Beinahe ausgetrocknet: Experten behalten Fische in der Heve im Blick

Ein Mann steht in einem fast vollständig ausgetrockneten Fluss. In seiner Hand hält er einen Kescher, in dem sich gerettete Fische befinden.

Beinahe ausgetrocknet

Experten behalten Fische in der Heve im Blick

20.08.2026

Möhnesee Neuhaus – Normalerweise fließt die Heve, ein Bach, der zunächst in den Hevesee und dann in die Möhnetalsperre fließt, mit reichlich Strömung. Die Fische, die sich in dem renaturierten Bach tummeln, sind an strömendes Wasser angepasst und meiden stille Gewässer wie etwa Teiche oder Tümpel. Doch aktuell ist der Bach nicht so, wie ihn Fische und Besucher normalerweise vorfinden: Die Heve, die sonst über Kies und Steinstufen ins Tal strömt, führt trotz des Regens, der Anfang der Woche eingesetzt hat, noch immer sehr wenig Wasser.

Artenvielfalt in der Heve gefährdet

Zwischen 2009 und 2014 erfolgte im Rahmen des EU-LIFE-Natur-Projekts „Bachtäler im Arnsberger Wald“ eine Renaturierung der Heve und der Großen Schmalenau im Arnsberger Wald bei Möhnesee. Das Projekt zielte darauf ab, begradigte Bachläufe zu revitalisieren und Auen wiederzuvernässen. Viele verschiedene Fischarten kehrten daraufhin in die Heve zurück. Entsprechend groß war die Befürchtung, dass diese Vielfalt durch den niedrigen Wasserstand des Baches gefährdet werden könnte. Denn zwischen den lückigen Steinriegeln im Unterlauf, durch welche die Fische hindurchschwimmen können, sammelte sich das Wasser nur noch in einzelnen, mal größeren, mal kleineren Gumpen. Am 12. August, noch vor dem glühend heißen Wochenende, trafen sich daher Experten von Wald und Holz NRW gemeinsam mit dem Ruhrverband, dem Kreis Soest und der Biostation Soest, um die Situation zu überprüfen.

„Wir beobachten mit Sorge, wie die Heve aktuell aussieht. Da wir hier ein Naturschutzgebiet haben, in dem sich viele seltene Fischarten angesiedelt haben, war es uns wichtig, mal zu schauen, wie es denen geht – und sie dann notfalls auch umzusiedeln“, erklärt Olaf Ikenmeyer, Forstamtsleiter im Regionalforstamt Arnsberger Wald. Gemeint sind Schmerlen, Quappen, Groppen und vielleicht sogar Bachforellen, die sich normalerweise in der Heve tummeln. Und tatsächlich findet Bernd Stemmer, pensionierter Fischereidezernent der Bezirksregierung, an diesem Tag in der Heve in Möhnesee-Neuhaus eine „schöne Artenvielfalt“. In seinem Kescher fing der Elektrofischer einige Gründlinge und Groppen, Schmerlen und Döbel. Nur Forellen waren nicht anzutreffen – selbst ein ganzes Stück bachaufwärts nicht.

Sauerstoffgehalt zunächst noch ausreichend

Die Gumpen, die letzten Wasseransammlungen in den Vertiefungen der Heve, geben zunächst gar nicht so ein katastrophales Bild ab wie vermutet. Stemmer: „Da im Kieslückensystem auch bei Trockenheit noch Wasser unterirdisch fließt, werden die Fische in den tiefen Gumpen mit kühlem Wasser versorgt. Hier können wir die Fische erstmal lassen.“ Nur aus den ganz kleinen, flachen Gumpen holt er die Tiere gemeinsam mit Leon König, Fischereimeister beim Ruhrverband, schon einmal heraus. Zu groß ist die Gefahr, dass diese bei steigenden Temperaturen komplett austrocknen oder der Sauerstoffgehalt zu niedrig wird.

Damit die Experten eine Verschlechterung der Situation nicht verpassen, überprüfte Lars Brackwehr, ebenfalls Fischereimeister beim Ruhrverband, vorsorglich den Sauerstoffgehalt in den Gumpen. In den meisten konnte er vergangene Woche noch rund 6,4 Milligramm je Liter messen – ein Wert, der noch recht nah an einem typischen Wert von 7 bis 8 Milligramm liegt. „Ab 3 Milligramm würde es für sensible Arten wie die Koppe oder die Forelle kritisch“, so Brackwehr.

Wie sich die Situation über das Wochenende entwickelte, überprüfte dann Michael Rehkemper vom Kreis Soest immer wieder. Ergebnis: Tatsächlich sank der Sauerstoffgehalt während des heißen Augustwochenendes (15./16.08.26) dramatisch ab, während die Temperatur in den Gumpen kontinuierlich auf über 16 °C stieg. Erst der einsetzende Regen am Montag brachte Erleichterung. Rehkemper: „Die Situation dürfte für die Fische grenzwertig gewesen sein.“ Markus Kühlmann vom Ruhrverband erläutert: „Wassertemperaturen zwischen 18 °C und 20 °C sind für Fischarten wie Koppen und Bachforellen bereits kritisch. So hohe Temperaturen können für diese Arten letal werden.“ Vor einer erneuten Fischrettung bewahrte also nur der Regen, der am Montag den Pegel um rund einen Zentimeter ansteigen ließ. Bei anhaltendem Regen sollte sich, so die Erwartung des Experten, die Lage weiter entspannen.

Solche Trockenperioden könnten infolge des Klimawandels zukünftig voraussichtlich häufiger und länger auftreten. Nicht nur den Wald, sondern auch die Resilienz der Gewässer gegenüber solchen Extremereignissen zu stärken, wird daher immer wichtiger.