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Der wahre Wert der Wälder

Die stille Revolution in der Wertschätzung der heimischen Natur

15.02.17Pressemitteilung

Was sind unsere Wälder wert? Darüber diskutierten am 07.02.2017 Referentinnen und Referenten aus den Bereichen Forstwirtschaft, Naturschutz und Wissenschaft auf einer Kooperationsveranstaltung von Wald und Holz NRW, NABU NRW und der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald im Forstlichen Bildungszentrum Arnsberg.

Grundlage der Veranstaltung ist die TEEB – Initiative „The Economics of Ecosystems and Biodiversity“. Diese wurde von den G8 + 5 Staaten 2007 ins Leben gerufen und ist, zumindest von der Idee her, eine Revolution des Nachhaltigkeitsgedankens. Im Kern steht die Idee, Leistungen der Natur, die sich nicht direkt verkaufen lassen, trotzdem zu bewerten und bei Entscheidungen zu berücksichtigen.

Was bedeutet das konkret für unsere Wälder?

Bisher berechnet sich der ökonomische Wert der Wälder aus dem „Bodenwert“, also dem reinen Verkaufswert der Fläche und dem Wert des Holzes. Andere Leistungen wie die Beiträge zu Wasserschutz, Frischlufterzeugung, Erosionsschutz, Artenschutz, Erholungswert und Wohlbefinden werden zwar oft genannt, aber selten konkret bewertet. In Zeiten eines weitgehend ökonomisch bestimmten Umfeldes ist dies eine schwierige Situation. Zumindest wenn gesellschaftlich eine tatsächliche Nachhaltigkeit für kommende Generationen gewünscht ist.

Nachhaltigkeit 2.0

Andreas Wiebe, Leiter von Wald und Holz NRW, Heinz Kowalski vom NABU und Marie-Luise Fasse von der SDW begrüßten rund 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer und betonten den gemeinsamen Standpunkt für die transparente Bewertung der heimischen Ökosysteme. „Es geht uns nicht um geldliche Forderungen, sondern um eine realistische Wertschätzung unserer Wälder in Politik und Gesellschaft“, betonte Wiebe.

Prof. Dr. Bernd Hansjürgens vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung und Dr. Burkhard Schweppe vom Bundesamt für Naturschutz verdeutlichten den volkswirtschaftlichen Ansatz von TEEB. Denn für einzelne Betriebe macht eine Berücksichtigung von Ökosystemleistungen in überschaubaren Zeiträumen weniger Sinn. Als praktisches Beispiel führte Hansjürgens die Ausweisung von Bauland an. Dabei würden von Kommunen oft nur die Erschließungskosten betrachtet, aber nicht das gesteigerte Überflutungsrisiko durch mehr versiegelte Flächen oder der Verlust an Artenvielfalt. „Wir retten das, was für uns einen Wert hat. Das, was keinen Wert hat, bleibt draußen“, brachte es Hansjürgens auf den Punkt.

Schweppe zeigte auf, dass die gesamtgesellschaftlichen Kosten einer Nutzung von Moorböden (bsp. Biogas)aufgrund der freigesetzten Treibhausgas-Emissionen die betrieblichen Gewinne übersteigen. Vereinfacht gesagt: einer gewinnt, viele verlieren. „Es geht vor allem auch darum, zukünftigen Generationen Handlungsoptionen offen zu halten“, so Schweppe.

Eine ganz andere Leistung der Wälder wird als ganz selbstverständlich erachtet: Wald als Erholungsraum. Dass auch hier ein reeller Gegenwert besteht, zeigten Markus Wolff vom Forstbetrieb der Stadt Remscheid und Michael Lammertz von Wald und Holz NRW, Nationalpark Eifel. Nach verschiedenen direkten und indirekten Erhebungen, sind die Menschen bereit, Geld für das Naturerlebnis Wald auszugeben. Zum Beispiel die Fahrtkosten zum Waldparkplatz. Dass die Zahlungsbereitschaft sich hier kaum genau festlegen lässt, findet Markus Wolff unproblematisch. Denn wichtiger als der konkrete Wert des Waldbesuchs, sei die gedankliche Auseinandersetzung damit, so Wolff.

Zudem leisten Wälder einen nur schwer schätzbaren, aber definitiv vorhandenen Nutzen für das Wohlbefinden der Menschen. Diese früher hoch geschätzte Leistung werde heute oft unterbewertet kritisierte Dr. Norbert Asche von Wald und Holz NRW. Asche führte zudem Kassenhäuschen vor Wäldern in den USA und den Niederlanden an, um die Wertschätzung von Waldbesuchern für den Wald zu verdeutlichen. In NRWs Wäldern bleibt es natürlich bei: „Eintritt frei“. Das sich Wald-Tourismus auch heute schon bezahlt macht, zeigen die Ergebnisse des sozioökonomischen Monitorings im Nationalpark Eifel, so Lammertz. 870.000 Menschen besuchen demnach pro Jahr den Nationalpark, bewirken einen Umsatz von 30 Millionen Euro in der Region und legen damit den Grundstein für bis zu 700 Arbeitsplätze.

Zu einer umfassenden Betrachtung der Nachhaltigkeit gehört es auch, sich um die Verwendung des Holzes Gedanken zu machen. Unternehmensberater und Zukunftsforscher Marcus Knauf erläuterte, warum es sehr viel nachhaltiger ist, Holz in langlebigen Produkten zu nutzen als es als Ersatz für Öl und Kohle zu verbrennen. In dem Konzept der Kaskadennutzung steht die thermische Holznutzung ganz am Ende einer mehrstufigen Nutzungskette.

Zukünftig wird es auch um die Frage gehen, für welche Leistungen eine Inwertsetzung überhaupt Sinn macht. Denn gerade beim Artenschutz führt eine reine ökonomische Betrachtung ins Leere. „Was ist ein Rotmilan wert?“, fragte Heinz Kowalski, stellvertretender Landesvorsitzender des NABU. „Die ethische Dimension von Natur- und Artenschutz muss weiter relevant bleiben“, so Kowalski.

„Das Abwiegen zwischen ökologischen und ökonomischen Interessen gehört zum Arbeitsalltag unserer Forstleute. Von daher werden wir uns auch in Zukunft für die Wertschätzung der Leistung unserer Wälder einsetzen und als zentraler Kooperationspartner zur Verfügung stehen“, hob Wiebe zum Abschluss der Veranstaltung hervor.

Ein von Wald und Holz NRW und der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald produziertes Video finden sie im YouTube Kanal von Wald und Holz NRW: https://youtu.be/qUIl5Eocw4k

Klaus Töpfer, ehemaliger Bundesumweltminister  und ehemaliger Leiter der UN Umweltbehörde erläutert im Interview, warum unsere Wälder mehr Wert sind, als das Holz welches sie produzieren.

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Pressekontakt

Wald und Holz NRW
Stefan Befeld
Bendlerstraße 5
33142  Büren

Tel.: 02951/9353266
Mobil: 0171/5873274
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