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Vom Rothaarsteig in den Regenwald

Musiker der Philharmonie Südwestfalen

09.09.19

Von einem Geheimtipp kann man nun nicht mehr sprechen - Diethard Altrogge, der Leiter des Regionalforstamtes, konnte zur beliebten Matinee im Forsthaus Hohenroth erneut zusammen mit dem Verein Waldland Hohenroth zahlreiche Besucher begrüßen und wies darauf hin, dass in diesem Jahr bereits das elfte Konzert dieser Art hochwertige Kammermusik in die ungewöhnliche, aber reizvolle Kulisse in das Forsthaus brachte. Leider "nur" in das Haus, das Wetter eignete sich nicht, um draussen zu konzertieren.

In diesem Jahr holte sich ein Streichquintett exzellente Verstärkung mit dem Gitarristen José Fernandez Bardesio. Wie auch in den Vorjahren ließ es sich der Intendant der Philharmonie Michael Nassauer nicht nehmen, ebenso informativ wie kurzweilig durch das Programm zu führen.

So bindet das Landesorchester im Laufe der Jahre viele Musiker aus aller Welt an sich, die heimisch werden im Siegerland - aber ihre Wurzeln nicht vergessen. German Prentki, Cellist und langjähriger Kammermusiker, konzipierte ein Programm, welches Europa mit seiner Heimat in Südamerika wunderbar kombinierte.

Der Start war Wolfgang Amadeus Mozart vorbehalten, dessen Genialität bereits im Alter von 17 Jahren das Streichquartett KV 157 zu einem besonderen Werk werden ließ. Zwischen zwei Opern war dem jungen Komponisten auf einer Italienreise langweilig - und er schuf dieses Quartett, in welchem kein geringer als Albert Einstein schon die große spätere Meisterschaft entdeckte.

Es folgte Luigi Boccherinis Fandango aus dem Quintett Nr. 4, bei dem sich zu den vier Streichern erstmals die Gitarre gesellte. Cellist Prentki griff sogar zu Kastagnetten und so erlebten die Zuhörer einen berauschenden Satz, dem ein spanischer tanz zu Grunde liegt.

Boccherini legte seinerzeit die Grundsteine dafür, dass nicht nur das Cello ( er spielte selber dieses Instrument meisterhaft), sondern auch die zweite Violine und die Viola nicht nur begleitende Stimmen fortan erhielten, sondern virtuos selber gefordert waren . Hyeokchun Gwon an der Violine und Daniel Ibanez Garcia nahmen das sehr dankbar an und hatten sichtlich Freude am gemeinsamen Musizieren.

Glänzen konnte dann auch Kathrin Burkowitz an der ersten Violine beim folgenden Streichquartett Nr. 1 von Heitor Villa-Lobos. Dieser konnte im letzten Jahrhundert in einer Zeit, in der sich in Südamerika musikalisch vieles neu orientierte, seinen ganz eigenen Stil kreieren und die Zuhörer erfuhren, dass er während seinem Aufenthalt in Paris zum regelrechten Partylöwen mutierte.

Nach der Pause präsentierten die Musiker zwei vermutlich eher unbekannte Komponisten. Zunächst erklang " Der Winter" und "Der Frühling" von Maarten Hartveldt - einem holländischen Komponisten, der zwei Mal für den Grammy nominiert wurde und dessen Musik tagtäglich im niederländischen Freizeitpark Efteling erklingt. Seine Musik geht in die Fläche und erinnert an Filmmusik. Erstmals gesellte sich hier auch Albert Vinas Terris am Kontrabass zu seinen Kollegen und hatte sichtlich Freude am gemeinsamen Spiel, bei dem der Gitarrist recht große Spielanteile in Kadenzen hatte.

Den Schlusspunkt setzte ein Streichquintett des großen Bandoneonisten Luis Di Matteo. Der heute 85-jährige Komponist lebt in Montevideo und ist German Prentki seit langem freundschaftlich verbunden, sorgte dieser doch für seinen ersten Auftritt in Deutschland.

Mit reichhaltigem Applaus erkauften sich die begeisterten Zuhörer eine Wiederholung des Fandango und es bleibt zu hoffen, dass diese Konzertreihe "Musik im Wald" auch in Zukunft Bestand haben wird.

Michael Nassauer
Intendant Philharmonie Südwestfalen


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