Neues Wildniserlebnis in NRW - Wald & Holz Skip to main content

Neues Wildniserlebnis in NRW

Baustart für Naturerlebnispfad „Neue Wildnis Dämmerwald“

21.11.17Pressemitteilung

Anfang November starteten im Dämmerwald die ersten Baumaßnahmen für den Wanderweg durch das Wildnisentwicklungsgebiet. Bei kaltem November-Dauerregen stellten der Bürgermeister der Gemeinde Schermbeck Mike Rexforth, der Leiter von Wald und Holz NRW Andreas Wiebe und Regionalforstamtsleiter Otto Pöll am Montagnachmittag das Projekt ausführlich vor.

Mike Rexforth, Carolin Schlechter und Otto Pöll, Friedhelm Koch, Andreas Wiebe, Eckhard Vornbrock und Ralph Merten

Nach längerer Planungsphase wurde durch den symbolischen Spatenstich die praktische Umsetzung des Vorhabens im landeseigenen Wald begonnen. Rund 25 Interessierte aus Verwaltung, Politik und Presse sowie die Projektbeteiligten ließen sich von dem unangenehmen Wetter nicht abhalten und informierten sich über das Projekt.

Alte, naturnahe Wälder haben für die Artenvielfalt und als Trittsteine im Biotopverbund eine zentrale Bedeutung. Besonders viele Arten sind auf absterbende und auch tote Bäume angewiesen.Unsere Wälder – auch die alten – sind jedoch in der Regel Wirtschaftswälder.Hier werden die meisten Bäume gefällt, bevor sie richtig alt werden, da deren hochwertiges Holz sonst nicht mehr nutzbar wäre. Gerade für die Artenvielfalt hat diese Lebensphase im Wald mit alten und abgestorbenen Bäumen aber eine herausragende Bedeutung.

Daher wurden seit 2009 im landeseigenen Wald in Nordrhein-Westfalen rund 100 ausgewählte, bisher bewirtschaftete Waldbestände als „Wildnisentwickungsgebiete“ ausgewiesen, in denen keine Holznutzung mehr stattfindet. Diese Waldflächen sollen sich künftig ohne menschliche Eingriffe zu „Urwäldern von morgen“ entwickeln. Die Försterinnen und Förstern von Wald und Holz NRW achten und unterstützend die natürliche Entwicklung der Wildnisgebiete und entnehmen zum Beispiel Baumarten, die nicht in das Wildnisgebiet passen.

Im Dämmerwald wurde ein 128 Hektar (1 ha = 100 x 100 m) großes Gebiet ausgewiesen, das der natürlichen Entwicklung überlassen wird. Der Dämmerwald ist einer der letzten größeren, unzerschnittenen Waldbestände in der Region. Er wurde über Jahrhunderte behutsam bewirtschaftet, so dass man dort heute alte, höhlenreiche Eichen- und Buchenwälder findet. Dieser naturnahe Zustand war ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl der Wildnisgebiete. Durch das Wildnisgebiet soll den Arten mehr Lebensraum zur Verfügung gestellt werden.

Wildnis soll aber auch erlebt werden können. Bisher war dies in NRW vor allem im Nationalpark Eifel von Wald und Holz NRW möglich. Die Menschen sollen die neuen Urwälder aber auch vor ihrer Haustür kennenlernen und ihre Entwicklung mitverfolgen können. Durch die Kooperation zwischen der Gemeinde Schermbeck und Wald und Holz NRW im Rahmen des Projekts WALDband der Regionale 2016 wurde die „Neue Wildnis Dämmerwald“ entwickelt. Gefördert wird das 380.000-Euro-Projekt zu 60 Prozent durch das europäische LEADER-Programm.

Auf einem 2,6 km langen Rundweg sollen Besucherinnen und Besucher die Entwicklung eines Waldes hin zu einem urwaldähnlichen Laubwald mit vielfältigen Tier- und Pflanzenarten erfahren können. Das „Wildnistor“ am Wanderparkplatz „Teufelsstein“ ist der Ausgangspunkt zur Erkundung des Dämmerwaldes. Sechs Widnisfenster am Wegesrand sollen Einblicke und Ausblicke in den in Gang gesetzten Prozess geben. Dabei legen sie den Fokus auf Entwicklungsphasen, Wildnisstrukturen und Tierspuren.

Als Komunikationsinstrumente werden eine Internetseite, eine Widnis-App und ein Wildnis-Flyer sowie Projektmaterial für Schulklassen und ein pädagogischer Leitfaden für Führungen entwickelt.

In der ersten Bauphase wird der vorhandene Wanderweg so instandgesetzt, dass er möglichst barrierearm durch die neue Wildnis führt. Weiterhin wurde eine in die Jahre gekommene Grillhütte zurückgebaut. Dort wird zukünftig eine „Wildnisstation“ entstehen, an der die Wildnisentwicklung und biologische Vielfalt greifbar gemacht werden. Die neue Infostelle schafft Verknüpfungen zur Wildnisentwicklung und dient auch als Treff- und Austauschpunkt für Gruppen und Führungen.

Die Kooperationspartner sind zuversichtlich, dass alle Bauphasen zügig voranschreiten und sie den Erlebnisweg im Frühsommer 2018 eröffnen können.

Weitere Informationen

Nicht nur mit Wildnisgebieten engagiert sich Wald und Holz NRW für die Artenvielfalt. Auch in den bewirtschafteten Flächen finden seltene Tiere und Pflanzen in alten Bäumen ein zu Hause. Wie das funktioniert, erfahren Sie unter www.wald.nrw.de/xylobius.

Außerdem erforschen die Försterinnen und Förster bereits seit mehr als 40 Jahren in ihren „Naturwaldzellen“, wie sich Wälder ohne den direkten Einfluss von Menschen entwickeln. Die Erkenntnisse könnten auch bei der Suche nach Antworten auf den Klimawandel helfen. Mehr zu Naturwaldzellen unter www.wald.nrw.de/naturwaldzellen.

Pressekontakt

Wald und Holz NRW
Anika Hartmann
Moltkestraße 8
46483 Wesel

Tel.: 0281/33832-66
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