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Waldzustand

Waldzustandsberichte

Der Waldzustand in NRW wird regelmäßig im Rahmen sogenannter Waldzustandserhebungen erfasst, ausgewertet und in Waldzustandsberichten dokumentiert.

Waldzustandsbericht 2019: Nur jeder fünfte Baum ohne Schäden

Umweltministerin Heinen-Esser: „Uns muss dringend eine Trendumkehr gelingen. Die Waldzukunft ist eine Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern.“

Der Waldzustand in Nordrhein-Westfalen hat sich weiter verschlechtert. Nur etwa jeder fünfte Baum in Nordrhein-Westfalen weist keine Schäden auf (19 Prozent, 22 Prozent in 2018). Zu diesem Ergebnis kommt der Waldzustandsbericht 2019. Bei der aktuellen Erhebung wurde bei 42 Prozent der Bäume eine deutliche Kronenverlichtung festgestellt (39 Prozent in 2018), schwache Schäden blieben mit 39 Prozent konstant. „Die Zahlen sind alarmierend. Unser Wald ist krank, er braucht unsere Hilfe im Klimawandel – er braucht Zukunft“, sagte Umweltministerin Ursula Heinen-Esser bei der Vorstellung des Berichts heute in Düsseldorf.

Die Waldwirtschaft leiste derzeit in der Schadensbewältigung Enormes. Neben den Ad-Hoc-Maßnahmen für die Schadensbewältigung habe die Wiederbewaldung höchste Priorität. „Nach der Abwärtsspirale der zurückliegenden Jahre muss uns dringend eine Trendumkehr gelingen. Nach den Maßnahmen in Folge des Waldsterbens durch Sauren Regen und vergangener Sturmereignisse benötigen wir nun erneut einen gemeinsamen politisch-gesellschaftlichen Kraftakt, um die aktuelle Waldkrise zu überwinden.“

Lediglich bei der Buche keine weitere Verschlechterung

Der aktuelle Waldzustandsbericht belegt, was vielerorts bereits auch für Laien sichtbar war: Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer haben dem Wald massiv zugesetzt. Bei den Hauptbaumarten hat sich lediglich der Zustand der Buche im Vergleich zum Vorjahr nicht weiter verschlechtert. „Die klimatischen und biologischen Beeinträchtigungen führten zu starken Schäden an vorgeschwächten Waldbäumen. Mehrfachbelastungen haben sich gegenseitig verstärkt“, erläuterte Dr. Bertram Leder, Leiter des Zentrums Wald und Holzwirtschaft im Landesbetrieb Wald und Holz NRW. Zu bedenken sei, dass die Borkenkäfer-Schäden voraussichtlich ihren Höhepunkt noch nicht erreicht haben und die Waldböden weiterhin in den tieferen Bodenschichten Feuchtigkeitsdefizite aufweisen.

Klarer Marschplan mit Waldbaukonzept

„Alle Beteiligten auf allen Ebenen müssen sich jetzt mit ganzer Kraft für eine schnelle Überwindung der Schäden und die Entwicklung klimastabiler Mischwälder einsetzen“, sagte Heinen-Esser. Mit dem Waldbaukonzept hat das Land hierzu einen klaren Marschplan erarbeitet. Empfohlen wird je nach Standort eine Kombination von Naturverjüngung und gezielter Pflanzung. Das Internetportal Waldinfo.NRW liefert hierzu wertvolle Grundlagen. Von bislang beantragten Ad-Hoc-Hilfen in Höhe von rund 8,6 Millionen Euro wurden bereits über 7,5 Millionen Euro bewilligt. Für die Waldentwicklung hat das Land Mittel in Höhe von 100 Millionen Euro für die kommenden zehn Jahre zugesagt.

Gemeinschaftsaufgabe Wald

„Aber dies wird nicht reichen. Die Waldzukunft ist eine Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern. Dabei müssen wir auch über neue Instrumente nachdenken“, sagte Heinen-Esser. Noch ist offen, wie die vom Bund angekündigten Fördermittel in Höhe 547 Millionen Euro exakt verteilt werden. Darüber hinaus macht sich die Landesregierung für eine bundesweite Baumprämie stark. Finanziert werden könnte diese über die Einnahmen aus CO2-Zertifikaten. „Dort, wo CO2 gespeichert wird, wie in unseren Wäldern, müssen auch die Erlöse aus der Emission von Treibhausgasen ankommen, um gerade auch im Klimawandel die wertvollen Leistungen des Waldes für die Zukunft zu sichern“, so die Ministerin.

Als weiteres regionales Instrument zur Honorierung der Klimaschutz- und Ökosystemleistungen des Waldes schlägt Heinen-Esser die Einrichtung eines "NRW-Waldfonds" vor: „Damit könnten wir ein regionales Angebot zur CO2-Kompensation schaffen, mit dem öffentliche Mittel und freiwillige Kompensationsbeiträge von Unternehmen und Privatpersonen zu Gunsten des Waldes gebündelt werden könnten.“ Das Ministerium prüft derzeit die rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen.

Waldzustandserhebung 2019: Hintergrund und Ergebnisse

Der Zustand der Baumkronen gibt die Vitalität der Waldbäume wieder. Nach dem bundesweit einheitlichen Verfahren der Waldzustandserhebung wird vor allem der Verlust von Blättern und Nadeln beurteilt. Im Rahmen der jährlichen Erhebungen zum Waldzustand in Nordrhein-Westfalen werden bei Stichprobenpunkten im Raster von 4 x 4 Kilometern über 10.000 Waldbäume erfasst. Die Waldzustandserhebung erfolgt in ganz Deutschland. In Nordrhein-Westfalen wird sie federführend durch den Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen durchgeführt. Beim forstlichen Umweltmonitoring mit eingebunden sind das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW und der Geologische Dienst NRW.

Die Ergebnisse zu den Hauptbaumarten (Außenaufnahmen im Sommer 2019):

  • Fichte (Waldanteil ca. 30 Prozent): Bereits 2018 musste der Fichte der schlechteste Kronenzustand seit Beginn der Untersuchungen attestiert werden. 2019 sind die deutlichen Kronenschäden um weitere fünf Prozentpunkte auf jetzt 42 Prozent gestiegen. Gesund sind nur noch 22 Prozent der Bäume. Nach einer aktuellen Erhebung fielen in den Jahren 2018 und 2019 allein in der Fichte über 18,7 Millionen Kubikmeter Schadholz an (Stand: November 2019).

  • Buche (Waldanteil ca. 19 Prozent): Bei der Buche hat sich der Zustand der Baumkronen im Vergleich zum Vorjahr zwar verbessert. Jedoch zeigen weiterhin 82 Prozent der Bäume eine Kronenverlichtung. Auch die Buchen hatten mit Dürre und Hitze zu kämpfen, was durch eingerollte Blätter als Verdunstungsschutz sichtbar war – Schwerpunkte lagen in Ostwestfalen und im Münsterland. Der Schadholzanfall liegt aktuell bei rund 600.000 Kubikmeter (Stand: November 2019).

  • Eiche (Waldanteil ca. 17 Prozent): Die Eichenschäden erreichen 2019 den schlechtesten Wert aller bisherigen Erhebungen. Nur zwölf Prozent der Bäume zeigen keine Kronenverlichtung. Insektenfraß, Dürre, Stürme sowie Pilzbefall führten zu einer Dauerbelastung, die den Bäumen kaum eine Chance zur Erholung lässt.

  • Kiefer (Waldanteil ca. 8 Prozent): Auch bei der Kiefer ist eine weitere Verschlechterung festzustellen. Bäume ohne Kronenverlichtung kommen nur noch mit einem Anteil von 11 Prozent vor. 30 Prozent weisen eine deutliche Kronenverlichtung auf. Neben den witterungsbedingten Beeinträchtigungen litt die Kiefer unter Pilzbefall, regional auch Käferbefall.

Waldzustandsbericht 2019

Langfassung

Kurzfassung

Ansprechperson

Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft,
Natur- und Verbraucherschutz
des Landes Nordrhein-Westfalen

Pressestelle

Christian Fronczak

Telefon 0211 / 45 66 - 294
presse@mulnv.nrw.de
​​​​​​​www.umwelt.nrw.de

Waldzustandsbericht 2018: Wälder in NRW in diesem Jahr besonders stark geschädigt - erhebliche Schäden vor allem in Nadelwäldern.

Umweltministerin Ursula Heinen-Esser hat den diesjährigen Waldzustandsbericht NRW vorgestellt und ein klares Bild gezeichnet: "Unsere Wälder sind in einem besorgniserregenden Zustand. Denn durch das Zusammenwirken von Sturm im Frühjahr, gefolgt von extremer Sommertrockenheit und anschließend starkem Borkenkäferbefall in den Nadelwäldern sind die Schäden in diesem Jahr erheblich." Insgesamt befindet sich der Wald 2018 im schlechtesten Zustand seit Beginn der Untersuchungen im Jahr 1984. So weisen 39 Prozent der erfassten Bäume eine deutliche und weitere 39 Prozent eine schwache Kronenverlichtung, das heißt Blattverluste, auf. Damit verbleiben nur 22 Prozent ohne Kronenverlichtung. Dazu wurden unter der Regie des Inventurleiters für die NRW-Waldzustandserhebung, Lutz Falkenried, Geländeaufnahmen zum Kronenzustand gemacht. Aus methodischen Gründen mussten Fachleute diese bereits im August beenden. Zudem dauern die Auswertungen zum vollen Ausmaß der Borkenkäferschäden noch an. Daher dürften die tatsächlichen Waldschäden sogar noch größer sein.

2018: Erst Sturm, dann Dürre, zum Schluss noch Borkenkäfer

Nordrhein-Westfalen war besonders schwer vom Orkan Friederike im Januar betroffen. Es entstanden 2,5 Millionen Festmeter "Sturmholz". Die Monate April bis August waren die wärmsten sowie sonnenscheinreichsten und zugleich mit die niederschlagsärmsten Monate seit Beginn der Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes im Jahr 1881. Aufgrund des durch den Sturm angefallenen, bruttauglichen Fichtenholzes und der Sommertrockenheit, die die Abwehrkräfte der Bäume stark schwächte, kam es zu Massenvermehrungen der Borkenkäferarten "Buchdrucker" und "Kupferstecher" in Fichtenwäldern. Fichtenwälder nehmen etwa ein Drittel der Waldfläche Nordrhein-Westfalens ein. Der derzeitige Stand der Erhebungen lässt darauf schließen, dass es sich um die größte Borkenkäferkalamität seit mehreren Jahrzehnten handelt.

Task Force "Borkenkäfer"

Zur Bewältigung der aktuell schwierigen Lage für die nordrhein-westfälische Forstwirtschaft hat Ministerin Heinen-Esser eine Task Force "Borkenkäfer" eingerichtet. Diese wird sich vor allem dafür einsetzen, dass das Schadholz möglichst schnell aus dem Wald abtransportiert und eine weitere Massenvermehrung der Borkenkäfer im nächsten Jahr möglichst eingedämmt werden kann.

Anforderungen durch den Klimawandel

Ministerin Heinen-Esser: "Neben den akuten Maßnahmen ist es für die Landesregierung aber auch wichtig, die Wälder im Klimawandel auch längerfristig stabiler und widerstandsfähiger zu entwickeln. Hierzu werden in Kürze das neue Waldbaukonzept für Nordrhein-Westfalen und weitere unterstützende Instrumente für den Waldbesitz vorgestellt. Wichtige Informationen für die Waldbewirtschaftung werden in Kürze über das neue Internetportal 'Waldinfo.NRW' modern und benutzerfreundlich angeboten".

Hintergrund zum Waldzustandsbericht:

Die Vitalität der Waldbäume erfassen Forstwissenschaftler jährlich nach einer bundesweit einheitlichen Methode. Hierzu beurteilen sie den Zustand der Baumkronen von etwa 10.000 Bäumen für Nordrhein-Westfalen. Der Waldzustand verschlechterte sich seit Beginn der Erhebung im Jahr 1984. Etwa seit 2000 bewegt sich das Schadensmaß mit jährlichen Schwankungen auf ungefähr gleichbleibend hohem Niveau. In den jährlichen Waldzustandsbericht fließen auch ergänzende Fachinformationen ein, die nicht durch die Methode im engeren Sinne abgebildet sind (z. B. in diesem Jahr Aussagen zu Schadholzmengen).

Die neuen Instrumente für die Waldbewirtschaftung im Klimawandel sind Teil der Klimaanpassungsstrategie für den Wald und die Waldbewirtschaftung in Nordrhein-Westfalen. Wichtige Umsetzungsprojekte sind das neue Waldbaukonzept NRW, die landesweite forstliche Standortkarte und das neue Waldinformationssystem NRW (hier vor allem das neue Internetportal Waldinfo.NRW). Relevant sind hierbei auch die waldrelevanten Fachinformationssysteme zum Klimawandel.

Waldzustandsbericht 2018

Ansprechperson

Wald und Holz NRW
Lutz Falkenried
Brößweg 40
45897  Gelsenkirchen

Tel.: +49 2931 7866 179
Mobil: +49 171 5870411
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Waldzustandsbericht 2017: Leichte Besserung gegenüber 2016 - insbesondere Buche hat sich erholt - Klimawandel setzt Wälder unter Druck

Der Gesundheitszustand der Wälder in Nordrhein-Westfalen hat sich im Vergleich zum Vorjahr insgesamt leicht verbessert. Zu diesem Ergebnis kommt der neue Waldzustandsbericht 2017. Insbesondere die Buche hat sich erholt: Waren im Jahr 2016 noch bei jeder zweiten Buche "deutliche Schäden" zu beobachten, ist aktuell jeder vierte Baum betroffen. Auch bei den Fichten haben sich die Nadelverluste verringert. Der Zustand von Eichen und Kiefern hat sich hingegen etwas verschlechtert.

"Es ist eine gute Nachricht, dass sich der Zustand des Waldes in Nordrhein-Westfalen insgesamt verbessert hat. Wichtigen Baumarten wie der Buche und der Fichte geht es besser als im Jahr zuvor. Allerdings zeigt die Erhebung auch, dass der Gesundheitszustand unserer Wälder nach wie vor nicht zufriedenstellend ist", sagte Umweltministern Christina Schulze Föcking bei der Vorstellung des Berichtes in Düsseldorf.

Schulze Föcking wies auf die immense Bedeutung des Waldes für Natur, Klima und Mensch hin: "Der Wald ist ein wahres Multitalent in allen Facetten der Nachhaltigkeit - ökologisch, ökonomisch und soziokulturell. Er schützt Böden und Grundwasser und ist ein Hot Spot unserer Artenvielfalt. Zudem ist er ein Klimaretter, indem er CO2 speichert und fossile Rohstoffe ersetzt. Darüber hinaus ist Wald immer auch Sinnbild der Natur, Gefühl, Erholung und Heimat."

Doch der Klimawandel setzt die Wälder bereits heute spürbar unter Druck: Häufigere Stürme und ungleiche Niederschlagsverteilung mit Sommertrockenheit sind zu erwarten. Zudem können mildere Winter und höhere Durchschnittstemperaturen die Entwicklung von Schädlingen fördern. Schulze Föcking: "Der Klimawandel stellt die Waldwirtschaft vor große Herausforderungen. Wir müssen künftig vermehrt daran arbeiten, die Stabilität und Vitalität unserer Wälder zu erhöhen und die Wälder fit machen für die Zukunft und den Klimawandel. Wir werden alles tun, um unsere Wälder zu erhalten, weiter zu verbessern und zugleich nachhaltig zu bewirtschaften."

Neues Waldbaukonzept mit Online-Informationssystem

Für 2018 kündigte Schulze Föcking die Erarbeitung eines neuen Waldbaukonzeptes an, das in Zukunft die bestmögliche Beratung von Waldbewirtschaftern ermöglichen soll. Es soll begleitet werden durch ein "Klimadynamisches Waldinformationssystem", das online für jedermann zugänglich sein soll. "Damit wird klar: Die künftige, nachhaltige Waldbewirtschaftung und die Anpassung an den Klimawandel gehen Hand in Hand", erklärte die Umweltministerin.

Lutz Falkenried, der für die Waldzustandserhebung zuständige Forstwissenschaftler bei Wald und Holz NRW, wies auf die großen Schwankungen in den zurückliegenden Jahren hin: "Prozesse im Ökosystem Wald verlaufen langsam und wechselhaft. In Abhängigkeit von den äußeren Rahmenbedingungen ist der Waldzustand durch ein Auf und Ab gekennzeichnet. So konnte etwa bei der Eiche seit 2013 eine schrittweise Verbesserung der deutlichen Schäden beobachtet werden, in diesem Jahr ist diese Entwicklung leider nicht weitergegangen."

Für Andreas Wiebe, Leiter von Wald und Holz NRW, ist der Waldzustandsbericht eine wichtige Hilfe bei der waldbaulichen Planung: "Unsere Forstleute sind die Hüter des Waldes. Sie müssen den Wald in unsicheren Zeiten des Klimawandels nachhaltig für künftige Generationen pflegen. Eine genaue Beobachtung des Waldzustandes ist dabei sehr wichtig, um die richtigen waldbaulichen Entscheidungen für die Zukunft zu treffen."

Seit 33 Jahren ist die Waldzustandserhebung ein wichtiger Teil des Umwelt-Monitorings in Nordrhein-Westfalen. Über die zurückliegenden Jahrzehnte betrachtet, hat sich der Wald nach den Maßnahmen zur Verhinderung des "Sauren Regens" wieder stabilisiert. "Gesund sind unsere Wälder aber noch nicht, dazu waren die Schädigungen der Wälder und Waldböden durch Rauchgase bis in die 1980er Jahre hinein viel zu massiv", so Schulze Föcking.

Waldzustandsbericht 2017

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Waldzustandsbericht 2016: Eschensterben breitet sich in NRW aus - Verbesserung der Eiche setzt sich fort - Zustand der Buchen verschlechtert

Die Landesregierung will mit einem eigenen Anzuchtprogramm das Aussterben der Esche in den Wäldern von Nordrhein-Westfalen verhindern. „Beobachtungen wie jetzt bei der Erhebung zum Waldzustandsbericht zeigen, dass sich die Erkrankung der Esche bei uns zunehmend ausbreitet und den Bestand massiv beeinträchtigt“, sagte Umweltminister Johannes Remmel bei der Vorstellung des diesjährigen Waldzustandsberichtes.

So geht der zuständige Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen davon aus, dass mehr als 90 Prozent der Eschen in den Wäldern Nordrhein-Westfalens von einer europaweit grassierenden Pilzerkrankung befallen werden könnten. „Wenn wir hier nicht gegensteuern, wird die Esche aus unseren Wäldern endgültig verschwinden“, warnte Minister Remmel. Mit den privaten Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern will das Land nun gesunde Eschen ausfindig machen, um resistentes Saatgut zu sichern und dieses dann in Samenplantagen zu züchten.

Neben der Esche zeigt sich im aktuellen Waldzustandsbericht vor allem die Buche wegen eines erneuten Mastjahres (starke Fruktifikation) in einem schlechteren Belaubungszustand als im vergangenen Jahr. Die Eiche hingegen verzeichnet hingegen im dritten Jahr in Folge einen Aufwärtstrend. Insgesamt sind aber nur 28 Prozent aller Bäume in NRW  in einem guten Zustand, etwa 29 Prozent in einem schlechten.

Die Waldzustandserhebung wurde im Jahr 1984 als Reaktion auf das damals diskutierte Waldsterben und die hohen industriellen Belastungen erstmals durchgeführt. In den ersten beiden Jahrzehnten des Waldzustandsberichts nahmen die Waldschäden durch Kronenverlichtung von Jahr zu Jahr zu. Erst seit dem Jahr 2000 stoppte diese Entwicklung und pendelte sich auf einem hohen Schadensniveau ein. Konnte im vergangenen Jahr eine Verbesserung des Waldzustands festgestellt werden, hat sich der Kronenzustand in 2016 in Bezug auf den gesamten Wald wieder etwas verschlechtert. „Unsere Wälder sind Alleskönner: Sie sind wichtige Lebensräume für Tiere und Pflanzen und damit Teil des wilden Nordrhein-Westfalens. Sie dienen den Menschen zur Erholung und sind Produktionsstätten für den nachwachsenden Rohstoff Holz“, sagte Minister Remmel. „Wir müssen diesen Naturschatz daher schützen und bewahren. Die Waldzustandserhebung liefert uns wichtige Daten zur Entwicklung unserer Wälder.“

Während bei der ersten Waldzustandserhebung noch 59 Prozent der Bäume in NRW ohne Schäden und nur zehn Prozent in der höchsten Schadensklasse waren, liegt der Anteil 2016 von Bäumen ohne Schäden, wie schon im vergangenen Jahr, bei 28 Prozent.

„Unsere Böden haben ein Langzeitgedächtnis, und auch heute finden wir noch die Spuren der industriellen Belastung der Vergangenheit. Aber es zeigt sich, dass die ambitionierte Umweltpolitik wirkt: Durch moderne Filter in den Industrieanlagen gehen die Luftbelastungen und damit auch die Belastungen in unseren Böden zurück. Der Wald heute muss neue Herausforderungen meistern, vor allem den Klimawandel“, sagte Minister Remmel.

Der Zustand der 4 wichtigsten Baumarten in der Übersicht:

Bei der Buche ist es in diesem Jahr zu einer Verschlechterung im Vergleich zum Vorjahr gekommen. Die deutlichen Schäden haben sich bei den untersuchten Buchen auf 48 Prozent verdoppelt. Ohne Schädigungen waren lediglich 17 Prozent der Buchen. Hauptursache für die stärkere Kronenverlichtung war die erneut starke Fruchtbildung der Buche. In den vergangenen Jahrzehnten wurde beobachtet, dass die Jahre der Vollmast in immer kürzeren Abständen aufgetreten sind. Trat eine solche Vollmast in der Vergangenheit in einem Jahrzehnt höchstens zwei  bis drei Mal auf, werden heute drei bis fünf Vollmasten pro Jahrzehnt beobachtet. Hauptursache könnte der Klimawandel sein. So hat sich laut dem 2. Klimawandelbericht NRW, der Anfang November vorgestellt wurde, die durchschnittliche Jahresmittel-Temperatur in NRW zwischen 1881 und 2015 um 1,4 Grad Celsius erhöht.

Die Eiche hingegen konnte sich auch in diesem Jahr weiter erholen. Der Anteil der Bäume ohne jede Verlichtung stieg von 19 auf 30 Prozent und die Bäume mit deutlichen Schäden sanken von 40 Prozent auf 29 Prozent. „Trotz dieser Erholung in den vorherigen  Jahren ist es noch zu früh, von einer Entwarnung zu sprechen. Die Eiche bleibt weiterhin das Sorgenkind unserer Wälder“, sagte Minister Remmel.

Seit 2013 hat sich die Kiefer in kleinen Schritten verbessert. So wurde auch in diesem Jahr im Vorjahresvergleich eine Abnahme der deutlichen Schäden von 16 Prozent auf jetzt 13 Prozent verzeichnet. Der Anteil der Bäume ohne Kronenverlichtung ist sogar von 16 auf 22 Prozent gestiegen. Wie auch in den Vorjahren ist die Kiefer in NRW die Hauptbaumart mit der geringsten Kronenverlichtung.

Der Zustand der Fichte im NRW-Wald hat sich Im Vergleich zu den Vorjahreswerten nur wenig verändert. Die deutliche Kronenverlichtung ist von 28 Prozent  auf  30 Prozent gestiegen. Die Warnstufe sowie der Anteil der gesunden Bäume haben jeweils einen Prozentpunkt  verloren. Es konnte eine mittlere Intensität der Zapfenbildung beobachtet werden.

„Dieses Jahr zeigt uns deutlich, dass die Vegetationszeiten immer wärmer und länger werden. Wir beobachten genau, inwieweit der Wald sich diesen neuen Bedingungen anpasst. Der Wald in NRW konnte den Stress recht gut ausgleichen“, ergänzt Andreas Wiebe, Leiter von Wald und Holz NRW. „Aber unsere Wälder aktiv an die klimatischen Veränderungen anzupassen, das  ist die Mammutaufgabe des 21. Jahrhunderts für unsere Forstleute und die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer in NRW. Mit dem Wissen unserer Expertinnen und Experten gestalten wir klimaplastische Wälder mit einer angepassten Mischung aus Laub- und Nadelbaumarten. Dabei setzen wir auch auf nicht heimische Baumarten wie die Douglasie oder die Roteiche, die sich als sehr widerstandsfähig erwiesen haben und daher gut nach NRW passen.“

Nach den Aussagen von Lutz Falkenried, dem Leiter der Waldzustandserhebung von Wald und Holz NRW, hat sich in diesem Jahr der Zustand im gesamten Wald im Vergleich zum Vorjahr wieder etwas verschlechtert. „Dabei müssen die einzelnen Baumarten aber auch getrennt beurteilt werden. Buche und Fichte ging es in diesem Jahr etwas schlechter, Eiche und Kiefer haben sich hingegen weiter erholt. Besonders der starke Samenanhang mit Bucheckern hat 2016 das Gesamtergebnis des Waldes geprägt“, sagte Falkenried. 

Verbraunte Baumkronen

Ab etwa Anfang September war vielerorts zu beobachten, dass sich Baumkronen vorzeitig braun verfärbten. Davon betroffen waren überwiegend Laubbäume, besonders sichtbar wurde es bei Ahornen und Hainbuchen. Auslöser für diese frühzeitige Herbstbild der Baumkronen war ein partieller Wassermangel in Folge der plötzlichen trocken-heißen Wetterlage ab Mitte/Ende August. Dabei dürfte auch die Sonnenintensität eine Rolle gespielt haben. Durch das abrupt auftretende heiße Wetter konnten sich die Bäume nicht gut anpassen und waren den veränderten Wetterbedingungen übergangslos ausgesetzt.

Weil die vorzeitigen Braunfärbungen der Blätter erst nach Abschluss der Außenaufnahmen für das Kronenmonitoring Ende August aufgetreten sind, gehen sie in die Ergebnisse des diesjährigen Waldzustandsberichtes nicht ein.

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Historischer Hintergrund der Waldzustandserhebung

Anfang der 1980er Jahre, in der Zeit des "Waldsterbens", wurden in Deutschland großräumig auftretende Schäden an den Kronen vieler Baumarten beobachtet. Nachdem eine bundesweite Befragung von Forstämtern 1982 ein bedrohliches Ausmaß an Schäden bestätigte, wurde im Folgejahr in Nordrhein-Westfalen erstmals eine Waldzustandserhebung anhand eines Stichprobenverfahrens durchgeführt.

Wie der Name schon sagt, werden dabei von erhobenen Stichproben statistische Rückschlüsse auf einen Gesamtzustand abgeleitet. Das Verfahren wurde 1984 verfeinert, abgestimmt und von den übrigen Bundesländern übernommen. Seither wird die Erhebung mit Ausnahme des Jahres 1996 jährlich wiederholt.

Ziele der Waldzustandserhebung

Waldzustandserhebungen erfassen den jeweils aktuellen Gesundheitszustand der Wälder (in NRW). Der Zustand von standortgerechten Bäumen und Wäldern wiederum hängt wesentlich von Umwelteinflüssen wie Klima, Schadstoffeinwirkungen etc. ab.

Da der Waldzustand jedes Jahr und somit kontinuierlich erfasst wird, ist es möglich langjährige Trends für einzelne Baumarten zu erstellen - gerade in Zeiten des prognostizierten Klimawandels ein wichtiges Werkzeug um unsere Wälder nachhaltig zu sichern.

Die nordrhein-westfälischen Daten tragen mit den Zustandsdaten der anderen Bundesländer dazu bei, die Vitalität des gesamten Waldes in Deutschland zu beziffern. Zudem werden an ausgewählten Punkten Messungen durchgeführt, die von der Europäischen Union ausgewertet werden und kombiniert mit den Daten der anderen europäischen Staaten auch den Waldzustand auf europäischer Ebene dokumentieren.

Das Verfahren der Waldzustandserfassung

Grundlage ist ein regelmäßiges Raster, welches in den meisten Jahren einen Abstand von 4 x 4 km im Gelände besitzt. An den Schnittpunkten des Rasters wird durch speziell geschulte Forst-Fachleute der Kronenzustand von dauerhaft markierten Probebäumen beurteilt. Die wichtigsten Kriterien sind die Verlichtung der Baumkronen und die Vergilbung der noch vorhandenen Nadeln und Blätter sowie weitere Faktoren, die Einfluss auf das Erscheinungsbild der Baumkronen haben. Dazu zählen besonders die Fruktifikation, Insekten- und Pilzbefall, Sturm- und Wetterschäden sowie zusätzliche biotische und abiotische Schadereignisse.

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