein-Westfalen langsam zu, auch wenn der Klimawandel aktuell für einige Rückschläge sorgt. Aber wo Wald war, wird wieder Wald wachsen. Darum kümmern sich auch die Försterinnen und Förster von Wald und Holz NRW. Ausgestorbene Tierarten wie Uhu, Schwarzstorch, Kolkrabe und Biber sind wieder in die Wälder zurückgekehrt. Die Bestände extrem seltener Arten wie der Wildkatze entwickeln sich sehr positiv. Die Artenvielfalt nimmt bei den Waldvögeln kontinuierlich zu. Zahlreiche positive Botschaften, die zeigen, dass der eingeschlagene Weg der Richtige ist. Das Engagement für die Biodiversität äußert sich auch in vielen kleineren Projekten, die von den Försterinnen und Förstern von Wald und Holz NRW fachlich, konsequent und mit Liebe zur Natur durchgeführt werden. Jeden Monat zeigt der Landesbetrieb Wald und Holz NRW mit einem Beispiel, wie die Försterinnen und Förster den Verlust der Artenvielfalt aufhalten und Lebensräume für bedrohte Tier- und Pflanzenarten schaffen, wiederherstellen, pflegen und schützen.  

Der naturschutzfachlich bedeutsame Gagelstrauch (Myrica gale) wächst hier an seiner südlichen Verbreitungsgrenze in Deutschland. (Bildquelle: Klaus Striepen - Wald und Holz NRW)

Die wertvolle Teichlandschaft leuchtet in der Abendsonne. (Bildquelle: Klaus Striepen - Wald und Holz NRW)

Ansprechperson

Nicole Fiegler

Wald und Holz NRW

Albrecht-Thaer-Straße 34
48147 Münster

Tel: +49 251 91797 217
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