Borkenkäfer: Erste Forschungsergebnisse vorgestellt - Wald & Holz Skip to main content

Borkenkäfer: Erste Forschungsergebnisse vorgestellt

Borkenkäfer überwintern massenhaft, Holzmarkt bleibt angespannt

08.03.19Pressemitteilung

Am 7. März stellte Wald und Holz NRW in Bonn erste Ergebnisse aus einem im Herbst gestarteten Forschungsprojekt vor. Nachdem sich die Borkenkäfer im Vorjahr, begünstigt durch Sturmholz, Dürre und Hitze, massenhaft vermehrten, hatten Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer auf eine Dezimierung der Käfer über den Winter gehofft. Die aktuelle Borkenkäfersituation erforscht ein Team um den NRW-Waldschutzexperten Dr. Mathias Niesar. Hierbei zählen sie Borkenkäfer im Waldboden und Baumrinden. In den Proben suchen die Forschenden akribisch vor allem nach Ips typographus, dem Buchdrucker.

Student M. von Beverfoerde, Pressesprecher Friedrich Louen (Wald und Holz NRW) und NRW-Waldschutzexperte Dr. Mathias Niesar
Von rechts: Student M. von Beverfoerde, Pressesprecher Friedrich Louen (Wald und Holz NRW) und NRW-Waldschutzexperte Dr. Mathias Niesar (Wald und Holz NRW) mit überlebensgroßem Modell des Ips typographus – „Buchdrucker“ in den verschiedenen Entwicklungsstadien vom Ei (nur als weiße Punkte zu erkennen) über die Larven-Stadien bis hin zum erwachsenen Käfer (auf Stiel). (Foto: Nadine Neuburg, Wald und Holz NRW)

Dr. Mathias Niesar, Wald und Holz NRW, Waldschutz-Experte, dazu: „Im letzten Jahr haben sich die Käfer extrem vermehren können. Es sind also sehr viele in den Winter gegangen und, das zeigen unsere Untersuchungen, leider kommen wohl auch sehr viele gesund bis ins Frühjahr um dann wieder auszuschwärmen“. Die aktuellen Untersuchungsergebnisse zeigen, dass nur ca. 9 % dem Winter zum Opfer fielen. Im Schnitt überwintern 90 % der Buchdrucker in der Rinde und nur 10 % im Boden. „Wir haben noch ein kleines Zeitfenster von circa vier Wochen, um möglichst auch jetzt noch viele befallene Fichten einzuschlagen und aus dem Wald zu entfernen, bevor die Käfer im April stehende, gesunde Fichten attackieren“, so Niesar. Und weiter: „Wir werden nicht alles schaffen können, aber jeder Schritt zählt, um die Käferpopulation vor dem Schwärmbeginn zu verkleinern.“

Forstamtsleiter Uwe Schölmerich weist auf die Fraßgänge der Buchdrucker-Borkenkäfer in einer Rindenpartie.
Forstamtsleiter Uwe Schölmerich weist auf die Fraßgänge der Buchdrucker-Borkenkäfer. Mit dem Beil lassen sich an schwer befallenen Bäumen leicht ganze Rinden-Platten ablösen. Diese Rindenpartie ist so durchlöchert, dass die Wasserversorgung der Baumkrone kollabiert, der Baum abgestorben ist. (Foto: Nadine Neuburg, Wald und Holz NRW)

Waldbesucherinnen und Waldbesucher wunderten sich bereits im Herbst über zahlreiche tote Fichten in den Wäldern NRWs, die nicht gefällt werden, obwohl sie ganz offensichtlich todkrank sind. Dr. Niesar begrüßt das sogar: „Das ist richtig so, denn von Fichten ohne Nadeln und ohne Borke geht kein Ausbreitungsrisiko mehr aus. Die Käfer sind da schon wieder weg. Und ein zweites Mal können sie nicht befallen werden.“    

Uwe Schölmerich, Leiter des Regionalforstamtes Rhein-Sieg-Erft, dazu:  „Wir sind landesweit seit Ende Herbst letzten Jahres dabei, die befallenen Bäume mit den Borkenkäfern aus dem Wald zu schaffen. Das ist bei der riesigen Zahl eine echte Herausforderung für unsere Mitarbeitenden, die Forstunternehmer und Fuhrleute. Die Sägewerke arbeiten an der Kapazitätsgrenze. Der Preis für Käferholz hat sich bereits fast halbiert. Wir müssen sogar damit rechnen, dass ein Teil der toten Bäume nicht rechtzeitig absetzbar sein wird. Alles hängt vom weiteren Witterungsverlauf ab.“

Andreas Wiebe, Leiter von Wald und Holz NRW: "Unsere Waldschutzexperten und Forstleute bereiten sich konzentriert und fachkundig auf die Massenvermehrung der Borkenkäfer vor, die sich bei ungünstigem Witterungsverlauf in wenigen Wochen unvermindert fortsetzen kann. Dabei sind die großen Privatwälder genauso in Gefahr wie der der Staatswald und die Wälder zehntausender Kleinprivatwaldbesitzerinnen und -besitzer. In dieser Situation ist es wichtig, dass sich Betroffene und potentiell Betroffene gut informieren und solidarisch handeln."

Fraßgänge und Entwicklungsstadien der Buchdrucker in einer Reindenpartie
Beim Befall löst sich die Rinde vom Stamm und lässt sich in ganzen Platten leicht ablösen. An ihrer Innenseite (dem Stamm zugewandt) lassen sich dann die Fraßgänge und Entwicklungsstadien der Buchdrucker als feine helle Striche erkennen. Auf dieser kleine Rindenplatte sind es allein 38 Käfer. (Foto: Nadine Neuburg, Wald und Holz NRW)

Um Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer in die Lage zu versetzen, Borkenkäferschäden einzuschätzen und daraus resultierend Borkenkäfer erfolgreich zu bekämpfen, hat Wald und Holz NRW eine praxisorientierte, kostenlose  Broschüre herausgegeben. Die Broschüre und weitere Informationen gibt es hier: www.wald.nrw/borkenkäfer.

Dort, wo der Borkenkäfer die Fichtenwälder schon stark gelichtet oder ganz zerstört hat, rät Wald und Holz NRW dazu, Mischwälder zu entwickeln um die Wälder fit zu machen für Extremereignisse und Unwägbarkeiten im Klimawandel. „Im Kottenforst nutzen wir die Katastrophe, da, wo sie schon eingetreten ist, um die lichtliebenden Eichenwälder neu zu pflanzen, wie es schon Generationen vor uns getan haben“, sagt Forstamtsleiter Schölmerich.

Die Forstleute in NRW beobachten schon seit Jahren, dass die Wälder unter dem fortschreitenden Klimawandel leiden. Borkenkäfer und Dürre im vergangenen Jahr waren weitere Indizien, dass es höchste Zeit ist, unsere Wälder fit für den Klimawandel zu machen. Experten von Wald und Holz NRW und dem Umweltministerium (MULNV) haben gemeinsam ein Konzept erarbeitet, welches Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern hilft, die richtigen forstlichen Entscheidungen zu treffen, um die die Wälder auch in den schwierigen Bedingungen des Klimawandels zu erhalten. Hier finden Sie mehr Informationen zum Waldbaukonzept.

Weitere Informationen

Aktuelle Informationen zur Borkenkäfersituation, wie auch die neue Publikation zum Download und zur Bestellung bietet Wald und Holz NRW hier an.

Ansprechperson

Wald und Holz NRW
Friedrich Louen
Albrecht-Thaer-Straße 34
48147 Münster

Tel.: 0251/91797-214
Mobil: 0171/5871721
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