Waldschutz-Infomeldung Nr. 1/2026 vom 30.03.2026
Geschwächte Eichen in ganz NRW – Optimale Bedingungen für den Eichenprachtkäfer
Eichenbestände kontrollieren und abgewogene Maßnahmen durchführen.
Ausflugsbeginn der Eichenprachtkäfer Anfang Mai.
Verbreitung des Befalls
Aus allen Regionalforstämtern wurden regional vorkommende Schäden in Zusammenhang mit dem Eichenprachtkäfer (Agrilus biguttatus) gemeldet (s. Abb.1).
Besonders betroffen sind vorgeschädigte Bestände, da der Eichenprachtkäfer vor allem geschwächte Bäume befällt.
Der Schwerpunkt des Schadgeschehens liegt in den Regionalforstämtern Münsterland, Niederrhein und Rhein-Sieg-Erft. Einzelbäume und
Baumgruppen sind die Hotspots von denen oft eine weitere Ausbreitung ausgeht.
Merkmale
Der Hauptfokus liegt im Frühjahr auf folgenden Merkmalen:
1. rötlich erscheinende Rinde durch Spechtabschläge;
2. D-förmige Ausbohrlöcher (alt & ab Mai neue Käfer-Generation);
3. EPK-Larven, EPK-Larvengänge unter der Rinde.
Kontrollen/ Gegenmaßnahmen
Insbesondere vorgeschädigte Eichenbestände sollten weiterhin auf den Befall mit Eichenprachtkäfer kontrolliert werden. Befallene Bäume zeigen jetzt vor allem rötliche Stellen am Stamm, wo der Specht die äußere Schicht der Borke auf der Suche nach Prachtkäferpuppen und Jungkäfer abgeschlagen hat (sog. „Spechtabschläge“, s. Abb.2). Die Rinde kann dann auch in ganzen Partien am Stamm rot erscheinen („rötende Rinde“, siehe Abb.2). Befallene Eichen sind rechtzeitig bis zum Ausflug der Käfer einzuschlagen, zu rücken und bis Ende April aus dem Bestand abzufahren. Weitere wichtige Informationen zum Umgang mit geschädigten Beständen, insbesondere auch zu natur- und artenschutzrechtlichen Aspekten, finden Sie im aktuell erschienenen Eichenprachtkäfer-Leitfaden sowie in der Waldschutzinfo-Meldung des Zentrums für Wald und Holzwirtschaft Nr. 01-2025.
Holzbrütende Insekten
Im Jahr 2025 ist zudem aufgefallen, dass in den zumeist durch Eichenprachtkäfer geschädigten Beständen zusätzlich ein Befall mit holzbrütenden Insekten an stehenden, absterbenden Bäumen auftrat. Als holzbrütende Arten kommen dort neben dem Eichenkernkäfer (Platypus cylindrus), der Eichenholzbohrer (Xyleborus monographus) und Eichennutzholzborkenkäfer (Xyloterus signatus) vor. Vor allem die ersten beiden genannten Arten bilden ihre Fraßgänge bis tief in das Kernholz. Diese Kombination und Abfolge von verschiedenen rinden- und holzbrütenden Käferarten sowie die Bedeutung älterer Eichenbestände für den Natur- und Artenschutz erfordern einen abgewogenen Umgang mit geschädigten Beständen.


