Wildnis - Wald & Holz Skip to main content

Wildnisentwicklungsgebiete

Nordrhein-Westfalen

Nordrhein-Westfalen ist das bevölkerungsreichste Bundesland mit dem größten Ballungsraum Europas, dem Ruhrgebiet. Kaum jemand bringt NRW mit "Wildnis" in Verbindung.

Baumstamm bewachsen mit Pilzen und Moos

Trotzdem wurden seit 2009 mehr als hundert landeseigene Waldflächen in NRW als "Wildnisentwicklungsgebiete" ausgewiesen. Diese Wildnis hat nichts mit den menschenleeren Landschaften, wie wir sie aus anderen Ländern kennen, zu tun. Und auch Wolf und Bär spielen hier keine Rolle. Es sind eher kaum wahrnehmbare, langsame Entwicklungen und unscheinbare Tier- und Pflanzenarten und deren Schutz, die hier im Mittelpunkt stehen. Was genau in Nordrhein-Westfalens wilden Wäldern vor sich geht, warum diese gerade jetzt ausgewiesen wurden und warum Försterinnen und Förster von Wald und Holz NRW sich um die Wildnis kümmern, erfahren Sie im Folgenden.

Die wichtigsten Fragen sind:

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1. Was sind Wildnisentwicklungsgebiete und welche Funktion haben sie?

Wildnisentwicklungsgebiete sind Waldgebiete mit alten Laubwäldern, in denen keine Holz-Nutzung mehr stattfindet. In Wildnisentwicklungsgebieten soll die Zerfallsphase nicht durch forstliche Nutzung unterbunden werden. Wenn vermehrt Bäume altersbedingt über Jahre absterben, wird sich der Alt- und Totholzanteil in diesen Gebieten stark erhöhen. Damit soll hochspezialisierten, vom Aussterben bedrohten Arten geholfen werden. Langfristig sollen aus den Wildnisentwicklungsgebieten kleine "Urwaldareale aus zweiter Hand" entstehen. Bis diese Entwicklung abgeschlossen ist, werden noch viele Jahrzehnte, vielleicht sogar Jahrhunderte vergehen. Der natürlichen Dynamik wird freien Lauf gelassen. Unser Ziel ist es, durch unsere Wildnisentwicklungsgebiete einen Beitrag zum Arten- und Lebensraumschutz zu leisten und die Thematik der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Neben den Großschutzgebieten wie dem Nationalpark Eifel und den ebenfalls aus der forstlichen Nutzung genommenen Naturwaldzellen, dienen die Wildnisentwicklungsgebiete auch als Trittsteine im europaweiten Biotopverbund (Natura 2000) und tragen zur Sicherung unseres Naturerbes bei.

2. Die meisten Wälder sehen doch schon wild aus? Reicht das nicht?

Nein! Wir wissen gar nicht wie Wildnis aussieht. Zurzeit haben wir in NRW keine Wildnis mehr, die mit einem natürlichen ursprünglichen Urwald unserer Klimazone zu vergleichen ist. Alle Wälder in NRW sind vom Menschen beeinflusst. Wir wissen also gar nicht, wie natürliche Urwälder in unserer Region aussehen und welche Tiere und Pflanzen darin leben. Wir wissen nur: So wie die Wälder zu Zeiten der Germanen aussahen, werden sie nie wieder werden, denn Klimawandel, Umweltverschmutzung, dichte Besiedlung, Bewirtschaftung, ausgestorbene und neu hinzugekommene Arten haben die elementaren Grundlagen der natürlichen Waldentwicklung stark verändert. Wir wissen auch, dass die Bäume, die wir im nachhaltig forstwirtschaftlich genutzten Wald entnehmen um unsere Holzversorgung sicher zu stellen, erst ein Drittel ihres natürlichen Alters hinter sich haben. Die letzten zwei Drittel eines Baumlebens sind für den Artenschutz besonders interessant.

3. Warum werden Wildnisentwicklungsgebiete gerade jetzt ausgewiesen?

Die Ausweisung der Wildnisentwicklungsgebiete in NRW hat das Ziel, dem Artenschwund entgegen zu wirken. Es ist das Ergebnis einer seit zwei Jahrzehnten, international geführten Debatte. Die Bundesregierung hat in der Strategie zur biologischen Vielfalt das Ziel formuliert, auf 5 % der Waldfläche kein Holz mehr zu nutzen, in öffentlichen Wäldern sogar auf 10 % der Fläche. Wir bezeichnen das als Prozessschutz, denn in diesen Waldarealen sollen die natürlichen Prozesse möglichst ungestört durch menschliche Nutzung ablaufen.

4. Wie wurden die Wildnisentwicklungsgebiete ausgewählt?

Im Fokus sind vor allem landeseigene Laubwaldflächen, die bereits eine hohe ökologische Qualität mit sich bringen. Daher liegt der überwiegende Teil der Wildnisentwicklungsgebiete in Naturschutz- und FFH-Gebieten. Buchenbestände, älter als 120 Jahre und Eichenbestände, älter als 160 Jahre, wurden besonders berücksichtigt. Die Auswahl der Flächen erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV).

5. Wie viel Wildnis gibt es in NRW?

Auf ca. 14.000 ha - überwiegend Staatswald in NRW wird kein Holz mehr geschlagen. Es gibt mehr als 100 Wildnisentwicklungsgebiete mit einer Fläche von 7.736 Hektar (ha) im landeseigenen Wald. Ein Hektar ist etwas größer als ein Fußballfeld. 524 ha Wildnisentwicklungsgebiet hat das Land im Siebengebirge gepachtet. Neben den Wildnisentwicklungsgebieten sind weitere gut 8.125 ha im Land Prozessschutzfläche. Circa 4.444 ha davon liegen im Nationalpark Eifel, der durch Wald und Holz NRW verwaltet wird. Im Nationalpark wird diese Fläche kontinuierlich weiter zunehmen. Die restlichen 1.575 ha bilden unsere Naturwaldzellen, die wir seit gut 40 Jahren wissenschaftlich begleiten. 1.296 ha davon sind landeseigener Wald. Damit hat NRW das Ziel der Strategie zur biologischen Vielfalt "10 % Wildnis im öffentlichen Wald" bereits deutlich übertroffen.

6. Ist Wildnis eine Aufgabe für Försterinnen und Förster? Die sollen doch Holz ernten!

Wildnismanagement ist ein Teil der multifunktionalen Forstwirtschaft. Unser Kerngebiet ist und bleibt die nachhaltige Wald- und Holznutzung. Die große fachliche Herausforderung, der wir uns stellen, ist die Integration der Nutz-, Schutz-, und Erholungsfunktionen auf einer Fläche. Das heißt: Die Wälder, in denen wir Holz ernten, sind gleichzeitig Wander- und Freizeitgebiet und außerdem noch Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen.

Dieses integrative Konzept ist seit Langem Kern der deutschen Forstwirtschaft und soll es auch bleiben. Mit der nachhaltigen Forstwirtschaft und dem darin integrierten Naturschutz leistet Wald und Holz einen sehr bedeutenden Beitrag zum Artenschutz. Es hat sich aber gezeigt, dass der integrative Weg an einigen Stellen an seine Grenzen kommt. Das ist zum Teil beim Schutz von Tier- und Pflanzenarten der Fall, die auf alte Wälder und danach einsetzende, langanhaltende Zerfallsphasen angewiesen sind.

Wald und Holz NRW ergänzt deshalb mit den Wildnisentwicklungsgebieten das Repertoire einer zeitgemäßen Forstwirtschaft, die neben der Holznutzung auch naturschutzfachliche und soziale Funktionen des Waldes sichert. Unsere Arbeit, die in Zusammenarbeit mit dem LANUV in die Konzeption und Begleitung der Wildnisentwicklungsgebiete einfließt, sehen wir als Investition in die Zukunft und als Erfüllung eines gesellschaftlichen Generationsvertrags. Die Naturschutzqualität unserer Arbeit in den Wirtschaftswäldern wird zudem von unabhängigen Gutachtern geprüft, alle landeseigenen Wälder in NRW sind FSC- und PEFC-zertifiziert.

7. Müsste man nicht viel mehr Wildnis haben um die Natur zu schützen?

Nein. Prozessschutz in Wildnisentwicklungsgebieten ist zwar ein wichtiger Baustein im Naturschutz, aber bei weitem nicht der Einzige. Auch auf den bewirtschafteten Flächen betreiben wir aktiven Naturschutz - jeden Tag. Dies tun wir bei der Förderung zukunftsfähiger Mischwälder, dem Schutz von Höhlen- und Horstbäumen, dem schonenden Einsatz von Forstmaschinen, dem Schutz von Sonderbiotopen, der Bewahrung der Baumartenvielfalt, dem Belassen von Alt- und Totholz, und nicht zuletzt der Berücksichtigung klimatischer Veränderungen. Außerdem müssen die Försterinnen und Förster in unseren Wäldern das Holz produzieren, welches wir in den verschiedenen Formen im Alltag nutzen. In Wildnisentwicklungsgebieten kann dauerhaft kein Holz produziert werden. Daher bedeutet mehr Wildnis, dass wir mehr Holz importieren müssen oder neue Wälder dort pflanzen müssen, wo bisher noch kein Wald wächst.

8. Was haben Forstleute im Wildnisentwicklungsgebiet noch zu tun?

Die Försterinnen und Förster vor Ort helfen der Wildnis auf den Sprung, indem sie Bäume, die eigentlich nicht in die Wildnis gehören, entfernen, wie z.B. exotische oder zur Dominanz neigende Baumarten oder Fichten im Buchenwald. Außerdem haben sie ein Auge auf abgestorbene Bäume die am Wegesrand stehen und kümmern sich weiterhin um die Jagd. Neben diesen Aufgaben wird es Aktionen im Rahmen der Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit geben.

9. Dürfen die Wildnisentwicklungsgebiete betreten werden?

Ja. Die Wildnisentwicklungsgebiete sollen der Öffentlichkeit zugänglich sein. Da sie aber überwiegend in Naturschutzgebieten liegen, ist das Betreten abseits der Wege in der Regel verboten, genau wie das Sammeln von Pflanzen oder Pilzen. Und natürlich müssen Waldbesucher, egal ob im "normalen" Wald oder im Wildnisentwicklungsgebiet, selbst auf die waldtypischen Gefahren achten, wie herunterfallende Äste und Stolperfallen.

Ansprechperson

Wald und Holz NRW
Michael Elmer
Kurt-Schumacher-Str. 50 b
59759 Arnsberg

Tel.: 0251/91797-291
Mobil: 0175/3630028
vCard: laden

Weitere Informationen

Karte "Wildnisgebiete in NRW"

Urwälder gibt es in NRW nicht mehr. "Damit wird jedoch das Leitbild "Wildnis" nicht unbedingt absurd. Selbst in solchen Gegenden, die über viele Jahrhunderte vom Menschen genutzt werden, entstehen, sobald die Nutzung aufhört, oft erstaunlich rasch "wilde" Landschaften mit ungewöhnlichem Artenreichtum" (J. Radkau). Daneben dürfen wir nicht vergessen, dass sich die heutige Naturnähe mancher Waldbestände nicht nur trotz, sondern oft auch wegen ihrer forstlichen Bewirtschaftung der zurückliegenden zwei Jahrhunderte entwickelt hat.

Auf den folgenden Seiten soll im Laufe der Zeit zu jedem Wildnisentwicklungsgebiet ein Teil seiner Geschichte zu Wort (und Bild) kommen. Der hier in mehreren Zeitscheiben gebotene Blick in die Bestandesgeschichte ist keine nostalgische Rückschau. Er liefert uns vielmehr weitere Puzzleteilchen, um zu verstehen, warum die Wälder heute so aussehen.

Die wichtigsten Fragen sind:

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1. Was sind Wildnisentwicklungsgebiete und welche Funktion haben sie?

Wildnisentwicklungsgebiete sind Waldgebiete mit alten Laubwäldern, in denen keine Holz-Nutzung mehr stattfindet. In Wildnisentwicklungsgebieten soll die Zerfallsphase nicht durch forstliche Nutzung unterbunden werden. Wenn vermehrt Bäume altersbedingt über Jahre absterben, wird sich der Alt- und Totholzanteil in diesen Gebieten stark erhöhen. Damit soll hochspezialisierten, vom Aussterben bedrohten Arten geholfen werden. Langfristig sollen aus den Wildnisentwicklungsgebieten kleine "Urwaldareale aus zweiter Hand" entstehen. Bis diese Entwicklung abgeschlossen ist, werden noch viele Jahrzehnte, vielleicht sogar Jahrhunderte vergehen. Der natürlichen Dynamik wird freien Lauf gelassen. Unser Ziel ist es, durch unsere Wildnisentwicklungsgebiete einen Beitrag zum Arten- und Lebensraumschutz zu leisten und die Thematik der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Neben den Großschutzgebieten wie dem Nationalpark Eifel und den ebenfalls aus der forstlichen Nutzung genommenen Naturwaldzellen, dienen die Wildnisentwicklungsgebiete auch als Trittsteine im europaweiten Biotopverbund (Natura 2000) und tragen zur Sicherung unseres Naturerbes bei.

2. Die meisten Wälder sehen doch schon wild aus? Reicht das nicht?

Nein! Wir wissen gar nicht wie Wildnis aussieht. Zurzeit haben wir in NRW keine Wildnis mehr, die mit einem natürlichen ursprünglichen Urwald unserer Klimazone zu vergleichen ist. Alle Wälder in NRW sind vom Menschen beeinflusst. Wir wissen also gar nicht, wie natürliche Urwälder in unserer Region aussehen und welche Tiere und Pflanzen darin leben. Wir wissen nur: So wie die Wälder zu Zeiten der Germanen aussahen, werden sie nie wieder werden, denn Klimawandel, Umweltverschmutzung, dichte Besiedlung, Bewirtschaftung, ausgestorbene und neu hinzugekommene Arten haben die elementaren Grundlagen der natürlichen Waldentwicklung stark verändert. Wir wissen auch, dass die Bäume, die wir im nachhaltig forstwirtschaftlich genutzten Wald entnehmen um unsere Holzversorgung sicher zu stellen, erst ein Drittel ihres natürlichen Alters hinter sich haben. Die letzten zwei Drittel eines Baumlebens sind für den Artenschutz besonders interessant.

3. Warum werden Wildnisentwicklungsgebiete gerade jetzt ausgewiesen?

Die Ausweisung der Wildnisentwicklungsgebiete in NRW hat das Ziel, dem Artenschwund entgegen zu wirken. Es ist das Ergebnis einer seit zwei Jahrzehnten, international geführten Debatte. Die Bundesregierung hat in der Strategie zur biologischen Vielfalt das Ziel formuliert, auf 5 % der Waldfläche kein Holz mehr zu nutzen, in öffentlichen Wäldern sogar auf 10 % der Fläche. Wir bezeichnen das als Prozessschutz, denn in diesen Waldarealen sollen die natürlichen Prozesse möglichst ungestört durch menschliche Nutzung ablaufen.

4. Wie wurden die Wildnisentwicklungsgebiete ausgewählt?

Im Fokus sind vor allem landeseigene Laubwaldflächen, die bereits eine hohe ökologische Qualität mit sich bringen. Daher liegt der überwiegende Teil der Wildnisentwicklungsgebiete in Naturschutz- und FFH-Gebieten. Buchenbestände, älter als 120 Jahre und Eichenbestände, älter als 160 Jahre, wurden besonders berücksichtigt. Die Auswahl der Flächen erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV).

5. Wie viel Wildnis gibt es in NRW?

Auf ca. 14.000 ha - überwiegend Staatswald in NRW wird kein Holz mehr geschlagen. Es gibt mehr als 100 Wildnisentwicklungsgebiete mit einer Fläche von 7.736 Hektar (ha) im landeseigenen Wald. Ein Hektar ist etwas größer als ein Fußballfeld. 524 ha Wildnisentwicklungsgebiet hat das Land im Siebengebirge gepachtet. Neben den Wildnisentwicklungsgebieten sind weitere gut 8.125 ha im Land Prozessschutzfläche. Circa 4.444 ha davon liegen im Nationalpark Eifel, der durch Wald und Holz NRW verwaltet wird. Im Nationalpark wird diese Fläche kontinuierlich weiter zunehmen. Die restlichen 1.575 ha bilden unsere Naturwaldzellen, die wir seit gut 40 Jahren wissenschaftlich begleiten. 1.296 ha davon sind landeseigener Wald. Damit hat NRW das Ziel der Strategie zur biologischen Vielfalt "10 % Wildnis im öffentlichen Wald" bereits deutlich übertroffen.

6. Ist Wildnis eine Aufgabe für Försterinnen und Förster? Die sollen doch Holz ernten!

Wildnismanagement ist ein Teil der multifunktionalen Forstwirtschaft. Unser Kerngebiet ist und bleibt die nachhaltige Wald- und Holznutzung. Die große fachliche Herausforderung, der wir uns stellen, ist die Integration der Nutz-, Schutz-, und Erholungsfunktionen auf einer Fläche. Das heißt: Die Wälder, in denen wir Holz ernten, sind gleichzeitig Wander- und Freizeitgebiet und außerdem noch Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen.

Dieses integrative Konzept ist seit Langem Kern der deutschen Forstwirtschaft und soll es auch bleiben. Mit der nachhaltigen Forstwirtschaft und dem darin integrierten Naturschutz leistet Wald und Holz einen sehr bedeutenden Beitrag zum Artenschutz. Es hat sich aber gezeigt, dass der integrative Weg an einigen Stellen an seine Grenzen kommt. Das ist zum Teil beim Schutz von Tier- und Pflanzenarten der Fall, die auf alte Wälder und danach einsetzende, langanhaltende Zerfallsphasen angewiesen sind.

Wald und Holz NRW ergänzt deshalb mit den Wildnisentwicklungsgebieten das Repertoire einer zeitgemäßen Forstwirtschaft, die neben der Holznutzung auch naturschutzfachliche und soziale Funktionen des Waldes sichert. Unsere Arbeit, die in Zusammenarbeit mit dem LANUV in die Konzeption und Begleitung der Wildnisentwicklungsgebiete einfließt, sehen wir als Investition in die Zukunft und als Erfüllung eines gesellschaftlichen Generationsvertrags. Die Naturschutzqualität unserer Arbeit in den Wirtschaftswäldern wird zudem von unabhängigen Gutachtern geprüft, alle landeseigenen Wälder in NRW sind FSC- und PEFC-zertifiziert.

7. Müsste man nicht viel mehr Wildnis haben um die Natur zu schützen?

Nein. Prozessschutz in Wildnisentwicklungsgebieten ist zwar ein wichtiger Baustein im Naturschutz, aber bei weitem nicht der Einzige. Auch auf den bewirtschafteten Flächen betreiben wir aktiven Naturschutz - jeden Tag. Dies tun wir bei der Förderung zukunftsfähiger Mischwälder, dem Schutz von Höhlen- und Horstbäumen, dem schonenden Einsatz von Forstmaschinen, dem Schutz von Sonderbiotopen, der Bewahrung der Baumartenvielfalt, dem Belassen von Alt- und Totholz, und nicht zuletzt der Berücksichtigung klimatischer Veränderungen. Außerdem müssen die Försterinnen und Förster in unseren Wäldern das Holz produzieren, welches wir in den verschiedenen Formen im Alltag nutzen. In Wildnisentwicklungsgebieten kann dauerhaft kein Holz produziert werden. Daher bedeutet mehr Wildnis, dass wir mehr Holz importieren müssen oder neue Wälder dort pflanzen müssen, wo bisher noch kein Wald wächst.

8. Was haben Forstleute im Wildnisentwicklungsgebiet noch zu tun?

Die Försterinnen und Förster vor Ort helfen der Wildnis auf den Sprung, indem sie Bäume, die eigentlich nicht in die Wildnis gehören, entfernen, wie z.B. exotische oder zur Dominanz neigende Baumarten oder Fichten im Buchenwald. Außerdem haben sie ein Auge auf abgestorbene Bäume die am Wegesrand stehen und kümmern sich weiterhin um die Jagd. Neben diesen Aufgaben wird es Aktionen im Rahmen der Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit geben.

9. Dürfen die Wildnisentwicklungsgebiete betreten werden?

Ja. Die Wildnisentwicklungsgebiete sollen der Öffentlichkeit zugänglich sein. Da sie aber überwiegend in Naturschutzgebieten liegen, ist das Betreten abseits der Wege in der Regel verboten, genau wie das Sammeln von Pflanzen oder Pilzen. Und natürlich müssen Waldbesucher, egal ob im "normalen" Wald oder im Wildnisentwicklungsgebiet, selbst auf die waldtypischen Gefahren achten, wie herunterfallende Äste und Stolperfallen.


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