Ausbildung: Zusammen anpacken für den Wald von morgen

Nele Marie Klar steht mit einem Headset an einem Schreibtisch. Vor ihr sind zwei Bildschirme zu sehen.

Ausbildung: Zusammen anpacken für den Wald von morgen

Interview mit einer angehenden Forstwirtin

04.09.2025

Münster – Nele Marie Klar absolvierte bereits ihre Ausbildung zur Bürokauffrau bei Wald und Holz NRW. Doch dann wagte die leidenschaftliche Jägerin noch einmal etwas Neues und begann eine zweite Ausbildung – erneut bei Wald und Holz NRW. Diesmal allerdings folgte sie dem Ruf des Waldes: Seit einem Jahr erlernt sie im Regionalforstamt Kurkölnisches Sauerland den Beruf der Forstwirtin. Im Interview erzählt sie, was sie dazu bewegte – und warum ihr auch bei kaltem Wetter der Einsatz im Wald Spaß macht.

Du hast einen ungewöhnlichen Berufswechsel hinter dir. Nach einer Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement hast du im vergangenen Jahr die Ausbildung zur Forstwirtin begonnen. Was war der Beweggrund nach deiner ersten Ausbildung zu sagen: „Ich starte nochmal neu und mache eine Ausbildung zur Forstwirtin“?

Nele Marie Klar: Durch die Jagd – ich habe selbst einen Jagdschein – bin ich bereits viel in Kontakt mit Menschen gekommen, die in ihrem Beruf viel draußen im Wald sind. Außerdem war ich immer neidisch auf die Förster, wenn sie von draußen wieder rein ins Büro gekommen sind. Da war schon der Gedanke da, dass ich in meinem Job auch mehr im Wald sein möchte.

Nach einem Jahr in der Ausbildung: Was denkst du heute über deine Entscheidung?

Nele Marie Klar: Ich würde mich immer wieder so entscheiden und bin froh, diesen Schritt gewagt zu haben!

Hast du dir den neuen Job so vorgestellt? Und was ist vielleicht doch anders?

Nele Marie Klar: Ich wusste schon vor dem Wechsel, dass meine Hauptaufgabe erst einmal die Pflege der jungen und frisch gepflanzten Bäume (Jungbestandspflege) sein würde, und genauso ist es auch. Mir war von vornherein bewusst, dass ich nicht so viel in der Holzernte zu tun haben würde, da auf den großen Kalamitätsflächen kaum noch Bäume stehen, die gefällt werden müssen.

Was hat dir an deinem alten Job Spaß gemacht, was du heute vielleicht vermisst?

Nele Marie Klar: Mit der Gleitzeit, die ich im Büro hatte, war ich was die Arbeitszeiten angeht schon flexibler. Heute arbeite ich immer von 7 bis 16 Uhr. Im Büro haben mir vor allem Aufgaben Spaß gemacht, bei denen ich Kontakt zu den Försterinnen und Förstern oder Waldbesitzenden hatte, zum Beispiel wenn ich Angebote reingeholt und verglichen habe oder bei der Stellung von Förderanträgen unterstützen konnte. Generell fand ich es immer gut, die Menschen „hinter der Kulisse“ kennenzulernen.

Und was begeistert dich an deinem neuen Arbeitsplatz besonders?

Nele Marie Klar: Die Holzernte macht schon am meisten Spaß. Das habe ich vorher auch noch nie so gemacht. Zwar war ich es gewohnt, Brennholz vorzubereiten. Aber beim ersten Mal, als ich eine Fichte gefällt habe, hatte ich schon Respekt davor. Aber man wird vorher sehr gut vorbereitet, sodass man genau weiß, was zu tun ist. Angst hatte ich daher nicht. Dennoch ist man sich bewusst, dass es bei der Arbeit mit der Motorsäge auch schonmal gefährlich werden kann.

Wie war der Wechsel vom Büro in den Wald, besonders in den ersten Wochen?

Nele Marie Klar: Am Anfang habe ich gemerkt, dass ich noch etwas Kondition aufbauen muss. Das ging dann aber ganz schnell, da man bei meiner Arbeit körperlich immer aktiv ist. Heute brauch ich nach der Arbeit keinen Sport mehr zu machen!

Als Forstwirtin zu arbeiten ist also ein körperlich anstrengender Job. Hattest du vor deinem Start manchmal Angst davor?

Nele Marie Klar: Ein paar Bedenken hatte ich schon. Ich habe dann aber schnell gemerkt, dass man immer Hilfe bekommt, wenn einem zum Beispiel etwas zu schwer ist. Das ist bei den männlichen Kollegen aber nicht anders. Jeder akzeptiert seine Grenzen und bittet dann um Hilfe. Uns allen ist bewusst, dass man mehr schafft, wenn man zusammen anpackt. Dennoch habe ich natürlich den Ehrgeiz mich den Vorurteilen, die es nach wie vor gegenüber der körperlichen Leistungsfähigkeit von Frauen gibt, entgegen zu stellen.

Hat die harte körperliche Arbeit für dich etwas verändert?

Nele Marie Klar: Ich habe das Gefühl, ich bin hungriger als früher. Der Körper braucht die Kalorien einfach. Die werden dann aber auch direkt wieder umgesetzt. Inzwischen habe ich auch viel mehr Ausdauer und mehr Kraft in den Armen.

Wie war der erste Winter im Außeneinsatz für dich? Und sind dir kalte Tage lieber als heiße?

Nele Marie Klar: Die Kälte war für mich überhaupt nicht schlimm. Unangenehm ist es, wenn dann noch Regen dazu kommt. Mit der richtigen Kleidung geht aber auch das. Man arbeitet sich warm.

Kalte Tage sind mir sowieso lieber als heiße! Denn bei Kälte kann ich mich einfach warm anziehen. Mich gegen Hitze zu schützen, ist nicht so einfach.

Welche Fähigkeiten sollte man für den Beruf mitbringen?

Nele Marie Klar: Handwerkliches Geschick und eine gewisse Kondition sind schon wichtig. Und man muss dafür gemacht sein, immer draußen zu sein.

Welche Inhalte, die du in deiner neuen Ausbildung lernst, beeindrucken dich am meisten?

Nele Marie Klar: Die Fälltechniken, die ich für die Holzernte gelernt habe! Also zu wissen, wie ich schneiden muss, damit ich nicht erschlagen werde.

Was liebst du am meisten an deinem neuen Job?

Nele Marie Klar: Die Sonnenaufgänge im Wald, die frische Luft und das Teamgefühl! Wir sind immer mindestens zu dritt im Wald unterwegs. Das ist wirklich schön.

Ein kurzer Blick in die Zukunft: Auf was freust du dich am meisten, was dich in deiner Ausbildung noch erwartet?

Nele Marie Klar: Mein Blick geht aktuell vor allem in Richtung Zwischenprüfung im nächsten Jahr. Ich will einfach zeigen, was ich kann!

Über die Ausbildung zur Forstwirtin/zum Forstwirt

Wie Nele Marie Klar sind in NRW viele Forstwirtinnen und Forstwirte im Wald im Einsatz, um die Försterinnen und Förster bei der Gestaltung der Wälder tatkräftig zu unterstützen. Wie wichtig diese Arbeit ist, zeigt ein Blick auf unsere Wälder: Da in den letzten Jahren aufgrund der Borkenkäfermassenvermehrung viele Fichten abgestorben sind, ist es aktuell besonders wichtig, einen artenreichen Mischwald zu entwickeln. Denn auch wenn es zu den Hauptaufgaben der Forstwirtinnen und Forstwirte gehört, Holz zu ernten und für den Verkauf vorzubereiten, erschöpft sich ihr Aufgabengebiet längst nicht darin. Ganz im Gegenteil, ihre Aufgaben sind vielfältig und abwechslungsreich: Sie pflanzen Bäume und pflegen diese, bauen und reparieren Erholungseinrichtungen und Hochsitze und bauen Biotope auf und pflegen diese. Damit setzen sie wichtige Impulse für die Waldentwicklung.

Mehr über den Beruf der Forstwirtin bzw. des Forstwirts erfahren   

Der Bewerbungsschluss für das nächste Ausbildungsjahr, das am 1. August 2026 beginnt, ist der 15.10.2025: wald.nrw/karriere