Borkenkäfergefahr führt zu Anpassung bei der Sturmwurfaufarbeitung - Wald & Holz Skip to main content

Borkenkäfergefahr führt zu Anpassung bei der Sturmwurfaufarbeitung

Waldschutzexperten von Wald und Holz NRW empfehlen Einschlagsstopp bei Nadelfrischholz

29.05.18Pressemitteilung

Bezug: Infomeldung Nr. 2/2018 vom 02.02.2018
Verwendete Kürzel: KS = Kupferstecher; BD = Buchdrucker; BoKä = Borkenkäfer (KS und BD)

Auswertungsergebnisse
Grafik 1, Quelle: Schlösser, R. Geisthoff, N. Niesar, M. (2017); bisher nicht veröffentlichte Auswertungen

A) Gesetzmäßigkeiten für BoKä-Massenvermehrungen

Borkenkäfermassenvermehrungen treten ggf. wie aus dem Nichts immer dann auf, wenn die Temperaturen für die Entwicklung der Käfer günstig sind und genügend Brutraum zur Verfügung steht. Beide Faktoren sind landesweit in diesem Jahr gegeben.

B) Ausgangslage der Borkenkäferdichte aus 2017

Den nachfolgenden Grafiken 1 bis 4 ist zu entnehmen, dass in den letzten vier Jahren die BoKä Populationsdichten ähnlich verliefen. In 2015 waren die geringsten Dichten zu finden. Grafik 1: NRW-Borkenkäfermonitoring - Darstellung der Buchdruckerfangkurven aller Fal-lenstandorte in NRW.

Mittlere Borkenkäferjahresfangzahlen je Falle
Grafik 2: Mittlere Borkenkäferjahresfangzahlen je Falle (Quelle: Lobinger, Borkenkäfermonitoring im Umfeld des NP Bayrischer Wald (AFZ, 12/1016))

Eine auf Einzeljahre bezogene Mittelwertberechnung (Grafik 2) zeigt aber, dass 2017 das Jahr mit der höchsten Borkenkäferdichte war - dies verschärft die Situation.

C) Aktuelle Situation Quantität und Qualität des Brutraumangebot

Aus Mitteilungen der PraktikerInnen vor Ort und anlässlich der bei Ortsterminen vorgefundenen Gegebenheiten ist festzuhalten, dass bei dem Sturm Friederike Einzel- und Kleinflächenwürfe (< 5 ha) dominieren. Bruchschäden kommen vor, sind aber von eher untergeordneter Bedeutung.

Wie aktuelle Untersuchungen belegen, treten nicht nur im Flachland sondern auch in Mittelge-birgslagen bei Einzelwürfen und Kleinflächenwürfen vor allem an exponierten Stellen, trotz Wur-zelkontakt des Wurfholzes, starker KS- und BD- Befall auf. Anfang Mai waren die Buchdrucker-weibchen dabei die Muttergänge anzulegen. Insofern wird die erste Generation Mitte Juni (ca.15.06.2018) fertig entwickelt sein. Ohne Gegenmaßnahmen werden BD in diesem Jahr sehr schnell diese Kleinflächenhabitate (siehe Grafik 3) besiedelt haben und es wird ohne Gegen-maßnahmen zu Stehendbefall kommen.

Aufarbeitungspriorität: Klein- vor Großschadensflächen
Grafik 3: Aufarbeitungspriorität: Klein- vor Großschadensflächen (Quelle: Wald und Holz NRW)

D) Disziplinierter Frischholzeinschlagstopp als Solidaritätsgeste und Maßnahmen bei bereits aufgearbeitetem Holz

Bereits jetzt besteht ein Defizit an LKW-Transportkapazitäten, da die Aufarbeitung schneller als die Abfuhr von statten geht. Damit die Kalamitätsprävention ohne den Einsatz von Pflanzen-schutzmittel gelingen kann, muss der Frischholzeinschlag gestoppt werden. Die dadurch freiwer-denden Transportkapazitäten können dann zur Abfuhr von bereits aufgearbeitetem Windwurfholz und zur Umsetzung der unter E) beschriebenen Maßnahmen verwendet werden.

Bei der Abfuhr aufgearbeiteten Holzes ist wie folgt zu priorisieren:

  1. Von Borkenkäfern befallenes Holz vor unbefallenem Holz
  2. Motormanuell aufgearbeitetes Holz vor mit Harvestern* aufgearbeitetem Holz
  3. Kann befallenes Holz nicht abgefahren werden, ist dieses möglichst mit Pflanzenschutzmitteln als "Ultima Ratio" auf dem Polterplatz zu behandeln.

* = bei der Prozessoraufarbeitung ist darauf zu achten, dass der ganze Baum aufgearbeitet wird. Dabei wird in den Resthölzern das Kambium verdichtet und die Entwicklung der BD - Larven nachweislich behindert.

Kreuzchenliste Bekämpfungsoptionen
Grafik 4: Kreuzchenliste Bekämpfungsoptionen (Quelle: Wald und Holz NRW)

E) Maßnahmen zur Minimierung des Stehendbefalls

Bestehende Holzverkaufsverträge sehen eine Kontingentierung des Holzabflusses vor. In ver-schiedenen RFÄn reichen diese Kontingente bis ins nächste Jahr hinein. Die Aufarbeitungsgeschwindigkeit wurde diesen Kontingenten in der Regel angepasst. Aufgrund der geschilderten Borkenkäfergefahr (Gefahr im Verzuge) ist es jedoch ratsam jetzt wie folgt vorzugehen:

1. Mit der Windwurfholzaufarbeitung, die von der Kontingentierung zu entkoppeln ist, ist bei Einzelwürfen und auf Kleinflächen (< 5 ha) sofort zu beginnen und nachhaltig zu betreiben. Dabei gilt Folgendes: je kleiner die Fläche ist, umso höher ist die Aufarbeitungspriorität. Ziel ist die Fertigstellung der Aufarbeitung bis Mitte September 2018. Eine integrierte Borkenkäferbekämpfung ist dabei wie folgt durchzuführen.

a. Bei der möglichst mit Vollerntern durchzuführenden Aufarbeitung sind die Bäume auf ganzer Länge mit durch die Walzen zu ziehen [siehe Sternchenanmerkung unter D) dieser Infomeldung].

b. Abfuhr vor Behandlung des Holzes Die Abfuhr des aufgearbeiteten Holzes hat nach wie vor erste Priorität

c. Entrindung + Trockenlagerung vor PSM Einsatz Nicht sofort abfahrbares Holz ist zu entrinden und so zu poltern dass eine schnelle natürliche Trocknung des Holzes in Kreuzpoltern gewährleistet ist. Anmerkung: es ist davon auszugehen, dass bundesweit nur geringe maschinelle Entrindungskapazitäten vorhanden sind.

d. Pflanzenschutzmitteleinsatz als "Ultima Ratio" Reichen die Entrindungskapazitäten nicht aus, ist das restliche Holz mit zugelas-senen Pflanzenschutzmitteln auf dem Polterplatz lagenweise zu behandeln.

e. Beachtung der Kreuzchenliste, vor allem in Bezug auf die in den Beständen ver-bleibenden Resthölzer (Grafik 4).

2. Aus jetziger Sicht ist die Windwurfholzaufarbeitung auf Großflächen (> 5 ha) bis zum Win-ter 2018/2019 auszusetzen.

Hinweis

Maßnahmen zum Schutz vor Borkenkäferfolgeschäden in 2019 werden im Herbst 2018 gesondert angesprochen.

Weitere Bilder

Braune Bohrmehlhäufchen auf der Baumrinde
 

Ansprechpartner

Wald und Holz NRW
Dr. Mathias Niesar
Steinmüllerallee 13
51643 Gummersbach

Tel.: 02261/7010-310
Mobil: 0171/5870020
vCard: laden

» Seite drucken