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Förderung für
den Waldbesitz

Frühe Haselblüte als Zeichen des Klimawandels

Münster, 13.02.2026 – Trotz winterlicher Bedingungen mit Schnee und Frost hat die Hasel in diesem Jahr außergewöhnlich früh zu blühen begonnen. Auswertungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zeigen eine deutliche Verschiebung der phänologischen Jahreszeiten.

Genau hingeschaut: Aus den knospenartigen weiblichen Blüten schauen winzige, leuchtend rötliche Narbenfäden heraus, die männlichen gelb bis bräunlichen „Blüten-Kätzchen“ hängen zeitgleich am Haselstrauch. (Bildquelle: Stefan Befeld/ Wald und Holz NRW)

Nach aktuellen Daten des Deutschen Wetterdienstes im Rahmen der Beobachtung der phänologischen Jahreszeiten begann die Haselblüte in Nordrhein-Westfalen in diesem Jahr rund drei Wochen (21 Tage) früher als im langjährigen Mittel der Jahre 1992 bis 2025. Besonders bemerkenswert: Die allererste Haselblüte wurde bereits am 10. Dezember des Vorjahres beobachtet – zu einem Zeitpunkt, an dem üblicherweise noch tiefster Winter herrscht.

Die Hasel (Corylus avellana) gilt als eine der wichtigsten Zeigerpflanzen für den Vorfrühling. Ihr Blühbeginn markiert normalerweise den Start der ersten phänologischen Jahreszeit und ist eng an Temperaturverläufe gebunden. Die außergewöhnlich frühe Blüte trotz anhaltender Kälteperioden mit Schnee und Eis verdeutlicht, wie stark Pflanzen bereits auf kurzfristige milde Phasen reagieren.

Früher Blühbeginn als Klimasignal

Der DWD dokumentiert seit Jahrzehnten eine fortschreitende Verfrühung vieler phänologischer Phasen. Die extrem frühe Haselblüte in diesem Winter reiht sich in diese Entwicklung ein und gilt als weiteres deutliches Indiz für den fortschreitenden Klimawandel. Insbesondere milde Winter und häufige Wärmeeinbrüche begünstigen ein vorzeitiges Austreiben und Blühen von Gehölzen.

„Die Haselblüte ist kein Einzelfall, sondern ein gut messbares Klimasignal“, erklärt Dr. Christin Carl, Leiterin des Teams Wald- und Klimaschutz im Zentrum für Wald und Holzwirtschaft, der Einrichtung für Forschung und Wissenstransfer von Wald und Holz NRW. „Phänologische Beobachtungen machen sichtbar, wie stark der Klimawandel bereits heute in natürliche Prozesse eingreift – auch dann, wenn sich der Winter für uns ‚normal‘ kalt anfühlt“, so Dr. Carl weiter.

Ökologische Folgen der verfrühten Blüte

Die Haselblüten stellen im Jahresverlauf eine bedeutende Nahrungsquelle für früh aktive Insekten dar, darunter auch für manche Bienenarten. Hummeln und einige Wildbienenarten sind schon ab 2-5°C unterwegs, Honigbienen aber erst bei deutlich wärmeren Temperaturen, ab 10-12°C. Die Aktivität der Insekten wird dabei nicht nur von der Temperatur beeinflusst, sondern auch von weiteren Faktoren wie der Tageslänge.

„In vielen Fällen sind die zeitlichen Verschiebungen durch den Klimawandel bei den Pflanzen deutlich ausgeprägter als bei den Insekten. Dadurch kann das sonst fein abgestimmte Zusammenspiel zwischen Pflanzen und Insekten aus dem Gleichgewicht geraten“, erklärt Dr. Wiebke Theisinger, Expertin für Waldnaturschutz bei Wald und Holz NRW. „Eine solche Diskrepanz kann sich langfristig auf das gesamte Ökosystem auswirken.“

Das Wachstum der Waldbäume im Klimawandel

Was an der frühen zarten Blüte der Hasel sichtbar wird, deutet darauf hin, dass sich Blüh- und Wachstumsprozesse auch bei unseren Waldbaumarten wie Buchen und Eichen zeitlich verschieben. Forschende sind sich einig, dass die Vegetationsperiode, also die Zeit im Jahresverlauf, in dem Bäume und Waldpflanzen aktiv wachsen, Photosynthese betreiben und Nährstoffe umsetzen, klimawandelbedingt früher startet und sich insgesamt verlängert. Die Vermutung liegt nahe, dass dadurch unsere Waldbäume übers Jahr auch stärker wachsen und damit sogar mehr CO² aufnehmen könnten. Das wiederum würde Vorteile für den Klimaschutz und die Verfügbarkeit des wertvollen Rohstoffes Holz bringen. Warum das nicht so ist, erklärt Expertin für Wald- und Klimaschutz Dr. Christin Carl: „Die Forschung zeigt, dass sich mit dem Klimawandel während der Vegetationsperiode Phasen häufen, in denen unsere Waldbäume durch eine Kombination aus hohen Temperaturen und einem Mangel an verfügbarem Wasser dermaßen unter Stress geraten, dass sie dann auch nicht mehr wachsen oder sogar einzelne Blätter bis ganze Kronenteile absterben. Das wiederum schwächt ihre Photosynthese-Leistung und damit ihr Wachstum. “

Zum Schutz vor diesen Effekten arbeiten die Försterinnen und Förster von Wald und Holz NRW konsequent an der Entwicklung widerstandsfähiger Mischwälder. 


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