Kohlenstoffinventur im Wald startet
Neue Zahlen zur Klimaschutzleistung unserer Wälder
Münster – Im Rahmen der bundesweiten Kohlenstoffinventur (CI 2027) beginnen jetzt auch in ganz Nordrhein-Westfalen spezialisierte Teams, die Bäume im Wald sowie das dort stehende und liegende Totholz zu zählen und zu vermessen. Bis Oktober 2027 sammeln die Teams auf rund 2.300 Stichprobeflächen im Wald systematisch Daten. Die darauffolgende wissenschaftsbasierte Auswertung der Daten quantifiziert den Kohlenstoffvorrat im Wald und seine Veränderung in der oberirdischen Biomasse und im Totholz als Grundlage für das Treibhausgas-Monitoring.
„Mit der Kohlenstoffinventur schaffen wir eine verlässliche Datengrundlage, um die Entwicklung unserer Wälder fachlich fundiert bewerten zu können“, erklärt Lutz Jaschke, Team Waldplanung im Zentrum für Wald und Holzwirtschaft, der Einrichtung für Forschung und Wissenstransfer von Wald und Holz NRW. „Die Erhebungen erfolgen nach wissenschaftlich standardisierten Verfahren und sind Teil einer langfristigen Untersuchung der Waldentwicklung.“
Wo wird der Wald wie und von wem vermessen?
Über die Landkarte Nordrhein-Westfalens wird ein digitales Raster gelegt. An jedem Rasterpunkt im Wald, unabhängig von der Besitzart, liegt ein Inventurtrakt: ein Quadrat mit 150 Metern Seitenlänge. An den vier Eckpunkten des Quadrats werden kreisförmige Probekreise mit rund 2.000 Quadratmetern Fläche untersucht. Dort erfassen speziell geschulte Teams etwa 150 Merkmale, darunter Baumarten, Durchmesser, Höhen, Totholz und Geländedaten.
Gesetzliche Grundlage und Ziele der Kohlenstoffinventur im Wald
Die Kohlenstoffinventur ist ein Gemeinschaftsprojekt von Bund und Ländern und findet nach 2008 und 2017 nun zum dritten Mal statt. Sie ist wie die Bundeswaldinventur im Bundeswaldgesetz (§ 41a) verankert. Auf Bundesebene ist das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat gemeinsam mit dem Thünen-Institut für Waldökosysteme zuständig. In NRW übernimmt das Team Waldplanung des Zentrums für Wald und Holzwirtschaft die Vorbereitung, Leitung und Begleitung der CI 2027.
Ziel ist es, den im Wald gespeicherten Kohlenstoff sowie Veränderungen in lebender Biomasse und Totholz zu erfassen. Die Daten dienen dem Treibhausgas-Monitoring nach dem Kyoto-Protokoll, der EU-Wiederherstellungsverordnung sowie als Zwischeninventur der Bundeswaldinventuren 2022 und 2032. Die Ergebnisse der CI 2027 sollen 2029 veröffentlicht werden.
Exkurs: Vom Kubikmeter Holz zur Klimaschutzleistung
Aus den Vermessungsdaten berechnen Fachleute das Holzvolumen in Kubikmetern. Daraus lässt sich mit der holzartspezifischen Dichte und dem Kohlenstoffanteil die gespeicherte Menge Kohlenstoff bestimmen. Trockenes Holz besteht im Schnitt zu etwa 50 Prozent aus Kohlenstoff.
Ein Kubikmeter Fichtenholz bindet rund 210 Kilogramm Kohlenstoff, ein Kubikmeter Eichenholz etwa 330 Kilogramm. Mit einem gewachsenen Kubikmeter Fichtenholz wurde der Atmosphäre also rund 770 Kilogramm CO2 entzogen, bei der Eiche sind es etwa 1.210 Kilogramm CO2 pro Kubikmeter. Für die Bewertung dieser Zahlen spielen jedoch weitere Faktoren eine Rolle, wie etwa die Wachstumsgeschwindigkeit und Baumartenzusammensetzung. Deshalb sind langfristig einheitlich erhobene Daten wichtig, um die Entwicklung der Wälder und ihre Klimaschutzleistung zuverlässig beurteilen zu können.