Ponys, Mistkäfer und lichte Wälder in der Senne - Wald & Holz Skip to main content

Ponys, Mistkäfer und lichte Wälder in der Senne

22. Mai ist Internationaler Tag der biologischen Vielfalt

18.05.17Pressemitteilung

Die sechste Station der #MenschWald Tour führte in die Wistinghauser Senne. Ein einzigartiger und besonders artenreicher Naturraum. Hier können Wanderer und Spaziergänger sehr anschaulich erleben, warum biologische Vielfalt so wichtig ist, dass die UNESCO sogar einen speziellen Tag zu diesem Thema benannt hat.

Wald
Die Wistinghauser Senne. Ein einzigartiger und besonders artenreicher Naturraum. (Foto: Dirk Grote)

Artenvielfalt im Waldweidegebiet Wistinghauser Senne:
Die Wistinghauser Senner ist ein Waldgebiet mit einem auffallend lockeren Baumbestand. Dieses Waldbild entsteht, wenn große Pflanzenfresser in einem Gebiet leben. In der Wistinghauser Senne sind dies Pferde, Hochlandrinder und Ziegen. Weidewälder zählen zu den artenreichsten Landlebensräumen in ganz Europa. Bedingt durch den ständigen Wechsel aus offenen Waldlichtungen, lichten Wäldern mit einer vielfältig ausgeprägten Krautschicht (am Boden wachsende Pflanzen) und geschlossenen Baumbeständen finden hier zahlreiche seltene und bedrohte Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum. Dr. Axel Lehmann, Landrat Kreis Lippe: „Dieses Waldweideprojekt ist bundesweit wohl einmalig. Der Fokus liegt hier auf der Entwicklung artenreicher Lebensräume im Wald. Weideprojekte in vergleichbarer Größenordnung findet man meist in offenen Landschaften. Die Erfahrungen hier zeigen, welche großen Möglichkeiten es gibt, durch spezifische Naturschutzmaßnahmen die Artenvielfalt in ausgesuchten  Wäldern zu steigern.“

Menschen, Rind
Erfolgreiche Kooperation - erfolgreicher Artenschutz! Besuchten anlässlich des Tag der biologischen die Wistinghauser Senne: v.l. Birgit Hübner - Geschäftsführerin Naturpark Teutoburger Wald, Daniel Lühr - Projektleiter Naturpark Teutoburger Wald, Dr. Axel Lehmann - Landrat Kreis Lippe, Franz Stockmann - Leiter des Forstamtes OWL. (Foto: Michael Blaschke, Wald und Holz NRW)

Biologische Vielfalt hautnah erleben
„Man kann nur etwas schützen, wenn man es auch kennt“ sagt Förster Franz Stockmann. Und Landrat Dr. Axel Lehmann ergänzt, dass gerade deshalb die Wistinghauser Senne ein überregional bedeutendes Naturschutzprojekt ist. „Hier schaut man der Natur nicht nur zu, hier ist man mitten drin. Hier spüren auch Menschen, die sich nicht im Detail mit der Biodiversität und den verschiedenen Tier- und Pflanzenarten auskennen, dass dies ein besonders wertvoller Ort ist“, sagt Dr. Axel Lehmann. Das Waldweidegebiet erstreckt sich zwischen Oerlinghausen und dem Truppenübungsplatz „Stapellager Senne“ auf einer Größe von rund 165 ha entlang des Südrandes des Teutoburger Waldes. In den Wäldern der „Wistinghauser Senne“ weiden derzeit 35 Rinder und 12 Pferde und eine kleine Ziegenherde. Das Gebiet ist mit Ausnahme einer 20 ha großen Schaukoppel auf Wegen für Besucher frei zugänglich.

Video "Drei Fragen Biodiversität"

Weiderind
Den Schottischen Weiderindern ist ihre Gutmütigkeit anzusehen. (Foto: Dirk Grote)

Naturschutz in der Wistinghauser Senne
Im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes werden im Waldweidegebiet Wistinghauser Senne aktiv Waldlichtungen geschaffen und lichte Wälder entwickelt. Projektleiter Daniel Lühr: „Die zuvor recht strukturarmen und dichten Waldbestände werden aufgelockert und dort, wo vorher Nadelbäume wuchsen, werden Eichen gepflanzt, die später zu stattlichen breitkronigen Bäumen heranwachsen sollen. Dabei wird aber nicht nach Schema F vorgegangen, so dass weiterhin dichte Waldbereiche erhalten bleiben und ein sehr strukturreiches Mosaik entsteht. Davon profitieren eine Vielzahl seltener Arten.“ Auf den Waldlichtungen, entlang der Wege oder in sehr lichten Waldbereichen siedeln sich Arten wie die Zauneidechse oder die Feld-Grille an, die sonst in baumfreien Lebensräumen zu finden sind. Andere Arten, wie die Heidelerche haben sich auf das Nebeneinander von Freiflächen und Gehölzbeständen spezialisiert oder bevorzugen das Leben in lichten Wäldern - wie Gartenrotschwanz und Baumpieper. Förster Franz Stockmann freut sich, dass trotz des deutlich aufgelockerten Baumbestands der Waldcharakter nicht verloren gegangen ist.

Wald
Wald oder Wiese? Die Hochlandrinder und Exmoor-Ponys fressen die Pflanzen am Waldboden, dabei auch junge Bäumchen. Dadurch entstehen überall offene Waldbereiche, ein vielfältiges Mosaik für seltene Arten wie Zauneidechse und Feld-Grille. (Foto: Dirk Grote)

Franz Stockmann: „Die typischen Arten geschlossener Wälder, wie die Waldohreule oder der Buchfink, sind nicht verschwunden. Obwohl im Weidegebiet großflächig Eichen- und Birkenwälder entstehen, bleiben auch langfristig Nadelholzbestände erhalten. Davon profitieren typische Nadelholzbewohner wie der Fichten-Kreuzschnabel oder die Tannenmeise.“

Die im Gebiet weidenden Waldrinder und Pferde sorgen dafür, dass auf Dauer ein vielfältiges Mosaik an Lebensräumen erhalten bleibt und halten durch ihren Verbiss Waldlichtungen offen und lichten die bestehenden Wälder auf. Aber damit nicht genug. Mit den Weidetieren siedeln sich zahlreiche Insekten, wie der Mistkäfer, an, die den in der Wistinghauser Senne lebenden Vögeln und Fledermäusen eine reiche Nahrungsgrundlage bieten.

Menschen, Pflanze
Wald oder Wiese? Die Hochlandrinder und Exmoor-Ponys fressen die Pflanzen am Waldboden, dabei auch junge Bäumchen. Dadurch entstehen überall offene Waldbereiche, ein vielfältiges Mosaik für seltene Arten wie Zauneidechse und Feld-Grille. (Foto: Dirk Grothe)

Artenreichtum in der Wistinhauser Senne
Daniel Lühr: „Hudewälder sind echte Hotspots der Artenvielfalt. Das macht sich auch hier schon bemerkbar. Mit der Aufnahme der Beweidung im Jahr 2011 und den ersten waldbaulichen Maßnahmen ist die Artenvielfalt im Gebiet rasant angestiegen. Während hier vor Maßnahmenbeginn gerade einmal 9 Brutpaare von Vögeln der Roten Liste nachgewiesen werden konnten, sind es heute schon über 100. Aber nicht nur bei den Vögeln macht sich das bemerkbar. Auch Arten wie die seltene Schlingnatter, eine unserer wenigen heimischen Schlangenarten, haben sich im Weidegebiet neu angesiedelt.“
Forstamtsleiter Franz Stockmann ergänzt: „Dieses Projekt ist ein Paradebeispiel für gelungenen kooperativen Naturschutz. Der Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen hat das Projekt von Beginn an begleitet. Dadurch konnte auch die schwierige Frage nach der rechtlichen Umsetzbarkeit der Waldbeweidung partnerschaftlich geklärt werden. Wichtigstes Kriterium dabei ist, dass der Wald deutlich lichter werden darf, aber als Wald erhalten bleibt. Heute sehen wir, dass dies sehr gut funktioniert und freuen uns gemeinsam über die fortwährende Zunahme der Artenvielfalt in der Wistinghauser Senne.“

Menschen, Pony
Auch die Exmoor-Ponys können mit menschlicher Nähe umgehen. Trotzdem sollten Besucher die Tiere nicht füttern oder anfassen sondern Abstand halten und beobachten. (Foto: Michael Blaschke, Wald und Holz NRW)

Die Weidetiere
Bei den in der Wistinghauser Senne lebenden Waldrindern handelt es sich um Schottische Hochlandrinder. Diese recht kleine Rinderrasse mit ihren imposant gebogenen Hörnern zeichnet sich durch ihre Robustheit, Genügsamkeit und Gutmütigkeit aus. Letzteres ist besonders wichtig, denn die Waldweide ist für interessierte Besucher und Wanderer auf gekennzeichneten Wegen frei zugänglich.
Die Pferde im Gebiet sind keine echten Wildpferde, sondern Exmoor-Ponys. Exmoor-Ponys zählen zu den ältesten Pferderassen Europas, stammen ursprünglich aus dem Südwesten Englands und stehen den Wildpferden noch sehr nahe. Ebenso wie die Waldrinder sind sie sehr robust, genügsam und gutmütig.
Die Weidetiere leben ganzjährig im Freien auf den Waldweideflächen. Der Nachwuchs kommt natürlich zur Welt. Die Tiere werden durch einen Tierwirt betreut und im Winterhalbjahr bei Bedarf zugefüttert, ernähren sich aber fast ausschließlich von dem Aufwuchs auf den Waldflächen.

Pony
Selbst im Winter finden die Exmoor-Ponys normalerweise genug Nahrung in der Wistinghauser Senne, nur bei besonderem Bedarf bekommen sie extra Futter. (Foto: Dirk Grote)

Internationaler Tag der biologischen Vielfalt
Jährlich wird seit dem Jahr 2000 der 22. Mai als Internationaler Tag der biologischen Vielfalt gefeiert. Der Tag erinnert an den 22. Mai 1992, an dem in Nairobi Einigkeit über den Text des UN-Übereinkommens über biologische Vielfalt erzielt wurde. Dieses Übereinkommen wurde im Rahmen des Erdgipfels im Juni 1992 in Rio de Janeiro zur Zeichnung ausgelegt - heute ist es mit über 190 Vertragsstaaten eines der erfolgreichsten Übereinkommen der Vereinten Nationen. (Quelle: UNESCO)

Auswahl charakteristischer Arten der Wistinghauser Senne

  • Heidelerche
  • Gartenrotschwanz
  • Baumpieper
  • Trauerschnäpper
  • Wespenbussard
  • Raubwürger (als regelmäßiger Wintergast)
  • Ziegenmelker (unbeständig)
  • Haselhuhn
  • Schwarzspecht
  • Grünspecht
  • Uhu
  • Waldohreule
  • Sperlingskauz
  • Zauneidechse
  • Schlingnatter
  • Kreuzkröte
  • Großes Mausohr
  • Wildkatze
  • Besenheide
  • Berg-Sandglöckchen
  • Haar-Ginster
  • Feld-Thymian
  • Tausendgüldenkraut
Wistinghauser Senne - ganz formal

Wald und Holz NRW ist hoheitlich für die Wistinghauser Senne zuständig. Das Regionalforstamt OWL hat das Projekt von Anfang an begleitet. Der Naturpark Teutoburger Wald/Eggegebirge ist Träger des Projektes. Das Projektgebiet erstreckt sich auf einer Größe von 1800 Hektar entlang des Teutoburger Waldes zwischen Oerlinghausen und Detmold. Ein Teil davon ist das Naturschutzgroßprojekt Senne / Teutoburger Wald, welches im Wesentlichen von der Wistinghauser Senne und angrenzenden Teilen des Teutoburger Waldes gebildet wird.
Das Projekt wird gefördert vom Bundesamt für Naturschutz, dem Land NRW, der Nordrhein-Westfalen-Stiftung, dem Kreis Lippe und den beteiligten Kommunen Augustdorf, Detmold, Lage und Oerlinghausen.

Weitere Bilder

Veilchen
Gartenrotschwanz
Raubwürger

Pressekontakt

Wald und Holz NRW
Michael Blaschke
Albrecht-Thaer-Straße 34
48147 Münster

Tel.: 0251/91797-210
Mobil: 0151/19514378
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