Das Wald-Jahr 2025 in NRW
Wälder zeigen leichte Erholung nach niederschlagsreichen Vorjahren
Münster, 27. Dezember 2025 – Die Waldzustandserhebung 2025 hat gezeigt: Dem Wald in NRW, der seit 2018 stark unter der Borkenkäferplage und ihren Folgen gelitten hat, geht es etwas besser. Die Wälder konnten von den für sie guten Witterungsbedingungen und ausreichender Wasserversorgung in den Waldböden profitieren. Trotzdem bleiben die Zustände der Bäume vielerorts kritisch, besonders bei der Eiche. Dürreperioden, Hitze sowie Säure- und Nährstoffeinträge belasten die Wälder nach wie vor erheblich. Es gilt daher, den Umbau zu starken Mischwäldern konsequent fortzusetzen.
Waldzustand: Positive Effekte, aber keine Trendwende
Die insgesamt niederschlagsreichen Jahre 2023 und 2024 sowie ein meist ausreichend nasses Jahr 2025 haben die Wälder spürbar entlastet. Infolge der besseren Wasserversorgung konnten Bäume Schäden aus den vorangegangenen Extremjahren zumindest teilweise kompensieren. 29 Prozent der Bäume zeigten in diesem Jahr eine gesunde, dichte Baumkrone aus Blättern oder Nadeln. Die durchschnittliche Kronenverlichtung, also der sicht- und messbare Nadel- oder Blattverlust der Baumkrone, ist leicht von 25 auf 23 Prozent zurückgegangen.
Rund ein Viertel der Buchen (24 Prozent) sind ohne Kronenverlichtung, bei weiteren 40 Prozent ist lediglich eine geringe Auslichtung festzustellen. Auch bei den Eichen ist eine leichte Verbesserung erkennbar, wenngleich sie weiterhin das höchste Schadensniveau aller erfassten Baumarten aufweisen. Der Fichten-Borkenkäfer stellt angesichts der stark dezimierten Fichtenwälder derzeit kein akutes Problem mehr dar. Dennoch bleibt eine kontinuierliche Beobachtung wichtig und erforderlich.
Afrikanische Schweinepest: Intensive Maßnahmen zeigen Wirkung
Im Juni wurde im Kreis Olpe (Sauerland) erstmals in Nordrhein-Westfalen ein mit der Afrikanischen Schweinepest (ASP) infiziertes Wildschwein identifiziert. Für Menschen und andere Tiere ungefährlich, verläuft die Erkrankung für Schweine in der Regel tödlich. Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, wurden in den Kreisen Olpe und Siegen-Wittgenstein sowie im Hochsauerlandkreis entsprechende Sperrzonen eingerichtet.
Noch immer sind zahlreiche Suchhundeteams von Wald und Holz NRW kontinuierlich im Einsatz, um verendete Tiere aufzuspüren und zu bergen. Durch diese und andere Maßnahmen, wie zum Beispiel der Bau eines Zauns um die Kernzone, konnte die Ausbreitung der Seuche bislang erfolgreich eingedämmt werden.
Ausweisung neuer Wildnisentwicklungsgebiete geplant
Zur Förderung der biologischen Vielfalt plant die Landesregierung in mehreren Kreisen, darunter Heinsberg, Viersen, Kleve, Coesfeld und Unna, landeseigene Waldflächen als Wildnisentwicklungsgebiete auszuweisen. Hierbei werden die Kulissen in den nächsten Monaten begutachtet, um die genaue Abgrenzung zu erarbeiten. Zukünftig soll sich dann hier die Natur frei entwickeln, wobei in einer Übergangszeit forstliche Maßnahmen zur Förderung der Naturnähe möglich bleiben.
Gemeinsam mit bereits bestehenden Schutzgebieten sollen künftig rund 15 Prozent des landeseigenen Waldes beziehungsweise etwa 2 Prozent der gesamten Landesfläche Nordrhein-Westfalens der natürlichen Entwicklung überlassen werden.
Saatguternte 2025: Stieleiche ist Spitzenreiter
Die Stieleiche erweist sich bei der Saatguternte in 2025 als die mit Abstand ertragreichste Baumart. Sie verzeichnet damit ein zweites Mastjahr in Folge, was als ungewöhnlich gilt. In Bezug auf die Stieleiche ist 2025 damit erneut ein erfolgreiches Jahr für die Saatguternte – auch wenn die Mengen deutlich unter den Werten des Vorjahres liegen : 2024 wurden 87 Tonnen Saatgut von der Stieleiche geerntet, 2025 sind es 36 Tonnen (gefolgt von der Traubeneiche mit rund 5,5 Tonnen). Von anderen Laubbaumarten wird in diesem Jahr deutlich weniger Saatgut geerntet. Auch bei den Nadelbaumarten fällt die Ernte insgesamt durchwachsen aus. Vergleichsweise gute Erträge wurden bei der Weißtanne mit rund einer Tonne sowie bei der Japanischen Lärche mit etwa 1,3 Tonnen erzielt.
Zehn Jahre „Xylobius“: Biotopbäume systematisch erfasst
Seit 2015 erfassen Försterinnen und Förster von Wald und Holz NRW im bewirtschafteten landeseigenen Wald besonders wertvolle Biotopbäume in der digitalen Datenbank „Xylobius“. Dabei geht es um alte oder strukturreiche Einzelbäume und Baumgruppen, die einen wichtigen Beitrag zur biologischen Vielfalt leisten, etwa als Lebensraum für Insekten, Vögel, Fledermäuse oder Pilze. Die gezielte Erfassung und der Erhalt dieser Bäume stärken die Stabilität der Waldökosysteme und erhöhen deren Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel. Zehn Jahre nach Einführung des Systems sind landesweit bereits mehr als 40.000 Biotopbäume digital dokumentiert.
Ausstellung Klimaheld Wald
Die Wanderausstellung „Klimaheld Wald“ von Wald und Holz NRW erreicht in Kooperation mit der Stiftung Zollverein und RVR Ruhr Grün an mehreren Stationen ein breites Publikum. In sechs Themenfeldern macht sie deutlich, welche zentrale Bedeutung unsere Wälder für Klimaschutz, Gesundheit und gesellschaftliche Stabilität haben und welche Handlungsmöglichkeiten Politik, Gesellschaft und jede oder jeder Einzelne besitzen. Mit Stationen unter anderem im Festsaal der LWL-Klinik in Warstein sowie im Schloss Paffendorf zeigt die Ausstellung unter dem Motto „Klimaheld Wald – Warum wir ihn schützen müssen“ eindrücklich, wie der Wald in Zeiten von Klimakrise, Extremwetter und zunehmender mentaler Belastung als unverzichtbare Ressource für eine lebenswerte Zukunft wirkt.


