Nach dem Waldbrand: Forstleute weiter im Einsatz
Gefahren beseitigen, Holz sichern, Wald entwickeln
Hürtgenwald – Nach den verheerenden Waldbränden im Sommer im Hürtgenwald, gehen die forstlichen Arbeiten auf den Brandflächen weiter: Gefahren müssen beseitigt, verbrannte Bäume aufgearbeitet und die Folgen des Feuers untersucht werden. Gleichzeitig richtet sich der Blick bereits nach vorn: Auf den Flächen soll langfristig wieder ein vielfältiger und stabiler Wald entstehen.
Von Waldbränden waren in NRW vor allem das Sauerland und die Eifel betroffen: Im Sauerland brannte es mehrfach, darunter ein Waldbrand in Sundern auf sieben Hektar. Den größten Waldbrand der letzten Jahrzehnte gab es jedoch im Hürtgenwald in der Eifel. Hier brannten mehr als 300 Hektar Wald, rund 500 Fußballfelder. „Das Feuer letzten Sommer hat eine unheimliche Wucht entwickelt und ist in unterschiedlichste Waldbestände eingedrungen, selbst in einen sehr naturnahen Laubmischwald“, sagt Jan-Valentin Wiesmeyer, Leiter Regionalforstamt Rureifel-Jülicher Börde. „Ein Anblick, der nur schwer zu ertragen ist“, so Wiesmeyer.
Sicherheit hat oberste Priorität
Nach Ende der Löscharbeiten blieb das Waldgebiet aus Sicherheitsgründen zunächst für die Öffentlichkeit gesperrt. Denn selbst Bäume, die auf den ersten Blick intakt wirkten, konnten plötzlich umstürzen.
„Wir haben erlebt, wie stehende Bäume mit noch grüner Krone sehr plötzlich einfach umfielen. Ein kurzes Zischen und Knacken, und schon krachte einer der höheren Bäume um“, berichtet Maximilian Halbe, Förster im Regionalforstamt Rureifel-Jülicher Börde.
Bei zahlreichen Bäumen war das Wurzelwerk durch das Feuer zerstört worden. Gleichzeitig war der Großteil der oberen Bodenschicht verbrannt, sodass die Bäume keinen ausreichenden Halt mehr hatten. Försterinnen und Förster sowie Forstwirtinnen und Forstwirte begannen deshalb unmittelbar mit der Aufarbeitung der akut umsturzgefährdeten Bäume. Mithilfe von Harvestern konnten diese aus sicherer Entfernung kontrolliert gefällt werden.
Das Holz der abgestorbenen Bäume kann zum Teil noch genutzt werden. „Wenn dann aus den Bäumen langlebige Holzprodukte entstehen, wird der darin gebundene Kohlenstoff über lange Zeit gespeichert“, erklärt Forstamtsleiter Jan-Valentin Wiesmeyer. Das zahlt nicht nur auf den Klimaschutz ein, „die daraus erzielten Erträge fließen direkt in den Wiederaufbau der zerstörten Wälder,“ so Wiesmeyer. Dabei richtet sich sein Blick weit in die Zukunft. Denn bis hier ein strukturreicher Mischwald etabliert ist, wird wohl eine neue Generation Förster den Wald pflegen. Für die Wiederbewaldung der Waldbrandflächen stellen das Wiederbewaldungskonzept NRW und die digitalen Standortkarten im Internetportal Waldinfo.NRW, bei denen auch die Auswirkungen von Klimawandelszenarien abgebildet sind, die fachliche Grundlage und eine wertvolle Hilfestellung für die Planung vor Ort dar.
Zwischen verbranntem Holz und jungem Grün
Inzwischen konnten erste befestigte Forstwege und ein Teil der Waldflächen auch für Besuchende wieder freigegeben werden. Wichtig: Das Betreten des Waldes zum Zwecke der Erholung erfolgt auf eigene Gefahr (vgl. § 2 LFoG). Eine aktuelle Karte zeigt die freigegebenen Wege (gelb) und die weiterhin gesperrten Waldbrandflächen (rot). Es ist unbedingt notwendig sich streng daran zu halten, auf den Wegen zu bleiben und die weiterhin gesperrten Bereiche nicht zu betreten.
Auch wer auf den freigegebenen Wegen bleibt, kann sich einen Eindruck davon verschaffen, wie schnell sich die Natur hier weiterentwickelt. Auch die Försterinnen und Förster vor Ort staunten zunächst über farbenfrohe Pilze, die innerhalb weniger Tage sichtbar wurden. Inzwischen sprießen neben schnell wachsenden Farnen und Gräsern auch erste junge Bäume. An einigen Stellen keimen unzählige Baumsamen. Deshalb bildet sich zwischen verkohltem Holz teilweise ein grüner „Teppich“ vor allem aus ganz kleinen Birkenkeimlingen. Auch einige der oberirdisch verbrannten jungen Birken, die schon vorher da waren, treiben von unter her wieder aus.
Teile der Brandflächen werden zum Forschungsfeld
Parallel zur Gefahrenabwehr beginnen nun wissenschaftliche Untersuchungen. Forschende der Georg-August-Universität Göttingen und der RWTH Aachen planen die sogenannten „Postfeuerdynamiken“ im Hürtgenwald zu untersuchen. Prof. Dr. Elisabeth Dietze vom Geografischen Institut der Georg-August-Universität Göttingen legt ihren Forschungsschwerpunkt auf die Entwicklung der Nähr- und Schadstoffdynamiken in den betroffenen Waldböden. „Die Fläche im Hürtgenwald ist hochgradig spannend, weil der Wald hier vor dem Brand schon sehr divers war. Das ist auch jetzt noch gut erkennbar“, erklärt sie.
Experten vom Zentrum für Wald und Holzwirtschaft (ZWH), der Einrichtung für Forschung und Wissenstransfer von Wald und Holz NRW, untersuchen im Rahmen des Forschungsprojektes ReForm-regioWald gemeinsam mit der Fachhochschule Südwestfalen, eine 2025 verbrannte Waldfläche am Möhnesee im Regionalforstamt Arnsberger Wald. Schon heute ist klar: Ein Waldbrand verändert den Waldboden und damit die Nährstoffdynamik, die Konkurrenzverhältnisse zwischen Pflanzenarten und langfristig die Entwicklung des gesamten Ökosystems.
Die Waldbrandfläche im Hürtgenwald bietet sehr gute Voraussetzungen, um an ausgewählten Stellen die Entwicklung neuer Wälder nach einem Waldbrand ausführlich zu untersuchen. Forschung und Wiederbewaldung schließen sich nicht aus, sondern finden vor Ort in enger Kooperation statt.