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Förderung für
den Waldbesitz

 

13.07.2020

Wie kam es zum „Preußenbaum“ in der Eifel?

Im 19. Jahrhundert betrieben die Preußen in der Eifel eine massive und kontrollierte Aufforstung, wodurch sich das damalige Landschaftsbild, geprägt durch eine kahle und öde Landschaft, bis in unsere Gegenwart hinein grundlegend veränderte. 

Der Boden war durch die extensive landwirtschaftliche Nutzung ausgelaugt. Auch die Energieversorgung für die Industrialisierung (Holzkohle) hatte zu einer Übernutzung geführt. Die Gesamtfläche der Eifel war etwa zu einem Drittel Acker, Wiese und Dorfland, ein Drittel mit Wald im schlechtem Zustand und der Rest Ödland. Ursprünglich vorhandene Laubwälder mit überwiegend Buchen und Eichen waren nicht mehr vorhanden. Die Eifel, einst ein großes, zusammenhängendes Waldgebiet, hatte sich nahezu zu einer einzigen Heidefläche entwickelt.

Für die Wiederaufforstung der übernutzten, nährstoffarmen Böden eigneten sich nach damaliger Überzeugung wegen ihrer genügsamen Standortansprüche die Kiefer und vor allem die Fichte. Das schnelle Wachstum der Fichte war bei der Wahl sicherlich ein entscheidender Faktor. Die zwangsweise durchgeführten Wiederaufforstungen stießen bei den Bauern auf Widerstand, da diese durch den Verlust von Weide- und Streunutzungsflächen um ihre Existenz fürchteten. Folglich führten die Aufforstungen durch die Preußen zu einer Regeneration des Waldes.

Nach einiger Zeit konnten die neu gepflanzten, nachhaltig bewirtschafteten Wälder ökonomisch genutzt werden und verbesserten das Klima in der Region. Den Verantwortlichen war bereits damals bewusst, dass eine Aufforstung mit Fichten als Monokultur ökologische Probleme schafft. Es fehlte an ökologischer Vielfalt. 

In Monokulturen vermehren sich Schädlinge besonders gerne aber auch andere Faktoren wie z. B. Bodenversäuerung und Artenarmut haben Folgen für die heimischen Lebensgesellschaften. Mit der Zeit zeigte sich auch, dass die flachen Wurzelteller der Fichte besonders anfällig für Sturmschäden sind. Eine wirkliche alternative Baumart blieb den Preußen jedoch nicht, da auf den ausgelaugten Böden nur die robuste Fichte mit ihren genügsamen Standortansprüchen einen Aufbau neuer Wälder möglich machte. Eine Rolle spielte auch der Wildverbiss. Mit ihrem hohen Harzgehalt ist die Fichte für Wild- und Weidetiere als Nahrung weniger attraktiv.

Die Aufforstungsaktionen der preußischen Forstverwaltung hat die Waldflächen erweitert, aus Ödflächen entstand eine Eifel als waldreiches Gebiet wie wir sie heute kennen. Das Konzept der „Nachhaltigkeit“, nachdem nicht mehr verbraucht werden darf als nachwächst, sollte den Wald für die Zukunft erhalten.

Mit dem ersten Weltkrieg stieg der Bedarf an Holz dann wieder gewaltig an und die Regeln einer nachhaltigen Forstwirtschaft standen nicht mehr an erster Stelle. Für Reparationszahlungen musste der Wald abermals bluten. Im und vor dem zweiten Weltkrieg wurde wieder viel Holz gebraucht, hinzu kamen die Abholzungen für den Westwall, sodass große Waldgebiete zerstört wurden. Nach dem zweiten Weltkrieg erfolgten abermals Reparationshiebe durch die Besatzungsmächte. Es folgten Zwangsexporte von Holz in ungeheurem Ausmaß. Deutsche Regierungsstellen befürchteten die Vernichtung der letzten nutzbaren Waldbestände. 

Es benötigte mehr als zehn Jahre um die kahl geschlagenen Waldflächen wieder aufzuforsten. Wegen der besonderen Bedingungen auf dieser Waldfläche musste auch hier wieder die Fichte für die Pflanzungen herangezogen werden.

Autorin: Brigitte Atzor - Wald und Holz NRW, Holzkompetenzzentrum Rheinland


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