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"Waldbaden" nutzt Körper und Seele

Studien belegen gesundheitsfördernde Wirkung des Waldes, Stresshormone und Blutdruck sinken

21.06.17Pressemitteilung

Wer sich im Wald bewegt, tut aktiv etwas für seine Gesundheit. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen haben bewiesen, dass sich Ausflüge im Wald positiv auf Herz, Immunsystem und Psyche auswirken.

Wandergruppe im Wald
Ranger Jörg Pahl erklärt den Teilnehmenden der ‚Shinrin Yoku‘- Wanderung vom 11. Juni 2017, wie der Wald gesundheitsfördernd wirkt. (Foto: Wald und Holz NRW)

Deutschland ist „Waldland“
Deutschland zählt zu den waldreichen Ländern der Europäischen Union. Mit 11,4 Millionen Hektar ist knapp ein Drittel der Gesamtfläche mit Wald bedeckt. Sogar im industriell geprägten Bundesland Nordrhein-Westfalen sind mit 27 Prozent immerhin deutlich mehr als ein Viertel der Fläche Waldgebiet. „Der Wald liefert den nachhaltigen Rohstoff Holz und ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im ländlichen Raum. Gleichzeitig erfüllt er wertvolle Erholungs- und Schutzfunktionen und ist auch für die biologische Vielfalt unersetzlich“, sagt Ranger Jörg Pahl vom Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen. Fast 60.000 Kilometer Waldwirtschaftswege in NRW bieten als Wanderwege Zugang zu diesem kostenlosen Erholungsraum. Regelmäßig bieten die Ranger von Wald und Holz NRW entlang des Wegenetzes begleitete Wandertouren an.

Shinrin-Yoku heißt „Waldbaden“

Die gesundheitsfördernde Wirkung der Wälder hat unter anderem der japanische Forscher Yoshifumi Miyazaki wissenschaftlich belegt. 2011 untersuchte er, wie stark das Stresshormon Cortisol, Blutdruck und Herzfrequenz bei einem Stadtspaziergang und bei einem Waldspaziergang sanken. Ein Ergebnis der Studie: Der Cortisolspiegel im Speichel war beim Waldspaziergang um 12,4 Prozent niedriger als bei der Vergleichsgruppe. Die japanische Regierung erkannte bereits 1982 die gesundheitsfördernde Wirkung des Waldes und prägte den Begriff des Shinrin-Yoku: „Waldbaden“. Dabei ist es übrigens nicht notwendig, sich körperlich sehr anzustrengen. Schon ein gemütlicher Spaziergang im Wald reicht aus. Er wirkt wie eine Art Aromatherapie, die für die Gesundheit förderlich ist. Insbesondere durch das Einatmen der ätherischen Öle, welche die Bäume in die Luft abgeben, wird das Immunsystem gestärkt. In Japan ist das Waldbaden heute eine anerkannte Stress-Management-Methode.

Baumwipfel
Perspektivenwechsel: Den Wald fühlen und aus einer anderen Perspektive wahrnehmen, kann, wer sich auf den Waldboden legt und die Atmosphäre auf sich wirken lässt. (Foto: Wald und Holz NRW)

Krankenkassen bringen Schulkinder in den Wald
Die heilsamen Effekte der Natur haben auch Krankenkassen in Deutschland erkannt und beziehen den Wald in ihre Präventionsangebote mit ein. Schülerinnen und Schüler in den Wald zu bringen, lautet ein Ziel des Schulprojekts „natürlich erleben“, das die AOK Nordwest entwickelt hat. Es bietet Schulkindern der 7. und 8. Klassen einen erlebnisorientierten Unterricht. An vier Projekttagen erleben sie intensiv die Natur im Wald. „Damit verfolgen wir das Ziel, die Natur mit ihren positiven Eigenschaften als einen Ort für Bewegung, Entspannung aber auch für Rückzug und Teambildung sowie Grenzerfahrungen näher zu bringen. Diese physiopsychosozialen Ressourcen sind enorm wichtig für die Gesundheit“, erklärt Dirk Pisula, Abteilungsleiter Produkte/Prävention bei der Gesundheitskasse AOK Nordwest in Dortmund. Nicht zuletzt fördere das die geistige und emotionale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.

Dabei zeigt das Schulprojekt überraschende Ergebnisse: Jugendliche lassen sich auch ohne Smartphone vom Wald begeistern. „Wir waren selbst überrascht, wie gut sie sich motivieren lassen“, so Pisula. Bedingung ist nämlich: Sie müssen morgens direkt ihr Smartphone abgeben, was oft mit einigen Diskussionen verbunden ist. Im Tagesverlauf passiert aber dann so viel Neues und Spannendes, dass das Handy selbst in der Mittagspause nicht zu fehlen scheint. „Wir glauben, dass viele Kinder und Jugendliche das Potenzial der Ressource Wald nicht kennen, aber grundsätzlich schon offen und neugierig sind. Insbesondere auch Kindern mit Migrationshintergrund öffnet sich hier tatsächlich eine neue Welt“, sagt Dirk Pisula. Nur noch 13,6 Prozent der Jungen und 8,6 Prozent der Mädchen seien mit 15 Jahren gesundheitsrelevant körperlich aktiv. „Wir gehen davon aus, dass die Erfahrung Wald einen ganz neuen Impuls auf physisches, psychisches und das soziale Wohlbefinden hat“, so Pisula.

Der Wald als gesundheitsfördernder Erlebnisraum
Nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern auch für Erwachsene lassen sich Wälder vielfältig entdecken: Zu Fuß beim Wandern oder Joggen, auf zwei Rädern bei einer gemütlichen Fahrradtour oder mit Schwung auf dem Mountain-Bike, auf dem Pferderücken oder als Schatzsucher beim Geocaching. „Der Wald war immer schon ein Sehnsuchtsort für die Deutschen, er verspricht Ruhe und Erholung. Die Natur hilft uns, Belastungen besser zu bewältigen. Sie hat sich als hilfreiches Mittel gegen Stress, Ängste und Aggressionen bewährt. ‚Unser Wald tut Dir gut‘ lautet daher auch das treffende Motto der deutschen Forstwirtschaft für 2017. Sogar in der Stadt haben Bäume nachweislich positive Auswirkungen auf den Körper. Der Umweltpsychologe Marc Berman von der University of Chicago veröffentlichte 2015 im renommierten Wissenschaftsjournal „Nature“ eine Studie, in der er die Baumdichte innerhalb Torontos mit den Gesundheitsdaten der Bewohner verglich. Das Ergebnis: Je mehr Bäume in einer Wohngegend stehen, desto niedriger ist das Risiko Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie etwa Bluthochdruck oder Diabetes, zu entwickeln.

Dem US-amerikanischen Professor Simon J. Marshall von der San Diego State Universität zufolge genügen 3000 Schritte am Tag, um das Risiko für Arterienverkalkungen - und somit das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall - erheblich zu reduzieren. Bei einem langen Spaziergang werden fast genauso viele Kalorien verbrannt, als wäre man dieselbe Strecke gejoggt. „Das liegt daran, dass man beim Spazierengehen viel kleinere Schritte macht als beim Joggen. Und pro Schritt muss natürlich die gesamte Körpermasse in Schwung gebracht werden. Der Wald eignet sich also perfekt dafür, um das Thema gesunder Lebensstil attraktiv zu machen“, bilanziert Ranger Jörg Pahl.

Entdeckungstouren zum Thema Gesundheit, aber auch zu Rotwild-Brunft oder Indian Summer am Diemelsee werden auf der Sauerland- Waldroute regelmäßig angeboten. Im Herbst wird auch wieder bei Vollmond gewandert. Dann gehen die Teilnehmenden langsam und ruhig durch den Wald und halten zwischendurch bei Tee und Plätzchen inne, um die Atmosphäre richtig genießen zu können. Fragen zu Ranger-Touren und Buchungen können Sie an die Ranger Hotline: 02972 970255 richten.

Pressekontakt

Wald und Holz NRW
Michael Blaschke
Albrecht-Thaer-Straße 34
48147 Münster

Tel.: 0251/91797-210
Mobil: 0151/19514378
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