Borkenkäfer im Fichtenwald - Wald & Holz Skip to main content

Borkenkäfer im Fichtenwald

Schädling, Waldökologe und Landschaftsgestalter

Braune Bäume
Borkenkäferbefall in fortgeschrittenem Stadium. (Foto: Stefan Befeld, Wald und Holz NRW)

Obwohl nur millimetergroß bringen Borkenkäfer im Gemeinschaftsangriff auch stattliche Fichten großflächig zum Absterben. Sie sind im Stande ganze Landschaftsbilder in kürzester Zeit zu verändern. Statt tief tannengrüner Forste entstehen vor dem grünen Wald mahnend bräunlich-rote Baumgerippe.

Grüner Wald links, befallene Bäume rechts
Links: hochproduktiver Fichtenwald, Rechts: das hohe Befallsrisiko im Reinbestand ist eingetreten. (Foto links: pixabay, Foto rechts: Stefan Befeld, Wald und Holz NRW)

Im Wirtschaftswald fällen Forstwirtinnen und Forstwirte solche dem Tod geweihten, virulenten Bäume so schnell wie möglich, um alle Bäume zu retten, die noch gesund sind. In andauernd trocken-heißen Sommern entwickeln Borkenkäfer enormes Aggressionspotential durch massenhafte Vermehrung. Damit lösen sie neben Verlusten bei Erholungs- und Schutzwirkungen des Waldes massive Ertragsverluste für private und öffentliche Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer aus. Der Schaden erwächst ihnen aus den drei Teilen geminderte Holzqualität, verfallende Holzpreise und kompliziertere Wiederbepflanzung. So gibt es für befallenes Holz generell einen Abschlag von 30 %, bei Überangebot fällt das Preisniveau schnell um 50 % und die Pflanzungen werden teurer und pflegeintensiver.

Abgestorbene Bäume
Ökologisch gesehen: „Der Wald ist weg, lebe der Wald“. (Foto: pixabay)

Ökologisch haben Borkenkäfer aber durchaus ihre Berechtigung, den Begriff 'Schädling' kennt die Natur nicht. So sorgen Borkenkäfer dafür, dass kränkliche Bäume Platz machen für gesunde; sie sorgen dafür, dass lichtbedürftige Pionier-Arten große Freiflächen finden und sie sorgen dafür, dass Fichten nur dort vorkommen, wo sie dauerhaft große Fitness entwickeln können.

Aktuelle Meldungen

Forstamtsleiter Uwe Schölmerich weist auf die Fraßgänge der Buchdrucker-Borkenkäfer in einer Rindenpartie.
08.03.19Pressemitteilung

Borkenkäfer: Erste Forschungsergebnisse vorgestellt

Am 7. März stellte Wald und Holz NRW in Bonn erste Ergebnisse aus einem im Herbst gestarteten Forschungsprojekt vor. mehr lesen

Larven in Holz
18.12.18Pressemitteilung

Waldschutz-Info Nr. 9 erschienen

Aktuelle Untersuchungen zeigen weiterhin hohe Borkenkäferdichten (Ø 25.000 / Baum) in der Rinde stehender Fichten. mehr lesen

Sachkundennachweis
07.12.18Pressemitteilung

Sachkundenachweis Pflanzenschutz – Verlängerung ab sofort mittels Online-Fortbildung möglich!

Wald und Holz NRW hat in Kooperation mit dem Bildungszentrum für die Ver- und Entsorgungswirtschaft gGmbH (BEW) eine neue innovative Möglichkeit entwickelt, den Sachkundenachweis Pflanzenschutz im Rahmen eines Online-Kurses am PC oder mobilen Geräten innerhalb des vorgeschriebenen dreijährigen Fortbildungszeitraumes zu verlängern. mehr lesen

Maden in Rinde
12.11.18Pressemitteilung

Waldschutz-Info 7/2018 erschienen – Borkenkäfer der dritten Generation 2018

Bei der Aufarbeitung von Käferfichten (grüne Kronen) fällt derzeit die Rinde in großen Teilen ab und darunter scheinen nur wenige Käfer zu sein. Laboruntersuchungen zeigen jedoch, dass die Buchdrucker nicht im Bereich des Kambiums vorkommen, sondern, auf den ersten Blick unsichtbar, innerhalb der Rinde in drei „Stockwerken“ leben. mehr lesen

Maden in Rinde
31.10.18Pressemitteilung

Borkenkäfer stellt Waldbesitz vor gewaltige Herausforderung

Der Jahrhundertsommer 2018 führte in den Fichtenbeständen in NRW zur größten Borkenkäferkalamität seit 1947. mehr lesen

Baumkronen
05.09.18Pressemitteilung

Fichte in Nordrhein-Westfalen akut durch Borkenkäfer bedroht

Die Wälder in Nordrhein-Westfalen, insbesondere die Fichte, sind in diesem Jahr in besonderer Weise vom Borkenkäfer bedroht. Durch die Stürme zu Jahresbeginn, Burglinde und Friederike, und den außergewöhnlich warmen und trockenen Sommer konnte sich der Borkenkäfer stark vermehren. mehr lesen

Befallene Bäume
28.08.18Info für den Waldbesitz

Hohe Borkenkäferdichten und dringliche Aufarbeitung

Die Witterung der letzten Wochen war in Nordrhein-Westfalen durch eine anhaltende Trockenheit mit hohen Sommertemperaturen gegrägt. Diese Bedingungen waren und sindnoch immer für die Entwicklungvieler Insekten optimal und führtenauch bei den Borkenkäferarten zu schnellen Entwicklungszyklen mit geringen Mortalitäten. mehr lesen

Borkenkäfer
29.05.18Pressemitteilung

Borkenkäfergefahr: Anpassung bei der Sturmwurfaufarbeitung

Borkenkäfermassenvermehrungen treten ggf. wie aus dem Nichts immer dann auf, wenn die Temperaturen für die Entwicklung der Käfer günstig sind und genügend Brutraum zur Verfügung steht. Beide Faktoren sind landesweit in diesem Jahr gegeben. mehr lesen

Ein Bagger und ein Diagramm
07.02.18Pressemitteilung

Ruhe, Sachverstand und Weitblick

Der Orkan Friederike hat in NRW teils schwere Schäden im Wald hinterlassen. Bei der Aufarbeitung der Sturmschäden gibt es verschiedene Aspekte des Waldschutzes zu beachten. An dieser Stelle haben wir Ihnen als Hilfestellung eine Übersicht der relevanten Waldschutzthemen für die Wochen und Monate nach dem Orkan zusammengestellt. mehr lesen

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Wald und Holz NRW überwacht für Sie den Schwärmflug für die Fichtenborkenkäfer Buchdrucker (Ips typographus) und Kupferstecher (Pityogenes chalcographus) in der Zeit von März/April bis Oktober sowie deren Befall stehender Bäume in Nordrhein-Westfalen um für besondere Gefahrensituationen zu sensibilisieren und das Erkennen und Bekämpfen der Ausbreitung zu unterstützen. Der zeitliche Handlungsspielraum für das Bekämpfen richtet sich grundsätzlich danach welche Entwicklungsstadien in den befallenen Bäumen zu finden sind. In der Karte sind die Ergebnisse der landesweit standardisierten Erhebungen visualisiert.

Gefahrensituation: letzte Eingabe am 06.03.2019  

Borkenkäfer Monitoring NRW Borkenkäfer Monitoring NRW
Altenbeken
Arnsberg
Beverungen
Emsdetten
Gummersbach
Hagen
Haltern
Heiligenborn
Hennef
Höxter
Kirchhundem
Kleve
Kreuztal
Lippetal
Lübbecke
Medelon
Meschede
Monschau
Neuenrade
Rüthen
Solingen
Stotzheim
Sundern
Wolfgarten
Wöchentliches Befallsarchiv
  KW  



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Die Karte stellt die Anzahl der durch künstliche Pheromone in Fallen gelockten fliegenden Käfer an einem Ort dar und setzt sie in Bezug zu Schwellenwerten. Erfasst werden also nur die fliegenden Käfer an einer Stelle. Die Situation kann sich aber örtlich stark unterscheiden. Weiterhin ist zu beachten: Wenn Borkenkäfer beim Befallen der Bäume in der Nähe der Fallen im Laufe des Jahres viele natürliche Pheromone freisetzen, sinkt die Lockwirkung der Pheromonfallen und damit die Aussagekraft des Monitorings.
Die Farbgebung kann sich gegebenenfalls wöchentlich, je nach dem Flugverlauf der Käfer, ändern. So könnten zum Beispiel in der 30. Kalenderwoche (KW) Flächen rot und die selben Flächen in der 31. KW grün markiert sein. Zur genauen Einschätzung der Schwärmsituation empfiehlt es sich deshalb, als Gesamtbild die Grafik „Jahresverlauf“ zu öffnen.

Bedeutung der Kartenfarben

grün = Entwarnung

gelb = Vorwarnstufe

rot = Gefahrenstufe (es ist mit Stehendbefall völlig gesunder Fichten zu rechnen)

Fallensymbol rot und Schraffur = festgestellter Stehendbefall mit unterschiedlichen Käferentwicklungsstadien

Funktionsweise der Karte

Fahren Sie mit der Maus über einen Fallenstandort, so erhalten Sie den 3-Wochen-Trend der jeweiligen Falle.

Klicken Sie auf den Link "Grafik Jahresverlauf", so erhalten Sie ein PDF-Dokument mit den Fangzahlen der gewählten Falle des gesamten aktuellen Jahres.

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Die effektive Bekämpfung von Borkenkäfer-Schäden und -Ausbreitung beginnt mit frühzeitigem Erkennen und Bekämpfen.

Während der gesamten Flugzeit der Käfer im Jahresverlauf müssen regelmäßige Kontrollen durchgeführt werden. Hierzu sollten Betroffene im zweiwöchigen Turnus kontrollieren und befallene Bäume zur Aufarbeitung markieren.

Einen befallenen Baum erkennt man an mehreren Merkmalen:

Braunes Bohrmehl auf einer liegenden Fichte
Braunes Bohrmehl auf einer liegenden Fichte. Der Stamm ist frisch befallen. (Foto: Norbert Geisthoff, Wald und Holz NRW)
1. Auswurf von braunen Bohrmehlhäufchen

Beim Einbohren unter die Rinde sowie bei der Anlage der Brutgänge werfen die Käfer braunes Bohrmehl aus. Dieses Bohrmehl verbleibt auf der Rinde oder sammelt sich am Stammfuß, zum Beispiel in Spinnennetzen. Dieses Merkmal deutet i.d.R. also auf einen frischen Befall hin. Es kann an stehenden Bäumen und auch an liegendem Holz während der gesamten Vegetationsperiode beobachtet werden. Regen oder starker Wind verwischt allerdings dieses Symptom. Die Kontrolle ist dann aufzuschieben.

Einbohrlöcher und braunes Bohrmehl auf den Rindenschuppen
Einbohrlöcher und braunes Bohrmehl auf den Rindenschuppen. Nach starkem Regen oder Wind ist das Bohrmehl häufig abgewaschen oder verweht. Das Erkennen eines Befalls ist dann erschwert. (Foto: Norbert Geisthoff, Wald und Holz NRW)
2. Einbohrlöcher und Harztrichter

Diese entstehen bei Einbohrversuchen der Käfer in die Rinde. Bei extremer Trockenheit, wie 2018, kann es sein, dass die Bäume wegen Wassermangel keine Harztrichter ausbilden.

Rindenspiegel
Rindenspiegel. Spechte suchen unter den Rindenschuppen nach Borkenkäfern. Zu sehen ist ein Einbohrloch. Unter der Rinde fand sich ein vollständiges Brutbild (Foto: S. Glück)
3. Rindenspiegel

Spechte schlagen bei ihrer Suche nach Larven und Käfern einzelne Borkenschuppen ab, wodurch helle Flecken, sogenannte Rindenspiegel, auf der Rinde entstehen.

4. Fahlgrünes Erscheinungsbild und Rötung der Nadeln

Dieses Symptom tritt vor allem im Frühjahr auf. Beim Kupferstecher verläuft die Verfärbung der Nadeln von der Kronenspitze abwärts. Es können aber auch nur einzelne Äste betroffen sein, in Kulturen aber auch häufig die gesamte Pflanze. Beim Buchdrucker verläuft die Verfärbung in der Regel vom Kronenansatz aufsteigend.

Nadeln und Bohrmehl
Abgeworfene grüne Nadeln und braunes Bohrmehl am Stammfuß. Grüne Nadeln werden bei Befall vor allem in den Som-mermonaten abgeworfen. (Foto: Michael Cescotti, Wald und Holz NRW)
5. Abfall grüner Nadeln

Dieses Symptom tritt vor allem im Sommer und Herbst auf. Die Bäume lassen massenhaft ihre grünen Nadeln fallen, sie überdecken den Waldboden mit seinen Moosen und Gräsern und bilden regelrechte "Nadelteppiche".

6. Abfall größerer Rindenstücke, abgestorbene Krone

Bei Auftreten dieses Merkmals sind die für das Absterben des Baumes verantwortlichen Käfer in der Regel schon ausgeschwärmt und haben sich an anderen Bäumen eingebohrt. Hier ist eine gründliche Kontrolle des umstehenden Bestandes auf braunes Bohrmehl und Einbohrlöcher erforderlich!

Besonders von einem Neubefall gefährdet sind Waldflächen, die

  • die ihren gewachsenen Waldrand verloren haben, sogenannte "angerissene" Bestände;
  • die südlich exponiert liegen;
  • die sich über Kuppen ziehen;
  • die bereits Befall aufwiesen sowie
  • Waldflächen, die im Umfeld von Sturmwürfen und -brüchen liegen.

Diese Bereiche sollten vorrangig und besonders intensiv kontrolliert werden.

Wichtig: Aufgrund des hohen Vermehrungspotenzials kann das Übersehen eines Käferbaumes zum Befall von mehr als 20 weiteren Bäumen in der direkten Folgegeneration führen!

Über die Schwärmaktivität informiert das Borkenkäfer-Monitoring von Wald und Holz NRW (siehe "Beobachten).

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Grundlage einer erfolgreichen Borkenkäferbekämpfung ist die gründliche Kontrolle aller Bestände auf Befall. Die Bekämpfungsmaßnahmen richten sich im Wesentlichen nach Aktivität und Entwicklungsstadium der Borkenkäfer und damit der Jahreszeit.

Eine monatsscharfe Übersicht aller Bekämpfungsoptionen findet sich in der "Kreuzchenliste".

Wichtig: Bäume mit abgefallener Rinde stellen im Hinblick auf die Borkenkäfer keine Gefahr mehr für den umliegenden Bestand dar. Die Aufarbeitung sollte sich vorrangig auf die umliegenden neu befallenen Bäume konzentrieren!

Im Spätherbst und Winter vor dem neuen Ausschwärmen

Ziel der Bekämpfungsmaßnahmen im Winterhalbjahr ist das Abschöpfen der in der Baumrinde überwinternden Käfer. Damit wird der Befallsdruck im Frühjahr verringert. Das Übersehen eines Käferbaumes kann zum Befall von mehr als 20 weiteren Bäumen in der direkten Folgegeneration führen und von mehr als 400 Bäumen bei drei Generationen - also innerhalb eines Jahres. Der Aufwand lohnt sich.

Befallene Bäume müssen gefällt ("eingeschlagen") werden. Der Einschlag kann - im Normalfall - in den regulären Holzeinschlag eingebaut werden. Wichtig ist, das eingeschlagene Holz vor Schwärmbeginn abzufahren oder in anderer Weise unschädlich zu machen. Grundsätzlich ist es daher im Rahmen der "sauberen Waldwirtschaft" sinnvoll, befallene Fichten - und Nadelholz allgemein - im Herbst oder der ersten Winterhälfte zu fällen. Dann steht mehr Zeit für die Abfuhr zur Verfügung und die Gefahr, dass aus "vergessenen" Poltern im Frühjahr eine Gefahr für die umliegenden Bestände erwächst, wird verringert. Ist eine Abfuhr nicht möglich müssen andere Maßnahmen ergriffen werden. Alle Bekämpfungsoptionen sind in folgender Übersicht dargestellt.

  • Erkennen durch Kontrolle
    Die Bestände sind auf Symptome eines Borkenkäferbefalls hin zu überprüfen und für die Entnahme zu markieren. Im Spätherbst und Winter sind dies vor allem: Einbohrlöcher, Harztrichter, grüne Nadelteppiche am Boden, Spechtabschläge und schüttere Kronen (siehe Tab "Erkennen"). Von Fichten mit abgefallener Rinde geht keine Gefahr mehr aus. Die Borkenkäfer sind bereits in umliegende Bäume oder in den Boden abgewandert. Wenn Sägewerke und Holzeinschlagsunternehmen überlastet sind, sollten diese Bäume vorerst stehen bleiben.
  • Fällen der mit Borkenkäfern befallenen Fichten
    Von Käfern befallene Bäume müssen gefällt ("eingeschlagen") werden. Erfolgt der Einschlag mit Harvester, wird durch den Druck der Vorschubwalzen bereits ein Teil der Käfer, Larven und Eier abgetötet. Diese Art der Aufarbeitung ist daher aus Sicht der Borkenkäferbekämpfung vorzuziehen.
  • Unmittelbare Abfuhr zum Kunden
    Dies ist die kostengünstigste und einfachste Bekämpfungsmaßnahme. Sie ist auch aus rechtlicher Sicht immer voll auszunutzen.
  • Entrindung
    Kann das Holz nicht vor Schwärmbeginn abgefahren werden, sollte die Rinde entfernt werden (Entrindung). Ziel ist dabei, die in der Rinde überwinternden Käfer abzuschöpfen. Die Entrindung kann maschinell mit einer speziellen Entrindungsmaschine oder mit einem speziell ausgerüsteten Harvesterkopf direkt bei der Aufarbeitung erfolgen. Außerdem kann natürlich per Hand mit Schäl- oder Loheisen entrindet werden.
    Die Rinde muss zu Haufen aufgeschichtet und mit Folie abgedeckt werden. Die Käfer, Larven und Eier sterben durch die Wärmeentwicklung unter der Folie ab. Eine weitere Möglichkeit ist das kontrollierte Verbrennen der Rinde. Das Verbrennen ist genehmigungspflichtig und darf nur ausgeführt werden, wenn keine Waldbrandgefahr besteht. Das entrindete Holz kann - je nach Möglichkeit - im Bestand oder auf anderen Flächen, zum Beispiel am Waldweg, gelagert werden.
  • Vernichtung aller bruttauglichen Resthölzer
    Bei jeder Holzerntemaßnahme fällt Holz an, das aus unterschiedlichen Gründen nicht verwertet werden kann. Äste ab 3 cm Durchmesser aus dem Herbst- bzw. Wintereinschlag können aber noch mit Borkenkäfern besetzt sein und im Frühjahr Ausgangspunkt neuen Befalls werden. Deshalb muss auch das nicht verwertbare Holz (Kronenrestholz, rotfaule Erdstammstücke, Kronenrestholz) für die Brut untauglich gemacht werden.
    Von Dezember bis Februar kann dies durch Kleinschneiden des Holzes während der Holzernte erfolgen. Das Holz trocknet so leichter aus und ist in der Regel bis zum Schwärmbeginn brutuntauglich. Eine weitere Möglichkeit ist Häckseln und anschließende thermische Verwertung. Ist eine thermische Verwertung nicht möglich und sind bereits Jungkäfer unter der Rinde vorhanden muss das Häckselgut aufgehäuft und mit dunkler Folie überdeckt werden. Eine weitere Möglichkeit ist das kontrollierte Verbrennen. Das Verbrennen ist genehmigungspflichtig und darf nur ausgeführt werden, wenn keine Waldbrandgefahr besteht.
  • Einsatz von Pflanzenschutzmitteln
    Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln kann aus praktischen, rechtlichen und finanziellen Gründen immer nur das letzte Mittel der Borkenkäferbekämpfung darstellen. Zulässig ist nur die Behandlung liegenden Holzes. Sinnvoll ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Winter nur als Vor-Ausflug-Behandlung. Hierfür wird befallenes Holz kurz vor Schwärmbeginn mit Pflanzenschutzmitteln behandelt. Bei Kontakt sterben die sich ausbohrenden Käfer ab. Die Schwerpunktaufgabe Waldschutzmanagemt von Wald und Holz NRW informiert rechtzeitig über den richtigen Anwendungszeitpunkt.
    Voraussetzung für die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln ist der Nachweis der Sachkunde im Pflanzenschutz.
    Bei der Anwendung sind Gesetze, Verorndungen, Auflagen und Anwendungsbestimmungen des jeweiligen Mittels zu beachten. Besondere Regelungen gelten in Schutzgebieten und eventuell durch Zertifizierung (zum Beispiel PEFC und FSC). Eine Übersicht über die zugelassenen Pflanzenschutzmittel und Anwendungshinweise finden sich hier.
  • Lagerung mindestens 500 m vom Waldrand entfernt
    Durch Lagerung des Holzes in mindestens 500 m Entfernung zum nächsten Nadelholzbestand gilt ein Befall ausgehend von dem gelagerten Holz als unwahrscheinlich.
Im Sonderfall Sturm

Ein häufiger Ausgangspunkt von Borkenkäferkalamitäten sind Sturmereignisse. Das geworfene oder gebrochene Holz bietet einen idealen Brutraum für Buchdrucker und Kupferstecher. Im Frühjahr kann es außerdem zu einem Befall durch den gestreiften Nutzholzborkenkäfer ("Lineatus") kommen.

Im Hinblick auf die Gefährdung durch Borkenkäfer lassen sich Aufarbeitungsprioritäten ableiten. Darum ist es besonders wichtig, Sturmschäden mit der richtigen Aufarbeitungsstrategie zu begegnen.

Die Aufarbeitung von Sturmholz muss im Rahmen einer Priorisierung geordnet werden, um eine sinnvolle zeitliche Reihenfolge zu bilden. Für jede Fläche werden die Maßnahmenoptionen 1 bis 6 geprüft. Jeder Option wird dann eine Dringlichkeitseinstufung von A bis D zugewiesen. Diejenigen Flächen mit mehr A Markierungen erhalten die höhere Aufarbeitungspriorität.

  1. Nadelholz vor Laubholz Nadelholzflächen mit = "A"; wertvolles Buchenlaubholzes = "A" oder "B"; Eichen = "C" oder" D"
  2. Kleinflächen vor Großflächen (siehe Anlage 2)
  3. Bruchholz vor Wurfholz (siehe Anlage 3)
  4. Hangabwärts geworfene vor hangaufwärts geworfenen Bäumen
  5. Lebendkonservierbare Fichten später
  6. Warme Lagen vor kälteren Lagen (Südhänge und Tallagen vor Nordhängen und Hochlagen)

Für das aufgearbeitete Sturmholz sind ggf. die jahreszeitlich gebotenen Bekämpfungsmaßnahmen durchzuführen. Eine weitere Option bildet die Lagerung in Trocken- oder Nasslagern. Nasslager sind nur für Käfer-freies Holz sinnvoll. Denn durch die Fraßgänge kann die Feuchtigkeit in den Stamm eindringen und zu Verfärbungen und damit zu einer Entwertung führen. Auch die Trockenlagerung ist mit Risiken behaftet.

Weitere Informationen zum Umgang mit Sturmschäden finden Sie hier.

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Der Wald kann seine positive Wirkung für Klimaschutz, Luftreinhaltung, Erholung, Rohstoffgewinnung, Wasserspeicherung und Biodiversitätsschutz am besten erfüllen, wenn er gesund und vital ist.

Massenhafter Borkenkäfer-Befall und falsche Baumartenwahl gefährden dies. Daher gilt es neben dem Bekämpfen von Akut-Befall in Forst und Wald vorzubeugen

  • durch "Saubere Waldwirtschaft" sowie zuvorderst
  • durch Naturnahe Waldwirtschaft.
Saubere Waldwirtschaft

Unter sauberer Waldwirtschaft werden verschiedene Maßnahmen zusammengefasst, die zum Ziel haben, das Brutraumangebot für Borkenkäfer während der Flugzeit generell zu minimieren. Damit können Borkenkäferkalamitäten effektiv verhindert werden. Hierzu gehören organisatorische Maßnahmen sowie mechanisch-technische Bekämpfungsmethoden.

Organisatorische Maßnahmen:

  • Nadelholzeinschlag im Herbst und frühen Winter
    Hier ist das Risiko einer Abfuhr nach Schwärmbeginn geringer. Außerdem ist Kronenrestholz - witterungsabhängig - zur Schwärmzeit ggf. nicht mehr bruttauglich.
  • Sicherstellung einer rechtzeitigen Holzabfuhr, d.h.:
    a) Holzabfuhr von im Winterhalbjahr eingeschlagenen Holz vor Schwärmbeginn,
    b) Holzabfuhr von befallenem Holz vor Ausflug der Käfer. Dies gilt sowohl für im Winterhalbjahr als auch für im Sommer eingeschlagenes Holz.

Mechanisch-technische Maßnahmen:

  • Entrindung, wenn eine rechtzeitige Abfuhr nicht gewährleistet ist.
  • Häckseln von Kronenrestholz, zur Verhinderung das fängisches Material im Bestand verbleibt.
Naturnahe Waldwirtschaft

Die wichtigste Art der Vorbeugung ist eine naturnahe und den natürlichen Bedingungen angepasste Waldwirtschaft.

"Naturnah" bedeutet vor allem, dass natürliche Prozesse bei der Bewirtschaftung berücksichtigt und nutzbar gemacht werden. Hierzu gehört eine Baumartenwahl die sich an den natürlichen Gegebenheiten vor Ort orientiert. Das schließt im Hinblick auf den Klimawandel die Berücksichtigung ursprünglich nicht in Mitteleuropa heimischer Baumarten nicht aus!

"Naturnah" bedeutet auch den Verzicht auf Kahlschläge und die Nutzung der natürlich angesamten jungen Bäume. Ein weiterer Aspekt ist die Förderung der biologischen Vielfalt beispielsweise durch das Belassen absterbender und abgestorbener Bäume im Wald. Natürliche Gegenspieler der Borkenkäfer wie Spechte werden so gefördert und Borkenkäfer selbst finden schlechtere Verbreitungsmöglichkeiten als in gleichaltrigen Monokulturen. Mittel- bis langfristig entwickeln sich so struktur- und artenreiche Mischwälder.

Diese Art der Bewirtschaftung hat mehrere Vorteile. Sie ist kostengünstiger, da weniger Aufwand für Pflanzungen und Pflege betrieben werden muss. Naturnahe Wälder sind zudem widerstandsfähiger gegenüber Windwurf, Witterungsextremen und Insekten, was ebenfalls Kosten spart. Nicht zuletzt habe naturnahe Wälder in der Regel auch einen höheren ökologischen Wert, da sie Nischen für viele Pflanzen- und Tierarten bieten.

Die Wahl "standortgerechter", also den natürlichen Gegebenheiten vor Ort angepasster, Baumarten ist ein wichtiger Aspekt naturnaher Waldwirtschaft. Jede Baumart hat unterschiedliche Ansprüche an die Umweltbedingungen an ihrem Wuchsort. Wichtige Faktoren sind die Niederschlagsmenge, die Temperatur, die Nährstoffversorgung sowie die Bodenart. Stimmen Ansprüche und Standortbedingungen nicht überein sind sie anfälliger gegenüber Witterungsextremen und Schädlingsbefall.

Die Fichte ist eine Baumart der feucht-kühlen Mittelgebirgslagen mit hohen Niederschlägen und niedrigen Jahresdurchschnittstemperaturen. Insbesondere auch nach dem zweiten Weltkrieg wurden großflächig vorhandene Kahlflächen (aus Not- und Reparationshieben) mit Fichten aufgepflanzt. Fichten waren damals das einzige in großen Mengen zur Verfügung stehende Pflanzgut. Sie waren als schnell wachsende Bäume auch die erste Wahl, um dem Holzmangel zu begegnen. Die Themen Klimawandel und Biodiversität, die die reinen Fichtenbestände heute in einem negativen Licht erscheinen lassen, waren damals noch nicht bekannt.

So hat sie heute insbesondere in tiefergelegenen wärmeren Lagen mit geringeren Niederschlagsmengen oder auch auf ungeeigneten Böden auf Flächen auf denen sie nicht standortgerecht ist schwer zu kämpfen. Diese Problematik verschärft sich im Klimawandel, der höhere Temperaturen, eine Häufung von Witterungsextremen sowie einen Rückgang der Niederschlagsmengen zur Folge hat noch weiter.

Um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen hat das Umweltministerium mit Wald und Holz NRW, Waldbesitzenden und Naturschutzverbänden ein neues, umfassendes Waldbau-Konzept entwickelt. Darin ist beschrieben, wo welche Baumarten in welcher Mischung am besten gedeihen.

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