NRWs Wälder befinden sich im Wandel. In regelmäßigen Abständen erfassen unsere Fachleute bei der Landeswaldinventur wichtige Zahlen und Fakten rund um die Wälder in Nordrhein-Westfalen. Wie hat sich das Absterben der Fichte infolge der Borkenkäferkalamität auf die Wälder in NRW ausgewirkt? Was sind die häufigsten Baumarten? Und wie funktioniert solch eine Waldinventur im Detail?
Ausgewählte Ergebnisse der dritten Landeswaldinventur
Nordrhein-Westfalen hat eine Gesamtfläche von 34.097,72 km2 oder 3.409.772 Hektar. Davon sind laut Landeswaldinventur 2022 ca. 27,9 Prozent oder 952.519 Hektar Waldfläche. Zum Vergleich: Der Anteil der Waldfläche im Bundesdurchschnitt liegt bei 32 Prozent. In NRW als bevölkerungsreichstes Bundesland beträgt die Waldfläche pro Einwohner ca. 524m². In den letzten 10 Jahren ist die Waldfläche in NRW stabil geblieben. 9 Prozent der Waldflächen sind Lücken und Blößen. Das sind Waldflächen, auf denen keine Bäume stehen, etwa eine Lichtung oder eine ehemalige Fichtenfläche. Im Jahr 2012 lag der Anteil noch bei 4 Prozent. Der Anstieg ist ganz überwiegend auf das flächenhafte Absterben der Fichte infolge der Borkenkäferkalamität zurückzuführen.
NRW – Privatwaldland Nr. 1
In keinem anderen Bundesland ist der Privatwaldanteil so hoch wie in Nordrhein-Westfalen. Insgesamt besitzen etwa 152.000 Bürgerinnen und Bürger Wald. Die Eigentumsgrößen variieren sehr stark und reichen von weniger als einem Hektar bis zu mehreren tausend Hektar.
- Privatwaldanteil: 63 Prozent (598.957 Hektar) der Gesamtwaldfläche. Rund 152.000 privaten Waldbesitzenden gehört diese Fläche.
- 38 Prozent des Privatwaldes sind Klein- und Kleinstprivatwald bis 20 Hektar Flächengröße.
- Gemeinde- und Körperschaftswald: ca. 21 Prozent (198.354 Hektar)
- Staatswald des Landes Nordrhein-Westfalen: ca. 13 Prozent (127.642 Hektar)
- Bundeswald: ca. 3 Prozent (27.566 Hektar)
Baumartenverteilung
Bei der letzten Landeswaldinventur 2012 war die Fichte in den Wäldern Nordrhein-Westfalens vorherrschend und nahm 30 Prozent der Waldfläche ein. Der Rückgang der Fichte im vergangenen Jahrzehnt um mehr als ein Drittel ist vor allem auf Dürre und Borkenkäfer seit 2018 zurückzuführen. Heute ist die Buche vor der Fichte und der Eiche die häufigste Baumart in unseren Wäldern. Insgesamt gibt es mehr Laubbäume als Nadelbäume in Nordrhein-Westfalen. Die Wälder in NRW bestehen zu 60 Prozent aus Laubbäumen, zu 31 Prozent aus Nadelbäumen und zu 9 Prozent aus derzeit unbestockten Lücken und Blößen. Der Nadelbaumanteil ist seit der letzten Inventur (2012) von 41 Prozent auf 31 Prozent gesunken. Der Laubbaumanteil ist dagegen von 55 Prozent auf 60 Prozent gestiegen.
- Buche: 19 Prozent
- Fichte: 18 Prozent
- Eiche: 17 Prozent
- Kiefer: 7 Prozent
- andere Laubbäume: 24 Prozent
- andere Nadelbäume: 6 Prozent
Wie werden die Zahlen ermittelt?
Die Landeswaldinventur, kurz LWI, wird alle zehn Jahre durchgeführt. Ziel dieser Inventur im Wald ist es, ähnlich einer Inventur in einem Supermarkt, alle vorhandenen Bestände, in diesem Fall Waldbestände, zu erfassen. Die aktuelle Inventur mit Ergebnissen von 2022 ist seit Beginn dieser Aufzeichnungen die dritte, landesweite Inventur des Waldes. Deswegen wird sie auch LWI 3 genannt. Aus der Erfassung des Bestandes und der Entwicklung können Expertinnen und Experten wichtige Rückschlüsse zur nachhaltigen Nutzung und zum Schutz des Waldes ziehen. Dies ist besonders wichtig, da diese Erkenntnisse Grundlage für umweltpolitische Entscheidungen sind. Außerdem dienen die Ergebnisse zur Kontrolle und weiteren Optimierung der Waldbewirtschaftung. Das ist vor allem wichtig für die Försterinnen und Förster, Waldbesitzende, Naturschützerinnen und Naturschützer, Betriebe, die Holz ver- und bearbeiten und für all die Menschen, die gerne im Wald sind, um sich zu erholen.
Die Bundeswaldinventur untersucht die Waldflächen in ganz Deutschland etwas grobmaschiger als die Landeswaldinventur. Die Ergebnisse für NRW sind aber gleich.