Waldtypische Gefahr: Der Eichenprozessionsspinner - Wald & Holz Skip to main content

Waldtypische Gefahr: Der Eichenprozessionsspinner

Für den Menschen können die Raupen gefährlich sein

21.07.17Pressemitteilung

In diesem Jahr gibt es besonders viele Eichenprozessionsspinner. Grund dafür sind die idealen Wetterbedingungen im Vorjahr: Trockenheit und wenig Niederschläge. In ganz NRW, insbesondere aber im Westen und dem Münsterland, haben sich die nachtaktiven Falter stark vermehrt. Betroffen sind vor allem besonnte Stiel-, Rot- und Traubeneichen, wobei in Wäldern vor allem die Randgebiete und Einzelbäume befallen werden. Forstliche Schäden richten allerdings nicht die Falter, sondern ihre Raupen an. Mit Hilfe von unzähligen, feinen Brennhaaren, die auch für den Menschen gefährlich sind, schützen sie sich gegen Feinde.

Eichenprozessionsspinner und Raupen
Eichenprozessionsspinner und Raupen (Illustration: mediXtra)

Entwicklung des Eichenprozessionsspinners
Der Falter fliegt ungefähr von Ende Juli bis Anfang September. Im August ist Paarungszeit. Schon in der zweiten Nacht nach dem Hochzeitsflug legen die Weibchen rund 150 Eier im oberen Kronenbereich der Bäume ab. Die Raupen schlüpfen, abhängig von der Witterung, zwischen Anfang April und Anfang Mai. Ab diesem Zeitpunkt durchlaufen sie in ihrer Entwicklung fünf bis sechs Larvenstadien. Im 3. Larvenstadium werden die für den Menschen gesundheitsgefährdenden Brennhaare ausgebildet. Die Raupen fressen während ihrer Entwicklung die frisch ausgetriebenen Blätter der befallenen Bäume meist komplett bis auf die Mittelrippe ab. Dazu wandern sie überwiegend nachts prozessionsartig im Familienverband den Baumstamm und die Äste entlang. Daran und an den Nestern, in denen sie sich aufhalten, kann man die Raupen des Eichenprozessionsspinners gut erkennen. Nach der Verpuppung ab Ende Juni schlüpfen im August die Falter mit einer Lebensdauer von wenigen Tagen.

Auswirkungen auf den Wald
Gesunde Eichenbestände können einen einmaligen Raupenfraß ohne langfristige negative Folgen verkraften. Wird ein Bestand jedoch wiederholt befallen und kahl gefressen, können die Eichen anfälliger für andere Schädlinge, wie den Eichenprachtkäfer, Eichenmehltau oder den Schwammspinner werden. Der gleichzeitige Befall mehrerer Schädlinge kann schwere Auswirkungen auf die Vitalität der befallenen Bäume haben und schlimmstenfalls zum Absterben einzelner Bäume oder sogar ganzer Bestände führen.

Gesundheitsgefahren für den Menschen
Die Raupen des Eichenprozessinsspinners stellen nicht nur eine Gefahr für die Baumgesundheit, sondern auch für die Gesundheit des Menschen dar. Eine ausgewachsene Raupe verfügt über mehr als 600.000 winzige Brennhaare, die sie bei Gefahr abschießen kann. Die Brennhaare sind nur 0,1 mm lang und einen Tausendstel mm breit, aber ihre allergene Wirkung hält zwei Jahre an. Zwischen Juni und September ist die Gefahr in Kontakt mit den Brennhaaren zu kommen besonders groß – entweder direkt durch die Raupen, aber auch durch verbleibende Brennhaare in bereits verlassenen Gespinsten. Bei Berührung reagiert die Haut des Menschen zunächst mit roten, juckenden Pusteln. Die Spitzen der Brennhaare bohren sich in die Haut und brechen danach ab, zum Beispiel beim Kratzen an den Pusteln oder beim Waschen. Durch die Bruchstelle wird das Nesselgift Thaumetopoein freigesetzt, was anschließend zu heftigen allergischen Reaktionen führt. Beim Einatmen der feinen Härchen, die problemlos mehrere hundert Meter durch die Luft fliegen, können zudem Atembeschwerden wie Bronchitis und Asthma auftreten. Daher sollten Waldbesucherinnen und -besucher einen ausreichenden Abstand zu befallenen Bäumen einhalten und die kleinen Raupen auf keinen Fall berühren.

Maßnahmen gegen den Eichenprozessionsspinner

Beim Eichenprozessionsspinner handelt es sich um eine waldtypische Gefahr, also eine Gefahr mit der beim Waldbesuch gerechnet werden muss. Ob Maßnahmen, wie Absaugen der Nester oder Biozideinsatz gegen Eichenprozessionsspinner eingeleitet werden, entscheiden die Ordnungsämter der betroffenen Kommunen und in einigen Fällen die Kreisverwaltungen (Gesundheitsämter). Die Revierförsterinnen und -förster von Wald und Holz NRW unterstützen die Behörden vor Ort. Wird ein kritischer Befall im Zuge der Reviertätigkeit wahrgenommen, werden Waldbesitzenden und Ordnungsämter schnellstmöglich informiert.

Pressekontakt

Wald und Holz NRW
Sonja Kling
Albrecht-Thaer-Straße 34
48147 Münster

Tel.: 0251/91797-213
Mobil: 0171/5872521
vCard: laden

» Seite drucken