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Ein Jahr nach dem Orkan Friederike

Schäden immer noch sichtbar

15.01.19Pressemitteilung

Am 18. Januar 2018 fegte der Orkan Friederike über Teile Nordeuropas und verursachte insgesamt Schäden von rund einer Milliarde Euro. In NRW wurden auf dem Kahlen Asten im Sauerland Windspitzen von 142 km/h gemessen. In den Wäldern von NRW hat Friederike rund zwei Millionen Bäume umgeworfen oder abgeknickt, die meisten davon Fichten. Genau 11 Jahre nach dem Orkan Kyrill hinterließ Friederike Spuren, die einige Wälder dauerhaft verändert haben. Die größten Schäden verursachte aber nicht der Orkan sondern der darauf folgende Dürre- und Hitzesommer 2018.

In dem trockensten und laut DWD (Deutscher Wetterdienst) „wärmsten und sonnigsten Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnung“ hatten die Borkenkäfer ideale Bedingungen und ein leichtes Spiel über die von Friederike angeschlagenen Wälder herzufallen. Es kam zum größten Borkenkäferbefall der Nachkriegszeit, dem mehr Bäume zum Opfer fielen als dem Orkan. Mit den Auswirkungen werden die Forstleute in NRW noch mehrere Jahre beschäftigen sein. Die Folgen der Trockenheit werden bei den Laubbäumen erst im kommenden Sommer sichtbar und die Borkenkäfer werden voraussichtlich nach der Massenvermehrung in wenigen Monaten im Frühjahr zu einem gewaltigen Problem, befürchten die Waldschutzexperten von Wald und Holz NRW.

Andreas Wiebe, Leiter von Wald und Holz NRW: „Das letzte Jahr hat uns einen Vorgeschmack davon gegeben, wie sich der globale Klimawandel auf unsere Wälder auswirkt. Unsere Wälder fit für eine klimatisch ungewisse Zukunft zu machen, ist unsere wichtigste Aufgabe, die uns in den nächsten Jahren vor große Herausforderungen stellen wird. Dabei reicht es nicht, unsere Staatswälder zu robusteren vielschichtigen Mischwäldern umzubauen. Damit haben wir schon vor vielen Jahren begonnen. Wir müssen auch die in NRW sehr zahlreichen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer dafür gewinnen, den Waldumbau zu klimastabilen Mischwäldern voranzutreiben.“

Ein neues Waldbaukonzept unterstützt die privaten und kommunalen Waldbesitzer, denen 84% der NRW-Wälder gehören, beim Umbau der Wälder. Zur Erfüllung der vielfältigen Waldfunktionen und auf der Grundlage der Eigentümerziele werden vor allem standortgerechte Mischbestände aus überwiegend heimischen Baumarten empfohlen. Auch die Verwendung von geeignetem Vermehrungsgut spielt eine große Rolle. Einige eingeführte Baumarten aus anderen Regionen Deutschlands oder der Erde werden überwiegend als Beimischungen empfohlen. Hierbei dürfte vor allem die Douglasie zukünftig eine größere Rolle spielen, aber zum Beispiel auch die in Süddeutschland verbreitet vorkommende Weißtanne ist eine vielversprechende Baumart.

Wald und Holz NRW bietet den 150.000 Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern in seinem neuen Fortbildungsprogramm zahlreiche Schulungen zu diesem Thema an. Themenschwerpunkte sind die Bewältigung von Sturmschäden und der Waldbau im Klimawandel. Das aktuelle Fortbildungsprogramm wird im Laufe dieser Woche online gestellt: www.wald-und-holz.nrw.de/fortbildungsangebote/

Borkenkäfer und Orkan Friederike haben bei der wirtschaftlich wichtigsten Baumart, der Fichte, für rund 4 Millionen Festmeter Sturm und Käferholz gesorgt. Ein Festmeter ist ein Kubikmeter Holz, die in der Forstwirtschaft übliche Berechnungsgröße für Holzmengen. Der Holzmarkt ist extrem angespannt, da weite Teile Europas unter Stürmen und Borkenkäfern leiden. Die Preise sind teilweise auf die Hälfte gesunken. Die Lager der Sägewerke sind voll und in den Wäldern liegt noch Holz, das der Orkan Friederike geworfen hat sowie Borkenkäferholz aus dem Dürresommer. Das Holz ist größtenteils völlig in Ordnung, kann aber voraussichtlich nicht vollständig vermarktet werden, weil die Verarbeitungskapazitäten fehlen. Für Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer bedeutet das hohe Verluste. Vielen fehlt jetzt auch das Geld für eine Wiederaufforstung zu klimastabilen Mischwäldern.

Im Staatswald hat Wald und Holz NRW den Einschlag von frischem Fichtenholz eingestellt und konzentriert sich nun voll auf die Aufarbeitung der vom Borkenkäfer befallenen Wälder. Um den angespannten Markt zu entlasten, laufen derzeit Testlieferungen nach China. Dort herrscht eine rege Nachfrage nach Bauholz. Das NRW-Umweltministerium hat eine Taskforce zum Borkenkäfer eingerichtet und bei Wald und Holz NRW kümmert sich die Arbeitsgruppe Großkalamität darum, wie die für das kommende Frühjahr erwartete Massenvermehrung der Borkenkäfer in den Griff zu bekommen ist.

Das nasse und nicht zu kalte Winterwetter in den letzten Wochen ist ein Segen für die Forstleute in NRW. Bei diesem Wetter verpilzen viele der überwinternden Borkenkäfer und sterben ab. Das hilft, die Folgen von Orkan und Dürre in den Griff zu bekommen. Die Forstleute in NRW wünschen sich, dass der Winter genau so weiter geht und dass die Winterstürme in diesem Jahr einmal ein Pause einlegen.

Am stärksten vom Orkan betroffen waren in NRW die Regionen Hochstift, Soest-Sauerland und Ostwestfalen-Lippe.

Pressekontakt

Wald und Holz NRW
Michael Blaschke
Albrecht-Thaer-Straße 34
48147  Münster

Tel.: 0251/91797-210
Mobil: 0151/19514378
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