Wälder im Ruhrgebiet besser vor Bränden schützen
Regionalforstamt Ruhrgebiet bringt Forst, Feuerwehr und Wissenschaft an einen Tisch
Gelsenkirchen – Waldbrände sind längst nicht mehr nur ein Problem südlicher Länder. Auch in Nordrhein-Westfalen steigt die Gefahr – Hitzesommer, anhaltende Trockenperioden machen Wälder zunehmend anfällig für Feuer. Das Regionalforstamt Ruhrgebiet hat jetzt gemeinsam mit Waldbesitz, Feuerwehr, Behörden und Wissenschaft nach Antworten gesucht.
Wissen aus erster Hand: Interne Fortbildung für das Forstamt
Am 22. September erhielten die Mitarbeitenden des Forstamts zunächst eine intensive Schulung. Eingeladen waren zwei international ausgewiesene Experten:
- Prof. Dr. Johann Georg Goldammer, Leiter des Global Fire Monitoring Centers und renommierter Feuerökologe, und
- Juliane Baumann, Inhaberin des Unternehmens Brandherde und erfahrene Feuerwehrfrau in Spanien.
Beide vermittelten praxisnah Grundlagen des Brandverhaltens, Besonderheiten der Feuerökologie und Strategien des Feuermanagements.
Runder Tisch „Waldbrand“: Expertise aus Wissenschaft und Praxis
Am 23. September lud das Regionalforstamt zum Runden Tisch „Waldbrand“ nach Gelsenkirchen ein. Über 60 Vertreterinnen und Vertreter aus Feuerwehren, der Polizeifliegerstaffel, Forst- und Naturschutzbehörden, Waldbesitz sowie Wasserwirtschaft der Kommunen Dorsten, Haltern, Oer-Erkenschwick, Marl, Datteln, Ennepetal, Gevelsberg sowie der kreisfreien Städte Duisburg und Hagen nahmen teil. Damit waren erstmals alle Akteure an einem Tisch vereint, die bei der Waldbrandprävention und -bekämpfung im Ruhrgebiet eine Rolle spielen.
Nach einer Begrüßung durch Forstamtsleiterin Meike Steimann und Hartwig Dolgner, kommisarischer Fachbereichsleiter des Fachbereichs IV Hoheit, Schutzgebiete, Umweltbildung, folgten vier Fachvorträge.
Markus Schwarz vom Institut der Feuerwehr zeigte auf, wie wichtig fundierte Waldbrandkonzepte in der Praxis sind und welche Herausforderungen Einsatzkräfte bei Vegetationsbränden bewältigen müssen.
Prof. Dr. Goldammer und Juliane Baumann stellten das „Freiburger Konzept“ vor, das durch enge Zusammenarbeit von Feuerwehr und Forst seit über zehn Jahren erfolgreich funktioniert. Dabei wurde klar: Mangelnde Kommunikation zwischen den Akteuren ist oft ein wesentliches Problem.
Friedrich Louen, Fachgebietsleiter im RFA Ruhrgebiet, lenkte den Blick auf regionale Besonderheiten: komplexe Waldbesitzstrukturen, Zuständigkeitsfragen sowie die besondere Lage vieler Wälder in unmittelbarer Nähe zu Wohn- und Industriegebieten.
Zum Abschluss präsentierten Jochen Jansen und Christian Guth vom Kommunalbetrieb Grün und Gruga Essen gemeinsam mit Lucas Müller von der Feuerwehr ein gelungenes Praxisbeispiel: eine funktionierende Kooperation, die zeigt, wie Wald- und Brandschutz Hand in Hand gelingen kann.
Austausch in Arbeitsgruppen: regional Maßnahmen für Waldbrandprävention und -reaktion
Im zweiten Teil der Veranstaltung arbeiteten die Teilnehmenden in kleineren Gruppen. Zunächst wurden regionale Maßnahmen diskutiert, welche für eine erfolgreiche Waldbrandprävention und -reaktion notwendig sind. Anschließend tauschten sich Feuerwehr, Waldbesitz und Behörden in fachspezifischen Gruppen über die ihnen zugeordneten Maßnahmen aus.
Positive Resonanz und konkrete Perspektiven
Das Feedback der Teilnehmenden fiel durchweg positiv aus. Viele regten an, den Runden Tisch als feste Einrichtung fortzuführen. Erste Ideen liegen bereits auf dem Tisch: Jährliche Treffen auf Kreisebene, jeweils im Frühjahr zur Vorbereitung der Waldbrandsaison und im Herbst zur Nachbereitung, könnten künftig zum Standard werden.
„Die zwei Tage haben uns deutlich vor Augen geführt, dass Waldbrandschutz nur gemeinsam gelingen kann“, fasst Forstamtsleiterin Meike Steimann zusammen. „Ob Feuerwehr, Forst oder Waldbesitz – jeder bringt unverzichtbares Wissen ein. Erst im Zusammenspiel entsteht wirkungsvoller Schutz für unsere Wälder,“ ergänzt Friedrich Louen.
Mit der Veranstaltung hat das Regionalforstamt Ruhrgebiet einen wichtigen Impuls gesetzt: Die Wälder der Region sollen nicht nur besser geschützt, sondern auch für die Zukunft klimastabiler gemacht werden. Der Weg dahin führt über Wissenstransfer, regelmäßigen Austausch und das Engagement aller Beteiligten.




