Waldschutz-Infomeldung Nr. 5/2026 vom 12.06.2026
Ergebnisse der jährlichen Abfrage in den Kommunen NRWs zum Vorkommen des Eichenprozessionsspinners für 2025
Seit 2018 führt das Team Wald- und Klimaschutz des Zentrums für Wald und Holzwirtschaft jährlich eine Abfrage zum Vorkommen des Eichenprozessionsspinners (kurz EPS) in den Kommunen NRWs durch, um die Ausbreitungsdynamik und die angewandten Gegenmaßnahmen zu dokumentieren. Die Brennhärchen der Raupen können Juckreiz und allergische Reaktionen auslösen.
Verbreitung und Befallstrend des EPS 2025
Seit 2018 verbreitet sich der EPS massenhaft und zunehmend gen Osten. Ab 2022 ist ein Rückgang der Abundanz (Populationsdichte) erkennbar und einige Kommunen meldeten im Verlauf dieser Entwicklung sogar eine Befallsfreiheit. Für das Jahr 2025 erhielt das Team Wald- und Klimaschutz Rückmeldungen von 248 Kommunen – dies entspricht 63 % der Kommunen in NRW. Von den 248 Rückmeldungen bestätigten 58 % ein Vorkommen des EPS (Abb. 2 A). 46 % der Kommunen, die Angaben zur Befallsentwicklung machten, berichteten von einem abnehmenden Trend (Abb. 2 B).
Wie in den letzten Jahren verzeichnete der Nordosten NRWs mit den Kreisen Minden- Lübbecke, Paderborn und Gütersloh weiterhin eine Zunahme der Befallssituation (Abb. 2 C). Hier kam es zu Neubefall in einigen Kommunen dieser Kreise sowie im Kreis Lippe. Im Südwesten NRWs hingegen meldeten mehrere Kommunen im Kreis Euskirchen eine Befallszunahme. Auch im Kreis Düren bestätigten erstmals fünf weitere Kommunen das Auftreten des EPS (Abb. 1). Die höheren Lagen der Eifel und des Sauerlandes blieben wie in den letzten Jahren befallsfrei. Im übrigen NRW ist der Befallstrend weiterhin oft rückläufig. Gleichzeitig nahm jedoch der Anteil der Kommunen mit gleichbleibendem oder zunehmendem Befall wieder zu. Der seit 2022 beobachtete Rückgang scheint sich damit 2025 erstmals leicht umzukehren.
Weitere Ergebnisse – Befallssituation
Eine hohe Dichte an EPS-Nestern ist vor allem im öffentlichen Grün wie z.B. in Parks oder im Straßenbegleitgrün zu beobachten (Abb. 3). An Solitärbäumen finden die wärmeliebenden Raupen durch die höhere Sonneneinstrahlung günstigere Bedingungen als in Beständen mit geschlossenem Kronendach, wie beispielsweise im Wald. Die Meldungen sind mit denen des Vorjahres vergleichbar, mit einer leichten Tendenz zu mehr Rückmeldungen aus dem Wald.
Weitere Ergebnisse - Bekämpfungsmaßnahmen
Ziel dieser Abfrage ist auch die Erfassung der angewandten Bekämpfungsmaßnahmen. Die häufigste angewandte Methode ist das konventionelle mechanische Absaugen der Nester – aufwändig aber effektiv. Die Installation von (Meisen-)Nistkästen (Platz 2) und die damit erbundene Förderung natürlicher Gegenspieler kann nur als kleiner Teil der natürlichen Regulation verstanden werden und bewirkt für sich allein keinen spürbaren Effekt. Dort, wo allein diese Methode angewendet wird, bleibt zudem die gesundheitliche Gefahr für den Menschen bestehen, da die Nester in den Bäumen verbleiben. Auf Platz 3 wird der Einsatz von Bacillus thuringiensis-Präparaten (Bt) genannt – ein natürliches Bioinsektizid, welches auf die Blätter gesprüht und durch den Blattfraß der Raupen aufgenommen wird. Diese Methode ist eine präventive Maßnahme, da sie gezielt im Frühjahr während der ersten Larvenstadien durchgeführt wird. So wird die Entwicklung bereits im Anfangsstadium unterbunden und es kommt erst gar nicht zu der Entstehung gefährlicher Brennhärchen.
Wie die jeweiligen Methoden von den Kommunen bzgl. ihrer Wirksamkeit bewertet werden, können Sie der Abbildung 4 B entnehmen. Viele Kommunen bewerteten den Einsatz von Bt-Präparaten und die mechanische Absaugung durchweg gut, mit durchschnittlich vergebenen Schulnoten von 2,1 bzw. 2,2. Noch besser schnitt die Bekämpfung mittels Heißschaum ab (Note 2,0) – allerdings basiert dieses Ergebnis lediglich auf neun Rückmeldungen. Bei diesem Verfahren wird das Nest mit heißem Wasser infiltriert. Dabei wird die Tatsache genutzt, dass das Nesselgift in den Brennhaaren ein Protein ist, das bei höheren Temperaturen denaturiert und dadurch unschädlich wird.
Weiter wurde der Einsatz von Nematoden, Catefix und Neem-Protect als gut bis befriedigend angesehen. Kurzer Exkurs: Nematoden sind kleine Fadenwürmer, die in die Raupen eindringen und sie durch Bakterien abtöten; Catefix ist eine Fixierungsflüssigkeit; und NeemProtect ist ein Extrakt aus dem indischen Niembaum mit insektizider Wirkung. Als ausreichend wurden Nistkästen und die Superol-Falle beurteilt.
Aussichten für das Jahr 2026
Die Eiablage im (Spät-)Sommer letzten Jahres legt den Grundstein für die diesjährige EPS-Saison. Mit einem leicht erhöhten Vorkommen im Jahr 2025 bleibt nun abzuwarten, ob die lokalen und überregionalen Populationen wieder zunehmen werden. Der trockene, sonnenscheinreiche und warme April 2026 bot jedenfalls gute Entwicklungsbedingungen. Demgegenüber reduzieren ungünstige Witterung, natürliche Gegenspieler und kommunale Bekämpfungsmaßnahmen die Abundanz.
Tagesaktuelle Modellierung der EPS-Entwicklungsstadien
Das im letzten Jahr eingeführte Prognosemodell „PHENTHAUproc“ zur EPS-Entwicklung, welches die potenzielle phänologische Entwicklung der einzelnen Larvenstadien bis hin zum Falterflug visualisiert, wurde von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg, dem Institut für Forstentomologie, Forstpathologie und Forstschutz – Boku Wien und dem Deutschen Wetterdienst entwickelt und ist hier aufrufbar. Aktuell (Anfang Juni) ist in fast ganz NRW mindestens das 3. Larvenstadium modelliert. Am Niederrhein und in Teilen des Münsterlands ist bereits das 5. Larvenstadium erreicht.
Weitere Links
Infomeldung-3-2025: EPS-Abfrage 2024



