Skip to main content
Förderung für
den Waldbesitz

Neue Herausforderungen für heimische Amphibienarten

19.12.19Pressemitteilung

Beim Amphibienworkshop am Freitag, den 29.11.2019, im Waldinformationszentrum Hammerhof wurden zusammen mit Salamanderforscherin Vanessa Schulz und Amphibienexperten Patrick Urban die Auswirkungen von Klimawandel und Globalisierung auf die Amphibien näher beleuchtet.

Mehr als 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Kreisbehörden, Biostationen, des ehrenamtlichen Naturschutzes und Kommunikatoren sowie viele interessierte Bürgerinnen und Bürger folgten der Einladung des EU-Naturschutzprojektes „Tuff-LIFE“ zu Quellen und Bächen in den Kreisen Höxter und Paderborn in das Waldinformationszentrum.

Obwohl die Begriffe „Globalisierung“ und „Klimawandel“ längst keine unbekannten mehr sind, lassen sich die Auswirkungen derer auf die heimische Biodiversität bisher noch nicht konkret einschätzen. Erste Veränderungen sind bereits spürbar: Seien es, wie unlängst zu bemerken, extreme Sommer mit höheren Durchschnittstemperaturen und geringeren Niederschlägen infolge des Klimawandels oder die Einschleppung und Ausbreitung neuartiger Pathogene in Europa infolge der Globalisierung. Darauf machte auch Förster Ulrich Hipler, Leiter des Teams Waldnaturschutz von Wald und Holz NRW, noch einmal aufmerksam und stellte einleitend die klimatischen Rahmenbedingungen für Nordrhein-Westfalen vor.Eine von diesen Auswirkungen besonders betroffene Tiergruppe sind die Amphibien. Von 21 in Deutschland vorkommenden Amphibienarten stehen bereits einige auf der Roten Liste der gefährdeten Arten, weitere auf der Vorwarnstufe. Ohnehin ist die Artenanzahl der Amphibien im Vergleich zu anderen Tiergruppen deutlich überschaubar.

Was ändert sich also für die Amphibien in Zeiten des Klimawandels? Sind sie, als auf aquatische Lebensräume angepasste Tiere, auch automatisch die Verlierer des Klimawandels? Diesen Fragestellungen näherte sich der Biologe Patrick Urban in einem umfassenden Überblick über die Anpassungsfähigkeit von Frosch und Co.

In seinen Ausführungen wurde deutlich, dass es keinesfalls nur Verlierer geben wird. Viele Amphibienarten besitzen ihre ganz eigenen Anpassungsstrategien. So ist zu vermuten, dass die Amphibien in begrenztem Umfang auf das vorzeitige Austrocknen von Gewässern durch Abwandern oder geringe Entwicklungszeiten reagieren könnten. Bezogen auf die europäischen Verbreitungsgebiete ist anzunehmen, dass sich die Amphibien durch die sich ändernden Bedingungen infolge steigender Temperaturen nördlichere Gebiete erschließen könnten und so weiterer Unterarten auch in Deutschland einwandern. Kritischer kann es hingegen für hochspezialisierte Arten, wie den Moorfrosch, werden. Seine Ausbreitungsareale sind bereits jetzt, durch die Abhängig von zahlreichen Faktoren, wie Temperatur, passender Habitate und chemischer Parameter sowie eines geringen Toleranzbereiches, stark begrenzt. Grundvoraussetzung und eine unmittelbare Herausforderung für den Arterhalt ist damit, nach wie vor, der Schutz der Lebensräume. Darauf machte auch Försterin Lena Bleibaum im Vortrag zum LIFE-Projekt über Kalktuffquellen und sich anschließende Bäche aufmerksam und stellte Projektziele und Vorhaben dem Publikum vor.

Sowohl im Naturschutz als auch explizit im Artenschutz nehmen Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung eine zentrale Rolle ein. Dies wurde am Schicksal des Feuersalamanders mehrmals verdeutlicht. So steht der Feuersalamander auch Mittelpunkt zahlreicher Ferienaktionstage und der aktuellen Jugend-AG des Naturschutzprojektes „Tuff-LIFE“.

Mit einem Schwenk auf Maskottchen „Lurchi“ leitete Naturfilmer Ulrich Haufe mit dem Film „Im Wald der Feuersalamander“ zur Bedrohung des Feuersalamanders ein. Denn dieser wird, als eigentlich fester Bestandteil unserer heimischen Laub- und Laubmischwälder, aktuell von einem aus Asien stammenden, tödlichen Hautpilz bedroht. Ein Befall der Tiere mit Batrachochytrium salamandrivorans oder kurz „Bsal“ führte bereits in den Niederlanden und Belgien zu einem erheblichen Einbruch der Salamanderpopulationen.

Die Biologin Vanessa Schulz von der Universität Leipzig untersucht im Rahmen einer Projektgruppe die Ausbreitung und Entwicklung des Chytridpilzes Bsal und stellte während der Amphibienveranstaltung im Hammerhof ihre neusten Erkenntnisse vor. So kommt der tödliche Hautpilz seit einigen Jahren auch in Nordrhein-Westfalen vor. Zunächst nur in der Eifel auftretend, breitet sich der Hautpilz aktuell im Ruhrgebiet zunehmend aus und führt dort zu massiven Verlusten.

So liegt die Dramatik im Befall der Tiere nicht allein im bundesweiten Verbreitungsschwerpunkt der Art auf europäischer Ebene, NRW beherbergt, neben einigen weiteren Bundesländern, die größten Populationen der Tiere. Zudem bleibt der Pilz noch lange infektiös und kann als Dauerspore unbeschadet mehrere Jahre im Erdboden verweilen. Im Gegensatz zu den Molchen, die ebenfalls vom Pilz befallen werden können und dessen Befall nicht zwingend tödlich verläuft, reicht bei Feuersalamandern tatsächlich nur eine Spore, um die Krankheit ausbrechen zu lassen, erläuterte Schulz anhand ihrer Laboruntersuchungen. Auch die Verbreitung des Pilzes verläuft vielfältig. Nicht nur Wasser, Vögel oder weitere Waldtiere gelten als potentielle Überträger, auch Erholungssuchende, Förster, Biologen und Forstmaschinen, die sich in betroffenen Lebensräumen bewegen, können die Ausbreitung stark beschleunigen. Zur Minimierung dieser anthropogenen Bedingungen in der Ausbreitung hilft nur das Abtöten des Pilzes an Mensch und Maschine über Desinfektion. Um das Bewusstsein dafür zu stärken, ist es zunächst jedoch erforderlich die Menschen für das Thema zu sensibilisieren.

Daher diente die Veranstaltung nicht nur dem reinen wissenschaftlichen Austausch, auch ging es darum, mit verschiedenen Institutionen und Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen, zu diskutieren und den Austausch zu fördern. Denn gerade bei den Vorsorgemaßnahmen zur Ausbreitung des Bsal-Pilzes gilt es möglichst viele Menschen zu erreichen.
Daran knüpft das Naturschutzprojekt „Tuff-LIFE“ auch im kommenden Jahr mit öffentlichen Führungen in den Projektgebieten und verschiedenen Veranstaltungen wieder an. Daneben führt das Regionalforstamt Hochstift im Rahmen des Projektes erste biotopverbessernde Maßnahmen an den Quellen und Bachläufen ab dem kommenden Frühjahr durch. Bestandesaufnahmen und Bsal- Beprobungen der Feuersalamanderpopulationen in den einzelnen Projektgebieten im Frühjahr 2020 werden zeigen, ob der Bsal-Pilz auch schon in den Kreisen Paderborn und Höxter vorkommt.
Weitere Inhalte der Veranstaltung werden in den nachfolgenden Videomitschnitten dargestellt:

Ansprechpartner

Wald und Holz NRW
Lena Bleibaum
Walme 50
34414  Warbug-Scherfede

Tel.: +49 5642 94975 17
Mobil: +49 151 58021280
vCard: laden

» Seite drucken