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Förderung für
den Waldbesitz

Waldzustand

Waldzustandsberichte

Der Waldzustand in NRW wird regelmäßig im Rahmen sogenannter Waldzustandserhebungen erfasst, ausgewertet und in Waldzustandsberichten dokumentiert.

Waldzustandsbericht 2021: Wälder weiterhin stark geschädigt

 

Umweltministerin Heinen-Esser: "Klimawandel macht dem Wald schwer zu schaffen / Wir müssen alles daransetzen, dass der Wald seine Abwehrkräfte gegen Klimafolgen stärken kann"

Nach drei Jahren Hitze und extremer Dürre hat sich der Wald in diesem Jahr ganz leicht erholen können. Dennoch ist es um die Vitalität der Waldbäume weiterhin nicht gut bestellt. Zu diesen Ergebnissen kommt der aktuelle Waldzustandsbericht 2021, den Umweltministerin Ursula Heinen-Esser heute in Düsseldorf vorgestellt hat. "Die Trockenheit der zurückliegenden Jahre, der Borkenkäferbefall, die Belastung der Böden durch Schadstoffe, allen voran die Folgen des Klimawandel machen dem Wald nach wie vor schwer zu schaffen", sagte die Ministerin auf dem Podium der Landespressekonferenz. "Die Waldzukunft ist auch unsere Zukunft. Daher müssen wir alles daransetzen, dass der Wald seine Abwehrkräfte gegen negative Klimafolgen stärken kann."

Die diesjährige Wachstumsperiode verlief im Vergleich zu den Vorjahren im Mittel in Nordrhein-Westfalen hitzestressfrei. In der Folge hat sich der Zustand des Waldes im Vergleich zum Vorjahr leicht verbessert. So ist der Anteil der Bäume mit deutlicher Kronenverlichtung auf 40 Prozent gesunken (2020: 44 Prozent), 32 Prozent zeigen eine schwache Verlichtung (2020: 33 Prozent), der Anteil der nicht verlichteten Bäume stieg auf 28 Prozent (2020: 23 Prozent). Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass durch Trockenheit und Borkenkäfer-Befall bereits abgestorbene Bäume keine Berücksichtigung in der jährlichen Erhebung finden.

 

Zustand der Buche verbessert, Sorgenkind Fichte

Deutlich verbessert hat sich der Zustand der Buche, Eiche und Fichte verschlechtern sich leicht, die Kiefer stagniert. Bei der Eiche haben sich im laufenden Jahr nur sehr wenige Früchte ausgebildet. Die Fichte konnte sich trotz häufiger und ergiebiger Niederschläge in nicht erholen, sie hat 2021 kaum Zapfen gebildet. Der mittlere Nadelverlust steigt seit 2017 ohne Unterbrechung. Die Kiefer weist von den Hauptbaumarten die geringsten Anteile deutlich verlichteter Bäume auf.

Im Vergleich zu den Jahren zuvor führte die kühlere Frühjahrswitterung dazu, dass in diesem Jahr die Borkenkäferarten Buchdrucker und Kupferstecher relativ spät ihre Winterquartiere verlassen haben, um in den stehenden, gesunden Fichten neue Bruten anzulegen. Dennoch konnten viele Borkenkäfer insbesondere im Boden überleben und dieses Jahr vor allem im Mai/Juni vitale Fichtenbestände befallen. Während die Bodenwasserspeicher in den oberen 1,5 Metern Bodentiefe wieder zunehmend gut gefüllt sind, steht in den tieferen Bodenschichten aufgrund der extremen Witterungssituationen der Vorjahre für die Grundwasserneubildung jedoch weiterhin zu wenig Wasser zur Verfügung.

 

Aufbau klimastabiler Mischwälder

"Der Schutz unseres Waldes ist überlebenswichtig. Sein Wiederaufbau und seine Anpassung an die Folgen des Klimawandels sind zentrale Zukunftsaufgaben", sagte Heinen-Esser. "Damit der Wald seine vielfältigen Leistungen dauerhaft erfüllen kann, muss er vital und widerstandsfähig sein. Die Umsetzung unserer waldbaulichen Konzepte ist eine Antwort auf den Klimawandel." Ziel seien klimastabilere Mischwälder mit mehreren verschiedenen Baumarten. Die Landesregierung unterstützt den privaten und kommunalen Waldbesitz bei der Bewältigung der Waldschäden und der Wiederbewaldung durch fachliche Beratung und umfangreiche finanzielle Hilfen. Im Rahmen der Förderrichtlinie Extremwetterfolgen wurden in diesem Jahr 66,6 Millionen Euro bereitgestellt, insgesamt wurden im Jahr 2021 (Stand 10. Dezember 2021) bisher 4596 Förderanträge eingereicht, davon wurden bereits 4014 bewilligt.

Das weiterentwickelte Waldbaukonzept, das Wiederbewaldungskonzept und die neue Version des Internetportals Waldinfo.NRW bieten zusätzliche fachliche Hilfestellungen. Das aktualisierte Waldbaukonzept geht auf die Auswirkungen von Klimawandelszenarien ein und berücksichtigt besonders den Aspekt der Risikovorsorge. Das Internetportal Waldinfo.NRW enthält nun ein innovatives interaktives Instrument zur Auswahl von Mischbeständen, die zum jeweiligen Standort passen. Die neuen Instrumente für die Waldbewirtschaftung im Klimawandel sind Teil der Klimaanpassungsstrategie für den Wald in Nordrhein-Westfalen.

 

Zehn Prozent der Waldfläche durch Dürre und Käfer geschädigt

Auf etwa zehn Prozent der Waldfläche sind die Bestände - nachhaltig durch Dürre, Borkenkäfer und Stürme geschädigt - vollständig zusammengebrochen. Hierbei sind fast ausschließlich Fichtenbestände betroffen. Nach aktuellen Erhebungen sind circa 8,8 Millionen Festmeter Schadholz (seit 2018 insgesamt circa 40 Millionen Festmeter) angefallen. Die gesamte Schadfläche seit 2018 komplett ausgefallener Fichtenbestände umfasst circa 113.000 Hektar. Es wird abgeschätzt, dass davon die Wiederbewaldungsfläche aktuell circa 90.000 Hektar ausmacht (circa 10 Prozent der Waldfläche in Nordrhein-Westfalen), da sich auf der restlichen Fläche natürliche Waldverjüngung eingestellt hat. Zum Vergleich: Der Orkan Kyrill im Jahr 2007 verursachte in Nordrhein-Westfalen circa 16 Millionen Festmeter Schadholz und eine Schadfläche von 50.000 Hektar.  

 

Ökosystemleistungen müssen honoriert werden

Zur Honorierung der Ökosystemleistungen des Waldes hat Nordrhein-Westfalen wiederholt die Einführung einer Baumprämie oder Bundeswaldprämie gefordert. "Wir brauchen eine klimastabile Wiederbewaldung und eine Prämie, die die Ökosystemleistungen des Waldes dauerhaft honoriert. Dies ist eine Zukunftsaufgabe, der sich die neue Bundesregierung vordringlich annehmen muss", fordert Ministerin Heinen-Esser. Die bisher vorliegenden Eckpunkte seien zu wenig. Die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer aller Besitzarten müssten zeitnah durch ein derartiges, bundesweit einheitliches Prämienmodell in die Lage versetzt werden, ihre Wälder nachhaltig zu bewirtschaften und dauerhaft klimastabil zu entwickeln.

Über die Wiederbewaldung und den Umbau der Wälder hin zu klimastabileren Mischwäldern braucht insbesondere der private Waldbesitz eine betriebliche Perspektive. Wie sollen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer ihren Betrieb aufstellen, um auch in Zukunft Einkommen generieren zu können? Das Umweltministerium hat in Kooperation zwischen der Universität Göttingen und Wald und Holz NRW und mit Beteiligung von Praktiken das Projekt "Zukunftsperspektiven des Privatwaldes NRW" initiiert, in dem Projekt auf betriebswirtschaftlicher Basis konkrete Handlungsmöglichkeiten entwickelt und bewertet werden.

 

Hintergrund zum Waldzustandsbericht

Die Vitalität der Waldbäume wird jährlich nach einer bundesweit einheitlichen Methode erfasst. Hierzu wird für Nordrhein-Westfalen der Zustand der Baumkronen von etwa 10.000 Bäumen von forstlichen Fachleuten beurteilt und auch weitere Faktoren werden berücksichtigt. Der Waldzustand verschlechterte sich seit Beginn der Erhebung im Jahr 1984. In den jährlichen Waldzustandsbericht fließen auch ergänzende Fachinformationen ein, die nicht durch die Methode im engeren Sinne abgebildet sind (zum Beispiel in diesem Jahr Aussagen zu Schadholzmengen).

 

Waldzustandsbericht 2021

Ansprechperson

Wald und Holz NRW
Kay Genau
Herbreme 2
59821  Arnsberg

Tel.: +49 2931 7866 130
Mobil: +49 171 5871951
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Der schlechteste Waldzustand seit Einführung der Waldzustandserhebung 1984

Der Zustand der Wälder in Nordrhein-Westfalen hat sich 2020 weiter verschlechtert. Zwar ist der Anteil der Bäume ohne Schäden von 19 Prozent im Jahr 2019 auf jetzt 23 Prozent gestiegen. Gleichzeitig hat aber auch der Anteil der Bäume mit deutlicher Kronenverlichtung von 42 auf 44 Prozent zugenommen - das ist der höchste Wert seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1984. Diese Zunahme der schweren Kronenschäden ist ein deutliches Indiz für den besorgniserregenden Zustand des Waldes. Der mittlere Nadel-/Blattverlust über alle Baumarten zeigt 2020 nach starken Steigerungswerten in den beiden Vorjahren eine leichte Zunahme auf 29 Prozent (28 Prozent im Vorjahr). Großflächige Schäden sind vor allem bei der Fichte zu beobachten, die aufgrund ihres flachen Wurzelsystems seit drei Jahren unter permanentem Trockenstress steht.

„Wir müssen feststellen, dass der Klimawandel schneller ist, als stabile Mischwälder entstehen. Und daher müssen wir gegensteuern. Nadelholz-Monokulturen haben keine Zukunft. Natur ist bunt und vielfältig. So müssen auch unsere Wälder sein. Wir fordern und fördern daher die Entwicklung von vielfältigen und klimastabilen Mischwäldern. Diese sind wichtig für die Artenvielfalt und tragen gleichzeitig zu einer Risikominimierung für die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer bei“, so Ursula Heinen-Esser, Umweltministerin des Landes Nordrhein-Westfalen bei der Vorstellung des Waldzustandsberichtes.

Mischwälder aus mindestens vier Baumarten sollen künftig auf den Schadflächen wachsen, die Stürme, Dürre und Borkenkäfer seit 2018 verursacht haben. Heimische Baumarten sollen dabei den Kern der künftigen Waldgeneration bilden. So sieht es das neue Wiederbewaldungskonzept des Umweltministeriums Nordrhein-Westfalen vor. Wie wichtig der Umbau zu vielfältigen und klimastabilen Wäldern ist, zeigen die Ergebnisse der diesjährigen Waldzustandserhebung.

Waldzustandserhebung 2020: Hintergrund und Ergebnisse

Der Zustand der Baumkronen gibt die Vitalität der Waldbäume wieder. Nach einem bundesweit einheitlichen Verfahren wird vor allem der Verlust von Blättern und Nadeln beurteilt. „Für die Erhebung des Waldzustandes haben wir über die gesamte Waldfläche Nordrhein-Westfalens ein systematisches Netz mit Stichprobenpunkten im Raster von 4 x 4 Kilometern gelegt. Insgesamt wird an diesen Punkten jedes Jahr der Kronenzustand von über 10.000 Waldbäumen ermittelt“, erläutert Dr. Bertram Leder, Leiter des Zentrums Wald und Holzwirtschaft im Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen.

In Nordrhein-Westfalen wird die Waldzustandserhebung federführend durch den Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen durchgeführt. Beim forstlichen Umweltmonitoring mit eingebunden sind das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW und der Geologische Dienst NRW.
 

  • Fichte: Bei der Fichte zeigt die Kronenverlichtung im Jahr 2020 den schlechtesten Wert seit Einführung der Waldzustandserhebung. Der mittlere Nadel-/Blattverlust steigt von 29,1 Prozent auf 32,6 Prozent. Die Fichte verfügt nur über ein flaches Wurzelsystem und steht seit drei Jahren unter permanentem Trockenstress. Ohne ausreichende Wasserversorgung hat sie keine Möglichkeit, sich dem Borkenkäfer durch verstärkte Harzbildung zu widersetzen. Während bislang vor allem Fichtenwälder im Flachland betroffen waren, traten 2020 auch verstärkte Schäden im Bergland auf. Nach einer aktuellen Erhebung des Landesbetriebes Wald und Holz Nordrhein-Westfalen liegt der Schadholzanfall bei der Fichte seit 2018 bei rund 31,5 Millionen Kubikmetern (Stand: November 2020).
     

  • Buche: Auch der Zustand der Buche hat sich im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert, ihr mittlerer Blattverlust stieg von 28,1 Prozent auf 30,9 Prozent. Die ausgeprägte Fruktifikation in diesem Jahr führt zu zusätzlichem Stress und trägt damit zur Verlichtung bei. Infolge der Trockenheit kommt es vor allem in Altbeständen, zunehmend aber auch in mittelalten Beständen zum Absterben von Bäumen. Nach einer aktuellen Erhebung des Landesbetriebes Wald und Holz Nordrhein-Westfalen liegt der Schadholzanfall bei der Buche seit 2018 bei rund 850.000 Kubikmetern (Stand: November 2020).
     

  • Eiche: Die Eiche konnte sich in diesem Jahr leicht erholen. Der mittlere Blattverlust ging von 32,6 Prozent auf 29,0 Prozent zurück. Mit ihrem tief reichenden Wurzelsystem erschließt sie sich in tieferen Bodenschichten gespeichertes Wasser. Dadurch kann sie den Belastungen durch Dürre und Hitze besser begegnen als andere Baumarten. Die Fruchtbildung der Eiche war stark ausgeprägt, teilweise haben die Bäume die Eicheln aber in Folge von Wasserstress vorzeitig abgeworfen.
     

  • Kiefer: Ihr mittlerer Nadel-/Blattverlust sank zwar leicht von 24,4 Prozent auf 23,7 Prozent, gleichzeitig zeigte sich in der Klasse der deutlich verlichteten Bäumen der höchste Wert seit Beginn der Waldzustandserhebung (34 Prozent). Die Kiefer gilt als verhältnismäßig unempfindlich gegen Trockenheit. Die mittlerweile seit drei Jahren anhaltende Dürre bringt aber auch die Kiefer auf einigen Standorten an ihre Grenzen und führt zu erhöhtem Nadel-/Blattverlust und punktuell zu absterbenden Bäumen.

Waldzustandsbericht 2019: Nur jeder fünfte Baum ohne Schäden

Umweltministerin Heinen-Esser: „Uns muss dringend eine Trendumkehr gelingen. Die Waldzukunft ist eine Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern.“

Der Waldzustand in Nordrhein-Westfalen hat sich weiter verschlechtert. Nur etwa jeder fünfte Baum in Nordrhein-Westfalen weist keine Schäden auf (19 Prozent, 22 Prozent in 2018). Zu diesem Ergebnis kommt der Waldzustandsbericht 2019. Bei der aktuellen Erhebung wurde bei 42 Prozent der Bäume eine deutliche Kronenverlichtung festgestellt (39 Prozent in 2018), schwache Schäden blieben mit 39 Prozent konstant. „Die Zahlen sind alarmierend. Unser Wald ist krank, er braucht unsere Hilfe im Klimawandel – er braucht Zukunft“, sagte Umweltministerin Ursula Heinen-Esser bei der Vorstellung des Berichts heute in Düsseldorf.

Die Waldwirtschaft leiste derzeit in der Schadensbewältigung Enormes. Neben den Ad-Hoc-Maßnahmen für die Schadensbewältigung habe die Wiederbewaldung höchste Priorität. „Nach der Abwärtsspirale der zurückliegenden Jahre muss uns dringend eine Trendumkehr gelingen. Nach den Maßnahmen in Folge des Waldsterbens durch Sauren Regen und vergangener Sturmereignisse benötigen wir nun erneut einen gemeinsamen politisch-gesellschaftlichen Kraftakt, um die aktuelle Waldkrise zu überwinden.“

Lediglich bei der Buche keine weitere Verschlechterung

Der aktuelle Waldzustandsbericht belegt, was vielerorts bereits auch für Laien sichtbar war: Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer haben dem Wald massiv zugesetzt. Bei den Hauptbaumarten hat sich lediglich der Zustand der Buche im Vergleich zum Vorjahr nicht weiter verschlechtert. „Die klimatischen und biologischen Beeinträchtigungen führten zu starken Schäden an vorgeschwächten Waldbäumen. Mehrfachbelastungen haben sich gegenseitig verstärkt“, erläuterte Dr. Bertram Leder, Leiter des Zentrums Wald und Holzwirtschaft im Landesbetrieb Wald und Holz NRW. Zu bedenken sei, dass die Borkenkäfer-Schäden voraussichtlich ihren Höhepunkt noch nicht erreicht haben und die Waldböden weiterhin in den tieferen Bodenschichten Feuchtigkeitsdefizite aufweisen.

Klarer Marschplan mit Waldbaukonzept

„Alle Beteiligten auf allen Ebenen müssen sich jetzt mit ganzer Kraft für eine schnelle Überwindung der Schäden und die Entwicklung klimastabiler Mischwälder einsetzen“, sagte Heinen-Esser. Mit dem Waldbaukonzept hat das Land hierzu einen klaren Marschplan erarbeitet. Empfohlen wird je nach Standort eine Kombination von Naturverjüngung und gezielter Pflanzung. Das Internetportal Waldinfo.NRW liefert hierzu wertvolle Grundlagen. Von bislang beantragten Ad-Hoc-Hilfen in Höhe von rund 8,6 Millionen Euro wurden bereits über 7,5 Millionen Euro bewilligt. Für die Waldentwicklung hat das Land Mittel in Höhe von 100 Millionen Euro für die kommenden zehn Jahre zugesagt.

Gemeinschaftsaufgabe Wald

„Aber dies wird nicht reichen. Die Waldzukunft ist eine Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern. Dabei müssen wir auch über neue Instrumente nachdenken“, sagte Heinen-Esser. Noch ist offen, wie die vom Bund angekündigten Fördermittel in Höhe 547 Millionen Euro exakt verteilt werden. Darüber hinaus macht sich die Landesregierung für eine bundesweite Baumprämie stark. Finanziert werden könnte diese über die Einnahmen aus CO2-Zertifikaten. „Dort, wo CO2 gespeichert wird, wie in unseren Wäldern, müssen auch die Erlöse aus der Emission von Treibhausgasen ankommen, um gerade auch im Klimawandel die wertvollen Leistungen des Waldes für die Zukunft zu sichern“, so die Ministerin.

Als weiteres regionales Instrument zur Honorierung der Klimaschutz- und Ökosystemleistungen des Waldes schlägt Heinen-Esser die Einrichtung eines "NRW-Waldfonds" vor: „Damit könnten wir ein regionales Angebot zur CO2-Kompensation schaffen, mit dem öffentliche Mittel und freiwillige Kompensationsbeiträge von Unternehmen und Privatpersonen zu Gunsten des Waldes gebündelt werden könnten.“ Das Ministerium prüft derzeit die rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen.

Waldzustandserhebung 2019: Hintergrund und Ergebnisse

Der Zustand der Baumkronen gibt die Vitalität der Waldbäume wieder. Nach dem bundesweit einheitlichen Verfahren der Waldzustandserhebung wird vor allem der Verlust von Blättern und Nadeln beurteilt. Im Rahmen der jährlichen Erhebungen zum Waldzustand in Nordrhein-Westfalen werden bei Stichprobenpunkten im Raster von 4 x 4 Kilometern über 10.000 Waldbäume erfasst. Die Waldzustandserhebung erfolgt in ganz Deutschland. In Nordrhein-Westfalen wird sie federführend durch den Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen durchgeführt. Beim forstlichen Umweltmonitoring mit eingebunden sind das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW und der Geologische Dienst NRW.

Die Ergebnisse zu den Hauptbaumarten (Außenaufnahmen im Sommer 2019):

  • Fichte (Waldanteil ca. 30 Prozent): Bereits 2018 musste der Fichte der schlechteste Kronenzustand seit Beginn der Untersuchungen attestiert werden. 2019 sind die deutlichen Kronenschäden um weitere fünf Prozentpunkte auf jetzt 42 Prozent gestiegen. Gesund sind nur noch 22 Prozent der Bäume. Nach einer aktuellen Erhebung fielen in den Jahren 2018 und 2019 allein in der Fichte über 18,7 Millionen Kubikmeter Schadholz an (Stand: November 2019).

  • Buche (Waldanteil ca. 19 Prozent): Bei der Buche hat sich der Zustand der Baumkronen im Vergleich zum Vorjahr zwar verbessert. Jedoch zeigen weiterhin 82 Prozent der Bäume eine Kronenverlichtung. Auch die Buchen hatten mit Dürre und Hitze zu kämpfen, was durch eingerollte Blätter als Verdunstungsschutz sichtbar war – Schwerpunkte lagen in Ostwestfalen und im Münsterland. Der Schadholzanfall liegt aktuell bei rund 600.000 Kubikmeter (Stand: November 2019).

  • Eiche (Waldanteil ca. 17 Prozent): Die Eichenschäden erreichen 2019 den schlechtesten Wert aller bisherigen Erhebungen. Nur zwölf Prozent der Bäume zeigen keine Kronenverlichtung. Insektenfraß, Dürre, Stürme sowie Pilzbefall führten zu einer Dauerbelastung, die den Bäumen kaum eine Chance zur Erholung lässt.

  • Kiefer (Waldanteil ca. 8 Prozent): Auch bei der Kiefer ist eine weitere Verschlechterung festzustellen. Bäume ohne Kronenverlichtung kommen nur noch mit einem Anteil von 11 Prozent vor. 30 Prozent weisen eine deutliche Kronenverlichtung auf. Neben den witterungsbedingten Beeinträchtigungen litt die Kiefer unter Pilzbefall, regional auch Käferbefall.

Waldzustandsbericht 2019

Langfassung

Kurzfassung

Ansprechperson

Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen

Christian Fronczak
Pressesprecher

Telefon: 0211.4566.294
E-Mail: christian.fronczak@mulnv.nrw.de

Historischer Hintergrund der Waldzustandserhebung

Anfang der 1980er Jahre, in der Zeit des "Waldsterbens", wurden in Deutschland großräumig auftretende Schäden an den Kronen vieler Baumarten beobachtet. Nachdem eine bundesweite Befragung von Forstämtern 1982 ein bedrohliches Ausmaß an Schäden bestätigte, wurde im Folgejahr in Nordrhein-Westfalen erstmals eine Waldzustandserhebung anhand eines Stichprobenverfahrens durchgeführt.

Wie der Name schon sagt, werden dabei von erhobenen Stichproben statistische Rückschlüsse auf einen Gesamtzustand abgeleitet. Das Verfahren wurde 1984 verfeinert, abgestimmt und von den übrigen Bundesländern übernommen. Seither wird die Erhebung mit Ausnahme des Jahres 1996 jährlich wiederholt.

Ziele der Waldzustandserhebung

Waldzustandserhebungen erfassen den jeweils aktuellen Gesundheitszustand der Wälder (in NRW). Der Zustand von standortgerechten Bäumen und Wäldern wiederum hängt wesentlich von Umwelteinflüssen wie Klima, Schadstoffeinwirkungen etc. ab.

Da der Waldzustand jedes Jahr und somit kontinuierlich erfasst wird, ist es möglich langjährige Trends für einzelne Baumarten zu erstellen - gerade in Zeiten des prognostizierten Klimawandels ein wichtiges Werkzeug um unsere Wälder nachhaltig zu sichern.

Die nordrhein-westfälischen Daten tragen mit den Zustandsdaten der anderen Bundesländer dazu bei, die Vitalität des gesamten Waldes in Deutschland zu beziffern. Zudem werden an ausgewählten Punkten Messungen durchgeführt, die von der Europäischen Union ausgewertet werden und kombiniert mit den Daten der anderen europäischen Staaten auch den Waldzustand auf europäischer Ebene dokumentieren.

Das Verfahren der Waldzustandserfassung

Grundlage ist ein regelmäßiges Raster, welches in den meisten Jahren einen Abstand von 4 x 4 km im Gelände besitzt. An den Schnittpunkten des Rasters wird durch speziell geschulte Forst-Fachleute der Kronenzustand von dauerhaft markierten Probebäumen beurteilt. Die wichtigsten Kriterien sind die Verlichtung der Baumkronen und die Vergilbung der noch vorhandenen Nadeln und Blätter sowie weitere Faktoren, die Einfluss auf das Erscheinungsbild der Baumkronen haben. Dazu zählen besonders die Fruktifikation, Insekten- und Pilzbefall, Sturm- und Wetterschäden sowie zusätzliche biotische und abiotische Schadereignisse.

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