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Buchen-Voranbauten verlieren Fichtenschirm

Tipps zum weiteren Vorgehen

Neben dem angefallenen Sturmholz, müssen sich viele Waldbesitzende und Forstleute Gedanken um die jungen Buchen machen, die in den letzten Jahren als „Voranbau“ unter die Fichte gepflanzt wurden. Denn jungen Bäume sind nicht nur unter den Fichten begraben sondern stehen nach der Sturmholzaufarbeitung plötzlich auf freier Fläche. Das mag die Buche nicht.

In Zeiten des Klimawandels steigt das Risiko für flächige Ausfälle der Fichte auf ungeeigneten Standorten. Auf zu nassen Standorten droht Gefahr durch Sturm und auf zu trockenen Standorten durch Wassermangel und Borkenkäferkalamitäten.

Die Buchen-Voranbauten der vergangenen zwei Jahrzehnte haben daher das Ziel, Fichtenreinbestände langfristig zu stabilen Mischbeständen zu entwickeln. Gleichzeitig sollen aus gleichaltrigen Waldbeständen, ungleichaltrige, strukturreichere Wälder werden.  Diese sind nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch nicht standortgerechten Reinbeständen überlegen.

Das eigentliche Vorgehen sieht eine vorsichtige Auflichtung der Fichtenreinbestände vor. Die jungen Buchen „gewöhnen“ sich so an die neuen Lichtverhältnisse. Orkane wie Friederike können diese Pläne jedoch zu Nichte machen. Die Altfichten liegen am Boden und damit fehlt der für die jungen Buchen eigentlich wichtige Schirm. Die direkte Besonnung kann bei den Jungbuchen zu Qualitätsverlusten wie Zwieselbildung führen.

Trotzdem erfüllen die Buchen weiter wichtige Funktionen:

  • Verdrängung von Konkurrenzvegetation wie Gras, Brombeere, Brennessel und Farn auf lichten Windwurfflächen
  • Verminderung des „Freiflächenklimas“ (starke Bodenfröste, Austrocknung der Böden durch Wind und Sonne)
  • Der Grundstein für die nächste Waldgeneration ist gelegt
  • Die Buchen sind Stabilitätsträger zukünftiger Waldbestände und wichtig als ökologische Beimischung im naturnahen Waldbau

Deswegen sollte Waldbesitzende im Umgang mit den Voranbauten einiges beachten:

  • Bei der Aufarbeitung des Sturmholzes den Voranbau schonen. Das lohnt sich auch, wenn die Aufarbeitungskosten dadurch etwas steigen. Denn so sichern Waldbesitzende die Investionen für den Voranbau und vermeiden Zusatzkosten für eine komplette Neuanlage von Kulturen.
  • Intakte Bestandesreste der Altfichten sollten auf den Flächen verbleiben. Sie dienen immer noch als Schirm und als Samenbäume für Naturverjüngung. Gerade wenn der Mineralboden durch die Sturmholzaufarbeitung frei liegt, kann diese gut auflaufen.
  • Nach der Aufarbeitung in die Flächen gehen und Voranbauten begutachten und gemeinsam mit Forstleuten vor Ort über das weitere Vorgehen sprechen.
  • Vitale aber stark geschädigte Buchen sollten entfernt werden.

Die qualitative Entwicklung der Buchen muss über die kommenden Jahre im Blick gehalten werden. Mischbaumarten durch Naturverjüngung können die Buchen bei der Entwicklung unterstützen und sollten erhalten bleiben.

Für Waldbesitzende ist diese Entwicklung damit auch eine Chance, die eigenen Wälder weiter zu strukturieren. Löcher und Fehlstellen können genutzt werden, um beispielsweise Weißtanne, Küstentanne oder Douglasie zu pflanzen.

Mögliche Qualitätsverluste in den Buchenkulturen sind auf den zweiten Blick nicht unbedingt so tragisch. Denn in den kommenden Jahrzehnten wird der Bedarf an Buchen-Massensortimenten aller Wahrscheinlichkeit nach stark ansteigen.


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