Was passiert bei einem Unwetter im Wald
Über natürliche Schutzmechanismen und Gefahren bei Stürmen
Münster – Gewitter, Sturmböen und Starkregen treten auch in Nordrhein-Westfalen immer häufiger auf. Für Menschen eine durchaus bedrohliche Situation, besonders, wenn sie sich währenddessen in der freien Natur bewegen. Was sollten Waldbesuchende beachten, um sich selbst vor den sogenannten waldtypischen Gefahren zu schützen?
Wie man den Wald gegen Unwetter aller Art am besten aufstellen kann, damit beschäftigen sich auch die Försterinnen und Förster von Wald und Holz NRW. Denn sie kennen die natureigenen Wirkmechanismen und wissen, wie sie diese durch die Gestaltung resilienter Mischwälder am besten fördern können. Die verschiedenen Baumarten haben unterschiedliche Strategien Wind und Wetter zu begegnen. Doch bei der Antwort auf die Frage, ob sie dem nächsten Sturm standhalten, spielen noch viele weitere Faktoren eine Rolle.
Jeder Baum reagiert anders auf Sturm
Wind belastet Bäume nicht gleichmäßig. Druck, Sog und Turbulenzen wirken auf unterschiedliche Weise auf Kronen, Äste und Wurzeln.
Eine wichtige Rolle spielt dabei das Wurzelsystem. Flachwurzelnde Baumarten, wie die Fichte, sind bei Sturm deutlich anfälliger als tiefwurzelnde Arten, wie beispielsweise Stiel- und Traubeneiche. Auch die Bodenverhältnisse beeinflussen die Standfestigkeit der Bäume. Nasse Böden können den Halt der Wurzeln verringern und erhöhen damit das Risiko von Windwurf.
Laubbäume nutzen starke Herbstwinde sogar zu ihrem Vorteil: Sie werfen ihr Laub ab und reduzieren dadurch die Segelwirkung ihrer Kronen: Im unbelaubten Zustand bieten sie dem Wind weniger Angriffsfläche. Gleichzeitig sind Bäume keine starren Konstrukte, sondern hochentwickelte, flexible Organismen. Sie reduzieren langfristig die Segelwirkung aktiv durch aerodynamische Anpassung. An manchen freistehenden Bäumen lässt sich deshalb ablesen, aus welcher Richtung besonders viel starker Wind auf den Baum trifft.
Der Waldrand schützt das Waldinnere
Besonders stark gefährdet sind Bäume am Waldrand. Sie nehmen die volle Kraft des Windes auf. Ein gestufter, strukturierter Waldrand wirkt wie ein natürlicher Schutzwall gegen Sturm: Er bremst den Wind ab, verteilt die Kräfte und verhindert, dass Bäume wie Dominosteine umfallen.
Im Inneren des Waldes herrschen dagegen deutlich ruhigere Bedingungen. Die Vielzahl von Stämmen, Ästen und Kronen bremst die Luftströmungen ab. Fachleute sprechen vom sogenannten Waldinnenklima. Es zeichnet sich durch geringere Windgeschwindigkeiten, eine höhere Luftfeuchtigkeit und ausgeglichenere Temperaturen aus.
Nach einem Unwetter gilt besondere Vorsicht
Für Erholungssuchende gilt: Während und unmittelbar nach Unwettern kann es im Wald besonders gefährlich sein. Wald und Holz NRW empfiehlt daher, amtliche Unwetterwarnungen zu beachten und Wälder bei akuten Unwetterlagen sowie in den Tagen danach möglichst zu meiden.
Während und nach Unwettern kann sich das Gefahrenpotential für einen Waldbesuch deutlich erhöhen. Umgestürzte Bäume können Wege blockieren und müssen manchmal erst aufwendig freigeschnitten werden. Zudem können auch noch Tage nach einem Sturm beschädigte Bäume plötzlich umstürzen oder lose Äste aus vielen Metern Höhe herabfallen.
„Auch wenn der Wind bereits nachgelassen hat, können im Wald weiterhin erhebliche Gefahren bestehen“, betont Hartwig Dolgner, der sich als Fachbereichsleiter Hoheit und Schutzgebiete bei Wald und Holz NRW auch mit Unwettergefahren befasst. „Wer nach einem Sturm auf einen Waldbesuch verzichten kann, schützt sich selbst und erleichtert zugleich die notwendigen Aufräum- und Sicherungsarbeiten.“
Grundsätzlich erfolgt das Betreten des Waldes auf eigene Gefahr, da stets mit waldtypischen Gefahren zu rechnen ist. Dazu zählen insbesondere Risiken durch lebende und abgestorbene Bäume, herabfallende Äste oder Kronenteile sowie durch den natürlichen Bodenzustand. Wer sich vor dem Waldbesuch über die aktuelle Wetterlage informiert, auf den Wegen bleibt und den Wald mit der gebotenen Achtsamkeit besucht, trägt wesentlich zur eigenen Sicherheit bei.