Saatguternte: Zweites Mastjahr bei der Stieleiche
Erstes Zwischenfazit offenbart Ungewöhnliches
Arnsberg, 27. November 2025 – Die diesjährige Saatguternte in den Wäldern Nordrhein-Westfalens zeigt ein bemerkenswertes Bild: Zum zweiten Mal in Folge tragen viele heimische Eichen besonders reichlich Früchte. Eine positive Nachricht für den Wald. Denn eine gute Saatguternte stellt eine entscheidende Grundlage für die Wälder von morgen dar: Jeder einzelne Samen trägt das Potenzial in sich, zu einem stattlichen Baum heranzuwachsen.
Jedes Jahr produzieren die Bäume in den Wäldern von Nordrhein-Westfalen beeindruckende Mengen an Samen. Und auch in diesem Jahr konnte bereits tonnenweise forstliches Saatgut geerntet werden. Das zeigt ein erstes Zwischenfazit, welches der Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen nun während der diesjährigen Saatguternte gezogen hat.
Stieleiche ist Spitzenreiter
Zwei sogenannte Mastjahre hintereinander, wie es die Stieleiche nun zeigt, sind eher ungewöhnlich. Mit knapp 36 Tonnen liefert sie die höchste Erntemenge des Jahres. Auch die Traubeneiche, die zwar kein zweites Mastjahr zeigt, liefert in diesem Jahr rund 5,5 Tonnen Saatgut. Zwar liegen die Mengen damit deutlich unter den Werten des Vorjahres (87 bzw. 86 Tonnen), dennoch sind das erfreuliche Ergebnisse: Eichen gelten als robuste und klimaresistente Baumarten, die im zukünftigen Mischwald eine zentrale Rolle spielen werden.
Auch weitere Baumarten zeigen solide Ernteergebnisse.
Besonders hervorzuheben sind:
• Vogelkirsche: ca. 2,7 Tonnen
• Roteiche: ca. 2,5 Tonnen
• Esskastanie: ca. 0,7 Tonnen
Diese Arten gewinnen im klimaangepassten Waldumbau zunehmend an Bedeutung und tragen wesentlich zur zukünftigen Baumartenvielfalt in NRW bei.
Schwaches Jahr für Buche, Ahorn und Linde
Während die heimischen Eichen reichlich Samen bildeten, blieb die Fruchtbildung bei anderen bekannten Baumarten aus: Die heimische Rotbuche zeigt 2025 keine Fruchtbildung, die eine Ernte ermöglicht. Auch Spitzahorn, Bergahorn, Roterle und Hainbuche liefern nur geringe Mengen Saatgut.
Auffällig ist die Situation bei den Linden. Obwohl im Frühjahr viele Bäume stark geblüht hatten, führten ungünstige Witterungsbedingungen dazu, dass kaum Saatgut geerntet werden konnte. Zwar wurden auch von der Linde Samen ausgebildet, Sturm sorgte aber dafür, dass viele Samen vor der Ernte von den Bäumen gefallen waren. Lediglich Saatgut der Winterlinde konnte mit knapp 130 kg geerntet werden.
Nadelgehölze mit verhaltenen Ergebnissen
Die Saatguternte der Nadelbaumarten fällt 2025 insgesamt durchwachsen aus. Wie schon im Vorjahr blieb die Douglasie erneut vollständig ohne Ertrag. Auch die Große Küstentanne, Fichte und Europäische Lärche liefern in diesem Jahr keinerlei verwertbares Saatgut.
Positive Ausnahmen sind:
• Weißtanne: ca. 1 Tonne
• Japanische Lärche: ca. 1,3 Tonnen
Die Aussichten für die Kiefer sind eher zurückhaltend: Zwar hängen Zapfen an einigen Bäumen, doch ein volles Mastjahr zeichnet sich nicht ab. Genaue Ergebnisse werden erst Untersuchungen (Zapfenschnitte) der Saatgutexpertinnen und -experten aus dem Zentrum für Wald und Holzwirtschaft in Arnsberg in den kommenden Wochen zeigen.
Starkes Jahr für Wildobst und Straucharten
Eine erfreuliche Entwicklung zeigt sich dagegen beim Wildobst – insbesondere bei Wildapfel und Wildbirne – sowie bei vielen heimischen Straucharten. Auch wenn diese Arten in der klassischen Forstwirtschaft eine eher untergeordnete Rolle spielen, sind sie für die ökologische Vielfalt und die Stabilität unserer Wälder von zentraler Bedeutung.



