Junge Wälder fit für die Zukunft machen

Rund 60 Personen in teilweise neonfarbener Kleidung stehen auf einem Waldweg und lächeln in die Kamera.

Junge Wälder fit für die Zukunft machen

Forstwirtschaft zwischen klimastabilem Zukunftswald und KI

29.10.2026

Kreuztal – Wo vor knapp 20 Jahren der Sturm „Kyrill“ vor allem Fichtenwälder weitestgehend zerstört hatte, wachsen heute junge, dichte, nur schwer begehbare Wälder mit vielen unterschiedlichen Baumarten. Um diese Waldflächen widerstandsfähig zu entwickeln, erproben Försterinnen und Förster zusammen mit Forstwirtinnen und Forstwirten von Wald und Holz NRW gemeinsam innovative Arbeitsverfahren und den Einsatz modernster Technik. Die Grundlage bilden dabei das Waldbaukonzept für Nordrhein-Westfalen und die vielfältigen digitalen Karten und Funktionen des Internetportals Waldinfo.NRW.  

Wie KI hilft den Waldboden zu schützen

Auf landeseigenen Waldflächen bei Fellinghausen (Kreuztal) haben die Försterinnen und Förster den Einsatz einer modernen, KI-gestützten digitalen Technik erprobt und am 22. Oktober 2026 vorgestellt. Ergänzend zu den bei Waldinfo.NRW verfügbaren Bodenkarten und dem digitalen Geländemodell auf der Basis von Fernerkundungsdaten wurde ein System getestet, das die Satellitendaten auswertet, um das Gelände und den Boden, auf dem der Wald wächst, genau zu analysieren und die Beschaffenheit des Geländes weitgehend sichtbar zu machen. 

Das ist vor allem in Wäldern in NRW, in denen es manchmal steil bergab oder bergauf geht, sehr wichtig. Sogar alte Fahrspuren spürt die KI auf. Dann schlägt das System vor, wie die Fahrlinien in diesem Wald optimal verlaufen können. Das Ziel ist es, ein dauerhaftes Fahrspurennetz anzulegen, wo Forstmaschinen fahren können und dürfen. Gleichzeitig wird so der größte Teil des Waldbodens geschützt – also niemals befahren. „Die moderne Technik schützt unseren wertvollen Waldboden und erleichtert die Arbeit draußen im Wald sehr. Der erste Versuch ihres Einsatzes hier im Kreuztal ist ein voller Erfolg“, sagt Matthias Vollpracht, Fachgebietsleiter Landeseigener Forstbetrieb im Regionalforstamt Kurkölnisches Sauerland bei Wald und Holz NRW.

Akkubetriebene Sägen und reine Handarbeit 

Forstwirtinnen und Forstwirte lernen heute in ihrer Ausbildung besonders viel darüber, wie sie im Wald mit ihrer Arbeit einen klimastabilen Mischwald gestalten können. 

Ganz praktisch sieht das dann oft so aus: Zuerst bahnen sie sich einen Weg in einen sehr dichten Waldbestand. Häufig werden sogenannte Pflegepfade angelegt. Der Förster oder die Försterin hat ihnen wichtige Hinweise mit auf den Weg gegeben, welcher Mischwaldtyp nach dem Waldbaukonzept hier langfristig entwickelt werden soll und welche Baumarten in welcher Mischungsform zu fördern sind. Idealerweise sind auch Markierungen an Baumgruppen oder einzelnen Bäumen für die nötige Orientierung angebracht. In so jungen Waldbeständen kommt dann teilweise eine einfache Handsäge oder eine möglichst leichte und zugleich leistungsstarke Säge zum Einsatz, die inzwischen oft akkubetrieben ist. 

Doch was einfach klingt, hat eine große Bedeutung. Denn wer eine Säge im Wald führt, trifft viele bedeutende Entscheidungen. Eine davon ist die, an welcher Stellte ein Baum gefällt werden sollte, um einem anderen mehr Platz und damit Licht und Wasser zu geben. 

Das Ziel ist dabei ganz klar, aber gar nicht so leicht zu erreichen: langfristig einen Mischwald zu entwickeln, der auch im Klimawandel ideal zu den örtlichen Boden- und Klimabedingungen passt. Bei den jungen Wäldern, die nach Schadereignissen wie dem Orkan Kyrill oder dem Zusammenwirken von Stürmen, Dürren und der Massenvermehrung von Borkenkäfern seit 2018 auf großen Freiflächen entstanden sind, bedeutet dies über einen längeren Zeitraum intensiven Pflegebedarf. Das Wiederbewaldungskonzept und das Waldbaukonzept für Nordrhein-Westfalen sowie das Internetportal Waldinfo.NRW geben hierfür wichtige Hilfestellung.

So soll ein Wald entstehen, der möglichst stabil wächst und alle Waldfunktionen langfristig erfüllen kann. Er soll das Klima positiv beeinflussen, kühlen und CO2 speichern, Wasser und Luft filtern, zahlreichen Arten einen Lebensraum bieten, den nachwachsenden Rohstoff Holz produzieren, Arbeitsplatz und nicht zuletzt auch Erholungsort sein.

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