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Mein Wald! Unser Wald!

Jeder nutzt ihren Besitz, aber keiner kennt die 150.000 Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer in NRW

01.08.17Pressemitteilung

Kaum jemand weiß, auf wessen Grund und Boden er seinen Turnschuh bei der Joggingrunde setzt oder wem das Gebüsch gehört, aus dem Fiffi und Waldi gerade das Stöckchen zerren. Sichtbare Grenzmarkierungen und Zäune gibt es im Wald nicht. Es gilt das allgemeine Betretungsrecht. Das interpretieren viele Menschen leider als Hinweis auf einen mehr oder weniger besitzlosen Zustand unserer Wälder. Schon der einfache Hinweis, dass jeder Quadratmeter Wald eine Besitzerin oder einen Besitzer hat, führt zu irritiertem Stirnrunzeln. Tatsächlich führt der Waldspaziergang in Nordrhein-Westfalen meistens über die Privatgrundstücke der 150.000 Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer des Landes. Die sind gesetzlich verpflichtet, ihren Wald der Bevölkerung zum Zwecke der Erholung zur Verfügung zu stellen.

Cover Nachhaltigkeitsbericht 2017

Unter dem Titel „Mein Wald. Unser Wald.“ veröffentlicht Wald und Holz NRW im aktuellen Nachhaltigkeitsbericht Geschichten über sieben ganz unterschiedliche Frauen und Männer aus Nordrhein-Westfalen mit ihren persönlichen Perspektiven als Waldeigentümer. NRW ist wie kein anderes Bundesland geprägt vom Privatwald. Schaut man sich die forstlichen Kartenwerke an, in denen die Besitzverhältnisse eingezeichnet sind, entdeckt man einen Flickenteppich kleiner und kleinster Waldparzellen.

Andreas Wiebe, Leiter von Wald und Holz NRW: „80 Prozent aller Waldbesitzenden  in NRW bewirtschaften Waldflächen, die kleiner als zwei Fußballfelder sind. Ihre Wälder verantwortungsvoll zu pflegen und angemessene Preise für ihr Holz zu erzielen, ist unser gesetzlicher Auftrag seit Jahrzehnten. Eine Aufgabe, der sich unsere Forstleute jeden Tag mit Tatkraft und Herzblut widmen. Unsere Arbeit für die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer wird nach einer Kundenbefragung sehr gut bewertet. Wir sehen das große Vertrauen des Waldbesitzes in unsere Forstleute im ganzen Land, als Auftrag für unsere gemeinsame Zukunft.“

Ganz typisch für NRW ist der Wald von Jürgen Walbrühl aus Alfter bei Bonn. Den Wald hat er geerbt. Ihn selbst zu bewirtschaften war für Walbrühl keine Option. „Ich hatte immer eher einen Faible für Zahlen, auch fürs Büro“ sagt Steuerberater Walbrühl. Den Wald zu verkaufen kam für ihn nie in Frage. „Was du erbst von Deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen“ steht nicht ganz zufällig auf dem Schild seiner Kanzlei. Und als der Borkenkäfer letztes Jahr seinen Kleinstprivatwald fast komplett vernichtete, hat er keinen Moment gezögert, den Wald wieder aufforsten zu lassen. Förster Arne Wollgarten von Wald und Holz NRW kümmerte sich sowohl um das Käferproblem als auch um die Wiederaufforstung mit Roteichen. Steuerberater Walbrühl ist Mitglied einer Forstbetriebsgemeinschaft. In diesen Gemeinschaften organisieren sich Waldbesitzende, um ihre meist kleinen und verstreut liegenden Waldparzellen besser bewirtschaften und pflegen zu können.

Gerade wenn es um Probleme wie den Borkenkäfer geht, ist es wichtig, gemeinsam zu handeln und sich auf einen sachkundigen Experten wie den Wald-und-Holz-NRW-Förster Arne Wollgarten verlassen zu können.

Wald und Holz NRW unterstützt die Forstbetriebsgemeinschaften nach Kräften. Die Holzwirtschaft und damit auch die Endverbraucher  brauchen den nachwachsenden, ökologisch wertvollen Rohstoff Holz. „Holznutzung ist praktischer Klimaschutz“, sagt Andreas Wiebe, Leiter von Wald und Holz NRW. In einem Bundesland mit sehr vielen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern mit nur kleinem Waldeigentum, ist es eine besondere Herausforderung die Holznutzung zu organisieren. Die über Jahrzehnte gewachsenen Strukturen mit den gut organisierten forstlichen Zusammenschlüssen sind ein unverzichtbarer Pfeiler für die nachhaltige Waldpflege und Holzversorgung.

Andreas Wiebe: „Der Wald ist für die wenigsten Besitzer ein so gewichtiger Ertragsbringer, dass sie selbst aktiv seine fachkundige Pflege leisten können. Deshalb warne ich vor Strukturbrüchen und Verunsicherung. Wenn nur ein Teil der Klein- und Kleinstwaldbesitzenden aus der Bewirtschaftung aussteigen würden, wäre eine „kalte Stilllegung“ von ca. 200.000 Hektar Wald in NRW die Folge. Das ist eine Fläche so groß wie 20 Eifel-Nationalparke. Damit würden der Holzwirtschaft große Mengen des dringend benötigten Rohstoffs Holz entzogen. Neben dieser Rohstoffverknappung für die Sägewerke drohen große Verluste von Wertschöpfung im ländlichen Raum. Ohne weiteres kann man einen volkswirtschaftlichen Schaden von 200 bis 400 Millionen Euro pro Jahr abschätzen.“

Reinhard Krebber und Förster Eckhard Remter
v.r.: Reinhard Krebber, Landwirt und Waldbesitzer, plant mit Förster Eckhard Remter die nächsten Maßnahmen in seinem Wald (Foto: Wald und Holz NRW)

Reinhard Krebber ist ebenfalls Waldbesitzer. Obwohl der Landwirt vom Niederrhein mit 80 Hektar deutlich mehr Wald besitzt als der Durchschnitt der Waldbesitzenden in NRW, ist die Forstwirtschaft für ihn nur das zweite Standbein neben der Milchviehhaltung, der Bullenmast und dem Ackerbau. Krebber ist in einer Forstbetriebsgemeinschaft organisiert, die vom Wald-und-Holz-NRW-Förster Eckhard Remter betreut wird. Der Landlust-Nostalgie urbaner Prägung setzt Reinhard Krebber landwirtschaftlichen Pragmatismus entgegen. „Wald muss Ertrag bringen, weil er jedes Jahr Geld kostet“, sagt Krebber. Er muss sich zum Beispiel um die Verkehrssicherung kümmern. Also darum, dass Radfahrern und Spaziergängern nicht morsche Äste auf den Kopf fallen, wenn sie in seinem Wald spazieren gehen. Dass „Ertrag bringen“ nicht „ausbeuten“ heißt, ist für Krebber selbstverständlich: „Nur ernten geht auch nicht. Ich bin Waldnutzer und Waldschützer. Vom Wald werden meine Urenkel noch etwas haben. Bis so ein Baum groß ist, sind wir schon drei Mal unter der Erde.“

Was sich alle Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer wünschen, ist mehr Verständnis für ihren Wald. Von „meinem Wald“ sprechen viele Menschen, wenn sie den Wald meinen, in dem sie regelmäßig ihre Freizeit verbringen. Und wenn dann in „ihrem“ Wald Bäume gefällt werden, sprechen sie schnell von Waldzerstörung. Dass die „echten“ Waldbesitzerinnen und -besitzer ihren Wald nicht zerstören, sondern mit Motorsäge und Harvester nachhaltig pflegen, damit auch kommende Generationen erholsame Waldspaziergänge genießen können, wird nur selten verstanden.

Wald und Holz NRW möchte mit seinem Nachhaltigkeitsbericht einen Beitrag dazu leisten, dass die Waldbesucher besser verstehen, woher das Holz kommt, das sie gern in ökologisch wertvollen heimischen Holzprodukten kaufen. Vielleicht fällt ihnen dann beim nächsten Mal, wenn sie eine Motorsäge hören ein, dass es in NRW sehr viele Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer gibt, die ihre Wälder engagiert und verantwortungsvoll pflegen, damit 18 Millionen Menschen in NRW „ihren“ Wald auch in Zukunft genießen können.

Pressekontakt

Wald und Holz NRW
Michael Blaschke
Albrecht-Thaer-Straße 34
48147 Münster

Tel.: 0251/91797-210
Mobil: 0151/19514378
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